Er regte sich über eine Beinahe-Rempelei auf und zog im Streit ein Messer: Nach dem gewaltsamen Tod eines 13 Jahre alten Jungen im Monbijoupark in Berlin-Mitte ist der Angeklagte zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht der Hauptstadt sprach den 41-Jährigen am Donnerstag des Totschlags sowie der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Der Junge, der als Siebenjähriger mit seiner Familie aus einem Flüchtlingslager in Syrien nach Deutschland geflüchtet war, starb noch am Tatort.

Mit einem Messer ins Herz gestochen

„Es war eine unheimlich feige Tat“, sagte die Vorsitzende Richterin Regina Alex. In einem Streit habe er dem Jungen, der schmächtig und einen Kopf kleiner war als er, mit einem Messer in das Herz gestochen. Zuvor habe es keine Angriffsversuche auf den Angeklagten gegeben. „Er wollte als Sieger vom Platz gehen.“ Anschließend habe er einen Begleiter des Jungen durch einen Stich schwer verletzt.
Der 41-Jährige mit türkischer Staatsbürgerschaft und der palästinensische Junge waren sich Ende Oktober 2020 in einem Tunnel unter der S-Bahn am Park zufällig begegnet. Der 13-Jährige habe auf ein Handy geschaut und nicht richtig aufgepasst, hieß es im Urteil. Die Begleiterin des Angeklagten habe einen Schritt zur Seite machen müssen, um nicht angerempelt zu werden. „Die Situation war nichtig, doch der Angeklagte entschied sich, den Jungen anzusprechen und einen Streit zu beginnen.“

Angeklagter beruft sich auf angebliches Drohszenario

Angaben des Angeklagten, der Junge habe aggressiv gewirkt und sei in Begleitung von jungen Männern gewesen, die die Fäuste geballt hätten, hielt das Gericht für eine Schutzbehauptung. Ein angebliches Drohszenario sei durch Aussagen von Zeugen widerlegt worden. „Es gab keine Provokation, keine körperliche Bedrohung und keinen Grund, ein Messer einzusetzen“, sagte Richterin Alex.
Das Gericht ging davon aus, dass der Mann den Jungen nicht töten wollte, dies aber billigend in Kauf genommen habe. „Er wollte ihn maßregeln, ihm Respekt beibringen, vielleicht ein bisschen bestrafen“, sagte Alex. Zuvor habe er seine Begleiterin mit herrischem Ton weggeschickt. Die Frau hatte im Prozess erklärt, der Angeklagte, mit dem sie damals ein „Date“ hatte, sei „sauer“ geworden und habe „krass überreagiert“.

Notwehrsituation habe nicht vorgelegen

Nachdem mehrere junge Männer in der Nähe des 13-Jährigen standen, hatte der Angeklagte ein Messer gezogen. Der etwa zehn Zentimeter tiefe Stich durchdrang das Herz des Jungen. Anschließend habe ein damals 22-jähriger Begleiter des Jungen den Mann aufhalten und zur Rede stellen wollen, hieß es weiter. Der Angeklagte habe den diesen im linken Brustbereich schwer verletzt und sei dann geflohen. Eine Notwehrsituation habe nicht vorgelegen. Beide Stiche seien gezielt gewesen, so das Gericht.
Der Angeklagte hatte eine Notwehr-Version geschildert. Er habe das Verhalten des Jungen respektlos gefunden und ihn angesprochen. Dann hätten vier aufgebrachte junge Menschen vor ihm gestanden. „Ich wollte abwehren, aber keine tödliche Verletzung.“ Was geschehen sei, tue ihm „wahnsinnig leid“. Seine Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Sie kündigte bereits Revision an.

Anwalt der Nebenklage spricht von Rassismus

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts. Die Nebenklage-Anwälte, die die Eltern des Jungen vertreten, verlangten einen Schuldspruch wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Rassismus habe eine Rolle gespielt, sagten die Nebenklage-Anwälte. Im Urteil hieß es, dass dies nicht das Motiv gewesen sei. „Der Angeklagte wollte der Dominante sein.“