Eine Hotline für einsame Senioren sieht im zweiten Corona-Lockdown bedenkliche Entwicklungen und ruft zu mehr Nachbarschaftshilfe auf. „In den vergangenen Tagen, seit der Ankündigung des Lockdowns, hatten wir mehrere Anrufe älterer Menschen, die sich nicht mehr zum Einkaufen nach draußen trauen und die nicht wissen, was sie über die Feiertage essen sollen“, sagte die Gründerin des Angebots „Silbernetz“, Elke Schilling, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Während Nachbarschaftshilfe zu Beginn der Pandemie im Frühjahr noch gut funktioniert habe, sei dies nun für die betroffenen Anrufer nicht spürbar, erklärte der Verein am Freitag.

Mitarbeiter können Leben retten

Bisher sind einzelne solche Notlagen, von denen die Hotline erfährt, wie Schilling erläutert. „Aber es ist wohl nur die Spitze des Eisbergs.“ Sie hält die Situation für „besorgniserregend“. Bisher empfehlen die Hotline-Mitarbeiter den betroffenen Anrufern, die Feuerwehr zu rufen, die bei Gefahr für Leib und Leben zuständig sei. Das könne aber keine Dauerlösung sein, sagte Schilling.
Sie appellierte an die Menschen, nach älteren Nachbarn zu sehen und diese bei Bedarf zu unterstützen. „Wir rufen dazu auf, gleich heute bei den älteren Nachbar*innen zu klingeln und Hilfe anzubieten. Natürlich mit Maske und Abstand, wenn vorhanden, über die Gegensprechanlage.“ Dass sich manche Senioren nicht mehr nach draußen trauen, hat Elke Schilling zufolge neben den Infektionszahlen auch mit Erfahrungen der Rücksichtslosigkeit vom Sommer zu tun. „Teils wurde man angepöbelt, wenn man mit Maske unterwegs war.“

Hotline Senioren mit Gesprächsbedarf

„Silbernetz“ ist als Angebot für Menschen ab 60 mit Gesprächsbedarf seit März bundesweit erreichbar. Corona habe es groß gemacht, sagte Schilling kürzlich der dpa. Pro Tag gebe es im Schnitt 250 Anrufe, manche Menschen meldeten sich mehrfach täglich. Über die Feiertage können sich die Menschen rund um die Uhr an „Silbernetz“ wenden.