In feinem Zwirn waren die meisten Angeklagten noch einmal erschienen, manche verfolgten ihr Urteil mit Desinteresse. Neun Mitarbeitern einer betrügerischen Vertriebsfirma wurden vom Landgericht die Folgen ihres Tuns vor Augen geführt: Sämtliche Käufer, völlig unerfahren mit Kapitalanlagen, sind hoch verschuldet, können die Raten von teilweise über 1000 Euro kaum noch bedienen. Sie erwarben überteuerte und nutzlose Schrottimmobilien. Der Schaden beträgt rund eine Million Euro.
Chef des Unternehmens war Kai-Uwe K., der Mittwoch wegen bandenmäßigen Betrugs zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Er sei der "große Organisator" der Deals gewesen, sagt Richter Andreas Mosbacher. Seine Komplizen machte er finanziell abhängig, ihre Verbundenheit wurde mit großen Tattoos besiegelt. Und seinen Reichtum stellte der 31-Jährige gerne im Internet zur Schau: eine Villa am See, mehrere Sportwagen, teuren Schmuck.
KK Royal Basement hieß das Unternehmen, das sich laut Gericht in Tochterfirmen verzweigte, die sich unter anderem "Steuerfüchse" nannten. Potenzielle Kunden wurden von Callcentern geködert und dann "an jeder Stelle belogen und betrogen", sagt der Richter. Die minderwertigen Immobilien seien in Gesprächen nie erwähnt worden. Stattdessen wurden blumige Steuersparmodelle versprochen und Verträge nie vollständig gezeigt. Die Verkäufer strichen Provisionen von bis zu 35 Prozent ein. "Das war die goldene Kuh, um die sich alles drehte."
Die Masche sei an Dreistigkeit nicht zu überbieten, sagt der Richter. So wurde vielen Ehepaaren am Telefon suggeriert, sie seien neben anderen vom Staat auserkoren, Abgaben sparen zu können. Dann stellte sich einer der Angeklagten, Hartmut S., bei persönlichen Treffen unter anderem als "Bundessteuerberater" vor. Bei den Verträgen wurde vorgegaukelt, dass überhaupt kein Risiko bestehe. Zudem wurden garantierte Einnahmen versprochen. Sämtlichen Mitarbeitern von K., die Strafen von bis zu dreieinhalb Jahren Haft erhielten, sei das Ausmaß ihrer Handlungen bewusst gewesen, so der Vorsitzende der 36. Strafkammer.
"Es war ein perfides System", sagt Mosbacher. Dabei hätten womöglich auch Notare eine gewichtige Rolle gespielt, die noch am Tag der Verkaufsgespräche die Geschäfte besiegelten - auch zu später Stunde. "Sie haben Käufer in falsche Entscheidungen getrieben", betont der Richter. In den Kanzleien seien deren Bedenken zerstreut worden. "Die Notare haben wegen der Einnahmen ihre Pflichten vergessen oder aber mit den Angeklagten gemeinsame Sache gemacht", erklärt Mosbacher. Auch die Banken hätten womöglich die Deals verhindern können. So habe die Deutsche Kreditbank "auf grotesk dünner Grundlage die Immobilien finanziert".
Nicht zuletzt stolperte im Dezember der ehemalige Justizsenator und langjährige Notar Michael Braun (CDU) über Vorwürfe, nach denen er in anrüchige Geschäfte mit minderwertigen Immobilien verwickelt gewesen sei. Im Mai urteilte das Landgericht jedoch, dass bei ihm kein rechtswidriges Handeln festgestellt werden konnte. Die Justizminister von Bund und Ländern wollen nun schärfer gegen den Verkauf von Schrottimmobilien vorgehen.
Mosbacher bezeichnet sein Urteil als eines "mit Signalwirkung". Betrüger, die ähnlich agieren, sollten erfahren, "dass sie mit einem Bein im Gefängnis stehen". Anlegerschützer zeigten sich zufrieden. "Es ist ein Warnschuss an die Szene", sagt der Vorsitzende der Brandenburgischen Verbraucherzentrale, Jochen Resch. Jeden Tag würden jedoch weiterhin Schrottimmobilien verkauft, Dutzende Betrüger seien in der Region tätig. "Hier wurde nur die Spitze des Eisbergs verhandelt", sagt Jürgen Blache, Vorstand der Schutzgemeinschaft für geschädigte Kapitalanleger.