Er rammte auf der Berliner Stadtautobahn mit seinem Auto mehrere Fahrzeuge, verletzte drei Motorradfahrer schwer und rollte einen Gebetsteppich auf der Fahrbahn aus. Acht Monate nach den mutmaßlichen Angriffen hat am Landgericht der Hauptstadt der Prozess gegen den Beschuldigten begonnen. Von einer geplanten Tat aus „wahnhaft religiösen und islamistisch geprägten Motiven“ geht die Generalstaatsanwaltschaft aus. Die Verteidiger des Irakers hielten am Donnerstag dagegen: „Es gab keinen Plan für eine Amokfahrt.“ Er habe einen schizophrenen Schub erlitten. „Was geschah, tut ihm leid.“

Angeklagter schweigt zu den Geschehnissen

Fast regungslos saß der 30-Jährige, dem unter anderem versuchter Mord in drei Fällen zur Last gelegt wird, in seiner Box aus Panzerglas. Er soll sich unmittelbar nach der Unfallserie als „Mudschahedin“ bezeichnet und gerufen haben: „Ihr werdet alle sterben.“ Er habe einen Gebetsteppich auf der Fahrbahn ausgerollt. In der Antragsschrift der Generalbundesanwaltschaft heißt es, er habe zudem eine vermeintliche Munitionskiste auf das Dach des Wagens gestellt und erklärt, sie bedeute für ihn „Krieg“. Beamte fanden darin später Werkzeug und einen Koran. Vor Gericht schwieg der Iraker zunächst.
Nach den mutmaßlichen Angriffen ist der Iraker, Angaben zufolge ein abgelehnter Asylbewerber mit einer Duldung, vorläufig im Krankenhaus des sogenannten Maßregelvollzugs untergebracht worden – wegen Verdachts auf „religiösen Wahn“. Ihm wird versuchter Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen - heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln begangen. Zudem geht es um gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Körperverletzung, Unfallflucht, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.
Der Beschuldigte soll sich laut Generalstaatsanwaltschaft vor der Tat am 18. August 2020 aus wahnhaften Motiven entschlossen haben, Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten. Er habe zufällig ausgewählte Menschen töten wollen, „welche er stellvertretend für sogenannte Ungläubige ansah“, heißt es in der Antragsschrift der Behörde. Die Generalstaatsanwaltschaft strebt seine weitere Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Derzeit sei er für die Allgemeinheit gefährlich.

Angriffe auf Motorradfahrer auf der Stadtautobahn

Die mutmaßlichen Angriffe begangen gegen 18.35 Uhr. Zunächst habe der Beschuldigte kurz nacheinander vier Autos gerammt, wobei es bei Blechschäden geblieben sei. Um 18.37 Uhr sei der Iraker dann an einer Anschlussstelle auf einen Motorrollerfahrer zugerast - „er beschleunigte auf rund 130 km/h und fuhr gezielt mit Tötungsabsicht den direkt vorausfahrenden Motorroller frontal im Bereich des Hecks an“, so der Vorwurf. Nur wenige Augenblicke später soll der 30-Jährige zwei weitere Motorradfahrer bei Crashs schwer verletzt haben. Andere Menschen seien von Trümmern getroffen worden.
Die Zweirad-Fahrer sind Nebenkläger im Prozess. Zwei von ihnen saßen mit im Gerichtssaal. Das weitere Opfer ist nach Angaben seines Verteidigers nicht in der Lage dazu. Der Mann sei nur durch das schnelle Eingreifen von Ersthelfern und eine Reanimation gerettet worden. Zu seinen massiven Verletzungen gehörte ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. „Er musste erstmal wieder Sprechen und Laufen lernen – es ist ein langer Heilungsprozess“, so der Anwalt des Mannes.
Ein weiterer Nebenklage-Anwalt sagte: „Es ist reines Glück, dass die drei Motorradfahrer überlebt haben. Glück im Unglück, aber teilweise mit schweren Folgen.“ Sein Mandant wolle wissen, „was das für ein Mensch ist, der eine solche Tat begangen hat“. Und warum es ihn getroffen hat an jenem Tag.

Terror oder psychische Verwirrung?

Einer der beiden Verteidiger erklärte, bei dem Mandanten habe keinerlei terroristische Absicht vorgelegen. „Hier ist relativ unverhofft ein schizophrener Schub gekommen“, so Anwalt Matthias Schmidt. Dadurch seien die Unfälle verursacht worden. Der Prozess geht am 26. April weiter.
Der Iraker soll sich laut Generalstaatsanwaltschaft vor der Tat am 18. August 2020 entschlossen haben, aus „wahnhaft religiösen und islamistisch geprägten Motiven“ zufällig ausgewählte Menschen zu töten. Der Beschuldigte habe mit seinem Auto auf der BAB 100 andere Verkehrsteilnehmer durch Kollisionen mit überhöhter Geschwindigkeit verletzen und töten wollen.