„Dieser Bus endet an der Hertzallee.  Sie können noch bis zur Betriebshaltestelle mitfahren“, lautet ein Standardspruch in den gelben Doppeldeckern, die am Bahnhof Zoo ihre Fahrgäste ausspucken. Das Angebot nimmt eigentlich nie jemand an.
Denn hinter der dunklen Bahnüberführung, unter der Obdachlose nächtigen, schien die Welt bisher zu Ende zu sein. Der Spaziergang über den BVG-Parkplatz an der Hertzallee endete ja sowieso spätestens an einer Schranke an der Fasanenstraße.
Doch nun öffnet sich der dahinter liegende Uni-Campus Charlottenburg plötzlich der Allgemeinheit. Der Straßenlärm wird von Vogelgezwitscher abgelöst. Neues Pflaster zwischen frisch bepflanzten Beeten und alten Gemäuern lädt zum Schlendern ein. Studenten sitzen mit Club Mate und Laptops auf nagelneuen Bänken und genießen die Sonne. Die jungen Eichen auf der ehemaligen Kurfürstenallee, die bis zum Institut für Bergbau der Technischen Universität (TU) Berlin führt, müssen noch gestützt werden. Die historische und zum Teil autofreie Trasse zwischen Bahnhof Zoo und Ernst-Reuter-Platz wurde reaktiviert. Für die Neugestaltung der verlängerten Hertzallee hat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 1,3 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Topf „Aktives Zentrum City West“ erhalten. Auch die TU hat Geld zugeschossen. Am Ernst-Reuter-Platz will sich die Universität zudem mit einem neu gestalteten Gründerzentrum und einem Café zur Straße hin öffnen. „Damit tragen wir sichtbar zu einer urbanen Belebung des Platzes bei“, erklärt TU-Präsident Christian Thomsen.
Auch die Universität der Künste gehört zu den Nachbarn. „Der Campus Charlottenburg ist sogar nahen Anrainern erst in den letzten Jahren in seiner Größe und Bedeutung bewusst geworden“, glaubt UdK-Chef Martin Rennert.
Auch Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) attestiert dem Gebiet zwischen Charlottenburg und Tiergarten eine „außergewöhnliche stadtpolitische Bedeutung“. Erst am vergangenen Mittwoch hatte sie im ehemaligen Palazzo-Spiegelzelt nördlich des Bahnhofs rund 200 Bürgen neue Pläne vorgestellt. So sollen auf der 13 000 großen Brache zwischen Zoo-Wirtschaftshof und Busparkplatz, wo einst ein Riesenrad geplant war, insgesamt sechs Gebäudeblöcke mit Büros und studentischem Wohnen entstehen. Mittelpunkt soll ein Hochhaus mit 30 Etagen direkt an der Hertzallee sein. Der Turm ist damit nur etwas niedriger als die neuen Hochhäuser Upper West und Waldorf Astoria am nur wenige Gehminuten entfernten Breitscheidplatz. Die TU soll zudem an der Müller-Breslau-Straße ein neues Mathe-Gebäude sowie ein Interdisziplinäres Zentrum für Modellierung und Simulation bekommen. Noch in diesem Quartal werde das Bebauungsplanverfahren mit einem Aufstellungsbeschluss starten, kündigte Lompscher an. Auf weiteren Standortkonferenzen soll die Öffentlichkeit über die Entwicklung in der City West informiert werden.