Ein Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat am Dienstag den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) der Hauptstadt nahezu lahmgelegt. Busse und Straßenbahnen blieben im Depot, U-Bahn-Haltestellen wurden aus Sicherheitsgründen verschlossen. Nach der neunstündigen Aktion rollte am Mittag der Verkehr wieder an. „Bis alle Linien wieder im gewohnten Takt fahren, wird es allerdings noch einige Zeit dauern“, teilte die BVG mit. „Der logistische Aufwand ist enorm.“ Bis zum Nachmittag sollte sich der Verkehr wieder normalisiert haben.
Nur auf den wenigen Linien privater Subunternehmer der BVG fuhren noch die gelben Busse, viele davon am Stadtrand. S-Bahn und Regionalzüge fuhren indes ohne Einschränkungen weiter. „Durch den Einsatz der größtmöglichen S-Bahn-Fahrzeugflotte wurden die Auswirkungen des Verdi-Streiks auf Hunderttausende Fahrgäste am Morgen zumindest teilweise abgefedert“, teilte die BVG weiter mit.
Zu den Warnstreiks hatte vergangene Woche der Bundesverband der Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Die Gewerkschaft will damit bundesweite Verhandlungen über einen einheitlichen Tarifvertrag für die 87 000 Beschäftigten im ÖPNV durchsetzen. Derzeit wird in den 16 Bundesländern einzeln über regionale Tarifverträge verhandelt. Am Freitag war die jüngste Verhandlungsrunde bei der BVG ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Mit dem Arbeitskampf soll daher in der laufenden Tarifrunde auch auf Landesebene der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden.
Die stellvertretende Bundesvorsitzende von Verdi, Christine Behle, traf am Dienstagmorgen in Berlin-Charlottenburg mit streikenden BVG-Mitarbeitern am Betriebshof in der Westfälischen Straße zusammen. „Wir haben den Warnstreik bereits vier Tage vorher angekündigt“, sagte sie. „Viele Beschäftigte konnten sich entsprechend darauf einstellen.“
Klimaaktivisten von Fridays for Future unterstützen den Arbeitskampf der Gewerkschaft. Rund ein Dutzend Mitglieder kamen am Morgen ebenfalls ans Werktor in Berlin-Charlottenburg. Für sie spiele die Forderung des Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs die zentrale Rolle. „Wir schaffen den Ausbau aber nicht, wenn die Arbeitsbedingungen nicht attraktiv sind“, sagte Sprecherin Helena Marshall.
Auf den Einfallstraßen der Hauptstadt fuhren die Autos am Morgen dicht an dicht. Staus gab es etwa auf der A113, der Landsberger Allee und der Heerstraße. „Viele sind heute früher zur Arbeit aufgebrochen“, teilte die Verkehrsinformationszentrale des Landes mit. „Eigentlich eine gute Idee, aber wenn es zu viele machen, kommt es auch früh zum Stau.“ Auch aufs Fahrrad stiegen Berufstätige und Schüler um.
Auch in Brandenburg waren erhebliche Einschränkungen für die Bus- und Bahnkunden angekündigt. Man habe Beschäftigte der zwölf öffentlichen Nahverkehrsbetriebe zum Warnstreik aufgerufen, sagte am frühen Dienstagmorgen Jens Gröger, Verdi-Geschäftsführer für Nordostbrandenburg und dort zuständiger Verhandlungsführer. Der Warnstreik sollte den ganzen Tag dauern.