Am Anfang habe großes Verständnis für die Situation vorgeherrscht, sagt Vereinspräsidentin Kirsten Ulrich. Doch dann sei der Frust gewachsen - spätestens ab Juli, als die Halle wieder leer stand. Genutzt werden darf sie dennoch nicht - wegen der anstehenden Sanierung, die freilich noch nicht beauftragt wurde. 400 Mitglieder haben mittlerweile den Verein verlassen, die Handball-Abteilung ist komplett gewechselt. 20000 Euro Mietkosten kamen zusammen.
Die lange Zeit drohende Insolvenz der Dachse ist zwar durch Hilfszahlungen des Bezirks Pankow gebannt, dennoch steht der Verein vor einer unsicheren Zukunft. "Wer weg ist, kommt nicht mehr wieder", sagt Ulrich. Sie fordert vom Senat klare Aussagen: "Wir wollen endlich wissen, wann wir unsere Halle wieder nutzen können."
Von großen Schwierigkeiten berichten auch Berliner Profi-vereine. "Unsere Mannschaften müssen quer durch die Stadt nach Hohenschönhausen fahren, um halbwegs trainieren zu können", sagt Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, aktueller Deutscher Meister und Europapokalsieger. "Es ist auch völlig unklar, ob wir in der nächsten Saison unsere Heimstätte wieder beziehen können." Nicht nur der Spitzensport sei von der Hallensituation massiv betroffen, sondern vor allem der Breitensport. Viele Eltern hätten bereits ihre Kinder aus den Vereinen abgemeldet, sagt Niroomand.
Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes, zeigt sich verbittert über das Agieren der Senatsverwaltung, die für die Beschlagnahmung sowie die Rückgabe der Objekte zuständig ist. 62 Sporthallen seien als Notunterkünfte genutzt worden, 21 wieder frei gezogen, aber nur zwei wieder ans Netz gegangen. "Überall in Deutschland ist es gelungen, die Hallen freizuräumen. Nur in Berlin nicht", so Böger, der am Montag zusammen mit Vereinsvertretern über die Lage beraten hatte. Zudem wirft er der Landesregierung vor, Zusagen nicht einzuhalten. "Das sorgt für einen massiven Vertrauensverlust." Dagegen betonen die Sportvertreter ausdrücklich, keinen Vorwurf an Flüchtlinge zu richten. Es gehe allein um das Versagen der Politik, so Böger.
Auch der Club für Leibesübungen 1965 beklagt drastische Einschnitte. "Unsere gesamte Tischtennis-Abteilung steht vor dem Aus", sagt Vereinsvorstand Gudrun Seeliger. Die Hälfte der 100 Mitglieder dieser Sparte habe aufgegeben. Thomas Raapke vom Wilmersdorfer Sport-Verein 1892 berichtet, dass seit mehr als einem Jahr sämtliche Trainingstermine im Volleyball gestrichen wurden. Teilweise mussten Vereine über Nacht ausziehen: "Wir sollten bis zum Morgen räumen, sonst wäre unser Equipment entsorgt worden", sagt Anja Herzog, Referentin im SV Luftfahrt Ringen. "Es war ein Kraftakt."
Für Streit sorgen nun auch die Sanierungskosten. Der Landessportbund, der unter anderem das Horst-Korber-Zentrum am Olympiastadion betreibt, hatte einen Finanzbedarf von 3,4 Millionen Euro festgestellt, um Böden, Sanitäranlagen und Lüftungstechnik zu erneuern. Die Berliner Immobiliengesellschaft schätzte den Bedarf auf 1,3 Millionen Euro. "Es ist ein Ping-Pong-Spiel", sagt Böger.
Die Senatssozialverwaltung sieht die Verantwortung bei den Bezirken, den Eigentümern der Hallen. "Sie steuern den Ablauf der Arbeiten", sagt eine Sprecherin. Ob der im September vorgestellte Ablaufplan, sämtliche Hallen bis Ende 2016 zu räumen, eingehalten werden kann, vermag sie indes nicht zu sagen. "Es werden so viele wie möglich leer gezogen."