Dort, wo sich früher täglich bis zu 22 000 Badelustige in langen Schlangen drängelten, liegen heute nur noch Scherben. Die teilweise gesplitterten und mit Graffiti verschmierten Scheiben des Glaspalastes sind mit Decken verhangen. Wo trotzdem ein Blick ins Innere gelingt, sieht man teilweise auf Schuttberge. Garderobenständer stehen nutzlos im Raum. Über das einstige Prestigeobjekt der DDR, damals in seiner Größe weltweit einzigartig, hat sich der Staub der Verwahrlosung gelegt.
Dass in einem kleinen Teil des Riesen-Komplexes dennoch Sport getrieben wird, darauf weisen große hellrote Banner an der Fassade hin. Und tatsächlich. Wer um die Ecke geht, findet eine Tür, die nicht verrammelt ist. Der langer Gang führt vorbei an nagelneuen Badminton-Plätzen. Wer an der Rezeption elf Euro für die Tageskarte berappt, darf im SEZ-Club von 14 bis 24 Uhr saunieren und Fitness treiben. Es gibt moderne Indoorfußball- und Basketballfelder, einen kleinen Außenpool mit Liegewiese, auf der sich ein paar ältere Herren sonnen. Kinder dürfen nicht hinein. "Aus Sicherheitsgründen", erklärt die Dame am Empfang. Es hätte schon mehrere Unfälle gegeben.
Der massenkompatible Schwimmspaß in sieben Becken inklusive Wellenbad ist längst Geschichte. Der Sport- und Spaßtempel, der Anfang der 80er-Jahre von schwedischen Architektenteams gebaut und von der DDR stark subventioniert wurde, war dem Berliner Senat nach der Wende nur Last. Da das SEZ nicht wirtschaftlich zu betreiben war, wurde der Betrieb der Sportstätten nach und nach eingestellt. 2003 übernahm der Leipziger Unternehmer Rainer Löhnitz das 50 000 Quadratmeter große Areal vom Liegenschaftsfonds. Er bekam die Anlage, die auch im Ruhezustand noch jährlich rund 400 000 Euro Kosten verursachte, für einen symbolischen Euro. Dafür verpflichtet er sich, den Ort als Sportzentrum zu erhalten. In kleinem Rahmen tut er das, auch wenn der SEZ-Club von dem vom Senat gewünschten familienfreundlichen Spaßbad weit entfernt ist.
Was Löhnitz aus dem SEZ in den vergangenen zehn Jahren machte oder nicht machte, interessierte dort wenig. Doch dann stellte der Investor Anfang 2013 einen Bauantrag für den Ausbau des SEZ-Verwaltungsgebäudes in ein Sport- und Familienhostel. Zusätzlich wollte er im SEZ-Park Stellplatzflächen für Touristen mit Wohnmobilen einrichten.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg lehnt das Vorhaben ab. Ein Campingplatz sei nach der Baunutzungsverordnung in einem Mischgebiet unzulässig, heißt es in dem Antwortschreiben, das Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) persönlich unterschrieben hat.
Als Alternative will Löhnitz nun gleich dreistöckige Häuser im Park bauen, die in einem Mischgebiet wiederum zulässig wären. Auch in ihnen will er Touristen beherbergen. "Alternativ könnten sie der Schaffung von Wohnraum dienen", heißt es in seinem überarbeiteten Bauantrag.
Allerdings kann sich Löhnitz auch vorstellen, das SEZ aufgrund der "komplett veralteten Energie und Betriebsstruktur" ganz abzureißen und durch eine neue multifunktionale Sport-, Freizeit- und Wellnessanlage zu ersetzen. Er verweist bei seinen Plänen auf das Kleingedruckte im Kaufvertrag, das ihm Zusatzbauten erlaubt, wenn es zum Wirtschaften nötig ist. "Der Käufer ist nicht verpflichtet, das SEZ wieder so herzurichten, wie es seinerzeit betrieben worden ist. Zum baulichen Fortbestand bestehen keine vertraglichen Verpflichtungen", hieß es schon 2010 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus.
Die neuen Bauanfragen hat Löhnitz Mitte Juni ins Bezirksamt geschickt. "Wenn nicht die Möglichkeit besteht, das Angebot im SEZ in der notwendigen und sinnvollen Art zu entwickeln und auszubauen, werden eine langfristige Erhaltung und ein Weiterbetrieb unmöglich", so der Geschäftsmann.