75 Einrichtungen öffnen zur Wissenschaftsnacht am Sonnabend ihre Türen für Besucher. Um besonders auch für Familien interessant zu sein, beginnen die Veranstaltungen diesmal schon um 16 Uhr. Allein 380 Programmpunkte werden speziell für Kinder angeboten.
Wie entsteht eigentlich ein blauer Fleck? Welche Farbe hat das Licht? Sind Gefühle wirklich vergänglich? Kinder löchern ihre Eltern gerne mit Fragen. Die Wissenschaftsnacht am Sonnabend in Berlin und Potsdam bietet den Eltern die Chance, die Antworten ganz den Experten zu überlassen. So können im Klinikum Buch Kinder ihre Kuscheltiere röntgen lassen, in der TU Berlin in Charlottenburg mit selbst gebastelten Raketen Wettflüge unternehmen und auf dem Telegrafenberg in Potsdam ein Erdbeben auslösen. Die "Klügste Nacht des Jahres" solle kein Dialog unter Fachleuten werden, kündigte Jan-Hendrick Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität (HU), am Dienstag an. "Wir wollen Wissenschaft inszenieren, ein Feuerwerk zünden, das das Interesse entfacht."
Ein Feuerwerk ganz im wörtlichen Sinne soll es dann auch um kurz vor Mitternacht auf dem Campus in Adlershof geben. Dort starten die Veranstalter schon um 15 Uhr mit einer großen Experimentier-Show, danach sind zahlreiche Mitmachaktionen geplant. Besucher können Solarzellen aus Kirschsaft bauen, einen 3D-Flug über den Roten Planeten unternehmen oder mit Laserstrahlen Graffiti an die Wand malen.
Dass nicht nur die Naturwissenschaften eindrucksvoll in Szene gesetzt werden können, wollen die Forscher im Institut für Psychologie beweisen. Dort kann man zum Beispiel an Experimenten zu Emotionen oder zum Einfluss von Gerüchen auf die Personenwahrnehmung teilnehmen.
Die Frage, wie Computerspiele das Wachstum unseres Gehirns beeinflussen, wird im Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Dahlem beantwortet. In Vorträgen geht es darum, wie man in einer Welt voller Ungewissheit die richtigen Entscheidungen trifft. Wann kann man den Publikumsjoker ziehen und auf die Weisheit der Masse vertrauen und wann wird das wiederum gefährlich? Besucher können zudem ihre Einschätzung über die Risikobereitschaft ihrer Kinder und Partner testen und schauen, ob das Ergebnis mit der Realität übereinstimmt.
Knapp die Hälfte aller 2400 Programmpunkte der Langen Nacht, die in diesem Jahr eine Stunde früher als sonst startet, feiert Premiere. Zum ersten Mal öffnet auch die Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft an der Chausseestraße ihre Türen. In dem modernisierten 50er-Jahre-Bau, in dem früher die Industrie- und Handelskammer der DDR saß, präsentieren sich 13 Leibniz-Häuser. Eine Chance, die sich vor allem das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) nicht entgehen lassen will. Denn obwohl sein Archiv zur Baugeschichte der DDR einzigartig ist, findet kaum ein Besucher den Weg ins Stammhaus nach Erkner.
Die neue Leibniz-Zentrale in Berlin-Mitte ist wie die meisten anderen 75 teilnehmenden Einrichtungen mit kostenlosen Shuttle-Bussen angebunden. Dort zeigt das IRS eine Ausstellung über den Architekten Wilfried Stallknecht, der in der DDR nicht nur Plattenbausiedlungen, sondern auch Eigenheime und Möbel entwarf.
Ebenfalls per Shuttle erreichbar ist der Potsdamer Telegrafenberg mit seinen vier Einrichtungen. Im GeoForschungs-Zentrum will man sich auch mit der aktuellen Hochwasser-Situation und den Risiken der CO2-Speicherung beschäftigen. Mit einem Hammerschlag können Kinder ein Erdbeben auslösen, es aufzeichnen lassen und das ausgedruckte Ergebnis mit nach Hause nehmen.
8. Juni von 16 bis 24 Uhr. Kombi-Tickets elf Euro im Vorverkauf, 13 Euro an allen Abendkassen. Programm unter: www.langenachtderwissenschaften.de