Hunderte von Menschen sind schon am Samstagvormittag zum Flughafen Tegel gekommen, um sich noch einmal zwischen Tower und Terminal A umzusehen. Eine Woche nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER schließt Tegel an diesem Wochenende. Der Andrang sei vor allem auf der Besucherterrasse groß gewesen, sagte Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, am Samstagmittag.
Dort sind jeweils nur 100 Gäste zeitgleich erlaubt. Die für das Betreten der Terrasse notwendigen Tickets seien seit Tagen ausgebucht gewesen, sagte Tolksdorf. Insgesamt sei bis zum Abend mit mehreren Tausend Besuchern auf dem Flughafengelände zu rechnen.
Ende einer 60-jährigen Ära Abschied und Wehmut am Flughafen Tegel

Berlin

Wasserfontänen für die letzten Flieger

Von der Terrasse aus waren noch etliche Starts und Landungen zu sehen - insgesamt standen für Samstag 70 Flugbewegungen an, ein gutes Dutzend Maschinen sollten beim Abflug mit Wasserfontänen verabschiedet werden. Starts und Landungen waren aber auch aus dem Terminal A heraus zu beobachten.
Viele Familien mit Kindern seien vorbeigekommen und auch auffällig viele Besucher, die mit der Kamera und nicht mit dem Smartphone fotografieren wollten. Vielen sei es weniger um Selfies gegangen als darum, Erinnerungen an den Flughafen mit dem in Berlin seit Jahrzehnten vertrauten Kürzel TXL festzuhalten.

Ende des Flughafens bleibt umstritten

„Die Hinweistafel mit den Ankünften und Abflügen ist ein gefragtes Motiv“, sagte Tolksdorf. Aber auch der TXL-Bus, den viele Fluggäste gut kennen, der Tower oder das berühmte sechseckige Terminal A seien oft fotografiert worden.
Das Aus für den Flughafen bleibt auch am Wochenende seiner Schließung umstritten. Der Berliner FDP-Vorsitzende Sebastian Czaja nennt sie „ein Denkmal demokratischer Ignoranz“. Seine Partei hatte zusammen mit dem Verein Pro Tegel 2015 eine Initiative gestartet, Tegel offen zu halten. Bei einem für den Senat nicht bindenden Volksentscheid gab es 2017 für das Anliegen fast eine Million Stimmen und damit eine knappe Mehrheit.
„Tegel ist und bleibt nicht nur ein Stück Berlin, sondern war auch immer die Cashcow der Flughafengesellschaft FBB“, teilte der FDP-Politiker am Samstag mit. „Der Berliner Senat muss nun erklären, wie er die FBB vor einer möglichen Insolvenz retten will.“ Rot-Rot-Grün warf er vor, wer so unverfroren einen erfolgreichen Volksentscheid ignoriere, zerstöre das Vertrauen in die Demokratie.
Das Bündnis „Tegel schliessen. Zukunft öffnen“ sieht das ganz anders: „Wir freuen uns - endlich himmlische Ruhe. Kein Aufschrecken aus dem Schlaf um 6.00 Uhr morgens, keine dauernde Unterbrechung von Gesprächen draußen im Park“, teilte es am Samstag mit. „Und keine Flieger werden den Genuss beim Glas Wein auf dem Balkon am Abend mehr stören.“

Letzter Start geht nach Paris

Am Samstagabend soll beim letzten regulären Abflug ab Tegel eine Lufthansa-Maschine nach München starten. Am Sonntagnachmittag hebt dann noch einmal eine Maschine der französischen Fluggesellschaft Air France mit Ziel Paris ab. Damit schließt sich der Kreis: Den ersten Linienflug nach Tegel absolvierte ebenfalls eine Air-France-Maschine. Sie landete am 2. Januar 1960.
Am Abend wird das Licht ausgeschaltet, wie die Flughafengesellschaft am Samstag mitteilte - und zwar um 19.45 Uhr. Das übernimmt Katy Krüger, Leiterin Terminalmanagement bei der FBB. „Mit dem symbolischen „Licht aus“ enden dann mehr als sieben Jahrzehnte Luftfahrtgeschichte in Tegel.“