Ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat erstmals öffentlich bestätigt, dass seine Behörde bei einem vom späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri häufig besuchten Moscheeverein einen Informanten platziert hatte. Der Verfassungsschützer, der am Donnerstag als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestages zu dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz befragt wurde, sagte nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung, die V-Person habe Amri vor dem Anschlag jedoch nicht als relevante Person wahrgenommen.
Der abgelehnte Asylbewerber Anis Amri war häufig Gast in der Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit gewesen. Auch am Tag des Anschlags, dem 19. Dezember 2016, ging er in die von radikalen Islamisten frequentierte Gebetsstätte. Kurz darauf kaperte der Tunesier einen Lastwagen und raste damit über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen. Er konnte fliehen und wurde später in

Amri galt nicht als gefährlich

Italien von der Polizei erschossen.
Kurz nach dem Anschlag hatte der damalige Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, erklärt, die Behörde habe mit Amri kaum zu tun gehabt, Amri sei ein „reiner Polizeifall“ gewesen. Inzwischen ist allerdings bekannt, dass sich das Bundesamt durchaus mit Amri, der auch Kontakt zu Salafisten in anderen Bundesländern hatte, beschäftigt hat. Maaßen soll voraussichtlich in der kommenden Woche im Untersuchungsausschuss als Zeuge vernommen werden. Der Ausschuss hat die Aufgabe, mögliche Fehler der Behörden rund um den schwersten islamistischen Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik aufzuklären.