Nach der Räumung eines der größten Berliner Obdachlosencamps in der Rummelsburger Bucht sollen die Menschen in den kommenden Tagen auf feste Unterkünfte verteilt werden. Wie der stellvertretende Bürgermeister von Berlin-Lichtenberg, Kevin Hönicke (SPD), am Sonntag mitteilte, sollen die Menschen von der provisorischen Unterbringung in einer Traglufthalle an Hostels weitervermittelt werden. So könnten sie in den kommenden Wochen vor der klirrenden Kälte geschützt werden. Das Camp war in der Nacht auf Samstag laut Bezirk aus Sorge um das Wohl der Menschen aufgelöst worden.

Eigentum kann abgeholt werden

Zuvor hatte Hönicke erklärt, er habe die Zusage der Eigentümerin des Geländes, dass das Camp bis auf Weiteres nicht zerstört werde. Am Tag nach der Räumung hatte es Berichte gegeben, wonach die Notunterkünfte der Obdachlosen bereits abgerissen würden. Das wurde von Hönicke dementiert.
Kommende Woche hätten die Menschen zwischen 12.00 Uhr 16.00 Uhr die Möglichkeit, zurückgelassenes Eigentum von dem Gelände zu holen. Den Angaben zufolge wurden 50 von rund 100 Obdachlosen in eine Traglufthalle gebracht. Manche hätten sich in ihre Autos gesetzt und Berlin verlassen - unter den Bewohnern des Camps seien viele Sinti und Roma gewesen. Hönicke sagte auch, dass einige Obdachlose die Unterbringung in der bereitgestellten Unterkunft abgelehnt hätten.

Rummelsburger Bucht ist eigentlich Bauland

Auf der Brache an der Rummelsburger Bucht lebten die Menschen in Zelten und anderen Unterkünften. Bei der Obdachlosenzählung in Berlin vor einem Jahr war es der Ort mit den meisten Obdachlosen: 81. Das Areal ist Bauland. Dort sollen Wohnungen und die Touristen-Attraktion „Coral World“ entstehen.

Proteste nach Räumung von Obdachlosencamp

Als Reaktion auf die Räumung des Camps war es in der Nacht auf Samstag zu Protesten und Sachbeschädigungen von Linksradikalen gekommen. Mehr als 100 Demonstranten hatten sich vor dem Camp versammelt. Drei Demonstranten kletterten über die Umzäunung des ehemaligen Camps und erklommen ein Baugerät, bevor Polizisten sie wieder vom Gelände geleiteten.
Der Bezirk hatte sich angesichts des erwarteten Kälteeinbruchs dazu entschieden, das Obdachlosencamp aufzulösen. „Wegen des Wetters mit Kälte, Schnee und Feuchtigkeit ist die Lage sehr bedrohlich, wir können nicht mehr gewährleisten, dass Leib und Leben für die Menschen hier gesichert sind“, hatte Hönicke vor der Räumung gesagt.
Der Kreisverband der Grünen in Lichtenberg gestand dem Bezirksamt gute Absichten zu, äußerte sich aber besorgt: „Ich fürchte, dass vielen Menschen mit dieser nächtlichen Aktion nicht geholfen ist“, erklärte die Bezirksverordnete Daniela Ehlers. Die nächtlichen Temperaturen lagen in Berlin am Wochenende weit unter null.