Die Zahlen klingen wie immer rekordverdächtig: 150 Künstler, drei Bühnen, sieben Videowände und ein DJ-Turm sollen am Silvesterabend Hundertausende auf der zwei Kilometer langen Feiermeile in Stimmung bringen. Mit dabei DJ BoBo, Marianne Rosenberg, Bonnie Tyler, Peter Schilling, Fun Factory und Jermaine Jackson. Letzterer will kurz vor zwölf Uhr Hits seines Bruders Michael singen. Auch der Abgesang des Jahres soll ein Rekord werden: "Der Countdown wird diesmal eine Minute dauern, auch den wollen wir richtig feiern", sagt Harry Seedorf, Programm-Chef von Silvester in Berlin.
Er musste die Musiker nicht lange bitten. Schließlich gehen die Bilder von der Mega-Sause traditionell auf allen Kanälen um die ganze Welt. Marianne Rosenberg, die schon vor drei Jahren dabei war, habe sogar selbst angefragt, berichtet Seedorf. Sie will auf der Bühne am Brandenburger Tor eine neue Adaption ihrer "Lieder der Nacht" präsentieren.
Von null auf Platz eins der Charts wurde auch Max Giesinger gespült, den die privaten Party-Meilen-Veranstalter im vergangenen Jahr noch als Newcomer präsentiert hatten. Ihren diesjährigen Überraschungserfolg sowie die neue Hertha-Fan-Hymne "Die immer lacht" will auch Kerstin Ott mit den Berliner Fans feiern. Sportlich wird es auch direkt nach dem achtminütigen Feuerwerk zum Jahreswechsel, wenn Maschine von den Puhdys "Hey, wir wollen die Eisbären sehn" anstimmt.
Damit trotz feuchtfröhlicher Stimmung alles friedlich bleibt, hat der Veranstalter 500 Security-Mitarbeiter organisiert. "Jeder wird kontrolliert", kündigt Mitorganisator Willy Kausch an. Selbst kleine Handtaschen würden an den bewachten Eingängen nach verbotenenen Waffen, Glasflaschen oder Böllern durchsucht und anschließend mit einem Bändchen versehen. "Damit auch die Ordner drinnen sehen, dass sie schon kontrolliert wurden. Rucksäcke, große Taschen und Rollkoffer sind seit der Terror-Gefahr sowieso Tabu. Die Straße des 17. Juni wird weiträumig mit einem 13 Kilometer langen Spezialzaun gesichert. "Den man nicht umschmeißen kann", betont Kausch. Er rät Besuchern, möglichst früh anzureisen. Erfahrungsgemäß ist bei gutem Wetter die kostenlose Meile teilweise schon ab 20 Uhr dicht. "Ab 21 Uhr kann man dann nur noch über die Siegessäule reinsickern." Die Eingänge am Pariser Platz würden häufig schon ab 14 Uhr gesperrt, die an der Ebertstraße gegen 19.30 Uhr.
Veranstalter und Polizei setzten bei dem Sicherheitskonzept auf Bewährtes aus den vergangenen Jahren. Dabei habe man allerdings durchaus auch die sexuellen Übergriffe vom vergangenen Jahreswechsel in Köln im Hinterkopf, sagt Andreas Sydow, Leiter der Polizeidirektion 3. Er wird die Open-Air-Party mit 1000 Beamten absichern. Allerdings könnte man die Kölner Domplatte nicht mit der Berliner Meile vergleichen. "Dort herrschten ganz andere Voraussetzungen", so Sydow. Weitere zusätzliche 700 Beamte würden deshalb andere, eher vergleichbare Berliner Plätze absichern. "Sie können sich darauf verlassen, dass wir dieses Ding auf keinen Fall verharmlosen werden."
Die unsicheren Zeiten und die angespannte Weltlage haben auch beim Berliner Tourismus für eine Achterbahnfahrt in diesem Jahr gesorgt, berichtet Burkhard Kieker, Chef von visitBerlin. Weil die Menschen länger zögern und abwarten, seien die Reservierungen für das Jahresende diesmal nur langsam reingekommen. "Doch seit zwei, drei Wochen hageln die Buchungen wie immer rein, so werden wir diesmal gut aus dem Jahr herauskommen", prophezeit Kieker.
So erwarten die Party-Veranstalter auch dieses Jahr wieder Hunderttausende. Wem das zu viel Gedränge ist, kann sich die Feier im ZDF anschauen. Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner wollen diesmal schon ab 20.15 Uhr gut vier Stunden lang live moderieren. Auch das ist ein neuer Rekord.