In der 2000 Quadratmeter großen "NochMall", Berlins erstem BSR-Gebrauchtwarenkaufhaus, bekommen Holzkommoden, Fernseher, Kaffee-Service und Golfschläger  nun ein zweites Leben.
"Alles außer neu" steht auf großen Plakaten, die schon auf der Straße den Weg zu dem neuen Re-Use-Projekt der Berliner Stadtreinigung (BSR) weisen, das vor wenigen Tagen in einem ehemaligen Baumarkt neben "Fressnapf", "Radhaus" und "Matzes Anglerbedarf" in Reinickendorf eröffnet hat. "Wir möchten mehr sein als nur ein weiteres Kaufhaus für Gebraucht­waren", betont BSR-Chefin Stephanie Otto. Die "NochMall" solle ein Erlebnisort für Nachhaltigkeit sein. So seien neben dem Verkauf auch Repair-Cafés und Upcycling-Workshops geplant. Außerdem soll es Dis­kussions­veranstaltungen zum Thema Wiederverwendung und gesonderte Pop-Up-Stores für nachhaltige Produkte geben.
Das Geschäftsmodell der "NochMall", einer 100-prozentigen Tochter der BSR mit derzeit 20 Mitarbeitern sei dabei nicht gewinnorientiert. "Es sollen lediglich die Kosten für den Betrieb des Kaufhauses gedeckt werden", so Otto.
Das Sortiment umfasse derzeit rund 15 000 Artikel in zehn Warengruppen und wird täglich wieder aufgefüllt. Die dort angebotenen Gebrauchtwaren werden derzeit auf zwei Berliner Recyclinghöfen gesammelt oder von Bürgern direkt in der "NochMall" gespendet.
Neben Möbeln gibt es Geschirr, Kleidung, Elektrogeräte, Haushaltswaren und Spielzeug. Kindersitze sind ebenso zu haben wie Rollerblades. In der ersten Etage sieht man Kunden in den Ablagen mit CDs und alten Schallplatten stöbern. Der Cappuccino im kleinen Café ist teurer als die Tassen unten in der gut sortierten Auslage, in der man ganze Porzellan-Service kaufen kann.
Eine Vierer-WG aus dem Wedding hat neben Geschirr, Bücher, Klamotten und eine Lampe in die großen rollbaren Einkaufskörbe im typischen BSR-Orange geladen.  "Es lohnt sich. Das Kaufhaus ist sehr nett gemacht und die Verkäufer sind sehr freundlich", freut sich Selina (30), die sonst immer bei Ebay nach Gebrauchtem stöbert.

Neues Konsumverhalten

"Wer so einkauft und Dingen ein zweites Leben schenkt, trägt zum Ressourcenschutz und zur Abfall­vermeidung bei", findet Stefan Tido, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz. Gebrauchtwarenkaufhäuser erweiterten die Angebotspalette nachhaltig und sollten zu Orten werden, in denen ein neues Konsumverhalten ausprobiert und kreativ weiterentwickelt werde. "Unsere Re-Use-Initiative und das Leitbild einer abfallarmen Stadt werden hier sehr konkret."
Denn der Berliner Senat will bis 2030 zur "Zero Waste"-Modellstadt werden. Wortwörtlich übersetzt heißt das "null Müll". Ziel ist, dass nur noch ein Bruchteil des Abfalls verbrannt werden muss. Der Senat fördert deshalb Projekte zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung sowie hochwertiges Recycling.
So wird es unter anderem auch erstmals bei Karstadt am Hermannplatz Gebrauchtwaren geben. Die Initiative Re-Use Berlin wird ab dem 9. September für ein halbes Jahr in der 3. Etage im Karstadt Hermannplatz Bekleidung, Hausrat, Möbel und Kommunikationstechnik verkaufen und Workshops zur Rettung von Textilien sowie Lebensmitteln anbieten.
"Mit dem Pop-Up-Store werden wir gut erhaltene Gebrauchtwaren für noch mehr Menschen einfach zugänglich machen", hofft Regine Günther (Grüne), Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. "Deshalb gehen wir dorthin, wo die Menschen einkaufen: ins Kaufhaus."

Gebrauchtes shoppen und Gebrauchtes abgeben


Die "NochMall" an der Auguste-Viktoria-Allee 99 in Reinickendorf ist Montag bis Sonnabend jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Wer will kann dort auch gut erhaltene Dinge spenden. Weitere Infos unter www.NochMall.de.Günstig und umweltfreundlich einkaufen kann man unter anderem auch in den Gebrauchtwarenläden der Initiative "Re-Use", die regelmäßig auf Wochenmärkten Sammelaktionen veranstaltet. Die nächsten Termine der Verkaufs- sowie Sammeltage sind unter www.berlin.de/senuvk/umwelt/abfall/re-use aufgelistet. Los geht es heute um 12 Uhr auf dem Ökomarkt am Kollwitzplatz. Dort können gut erhaltenes Geschirr, Bücher, CDs, LPs, Modeschmuck, Kleidung und Textilien sowie Spiele abgegeben werden. neu