Sobald das Wetter wieder etwas schlechter ist, bildet sich vor dem Futurium neben dem Berliner Hauptbahnhof schnell eine Schlange. Nur 350 Menschen dürfen derzeit Corona-bedingt zeitgleich in das Museum der Zukunft. Die beliebten Schaukeln in einem der „Denkräume“ dürfen zwar nicht benutzt werden und auch die iPads, mit denen sich die Besucher in virtuelle Realitäten begeben können, sind derzeit nicht im Einsatz. „Einige interaktive Sachen mussten wir aus Infektionsschutzgründen schweren Herzens sperren“, sagt Museumsleiter Stefan Brandt. „Aber die Besucherresonanz ist trotzdem so gut. Wir können wirklich nicht klagen.“

Alle Erwartungen übertroffen

Trotz der zweimonatigen Zwangspause und der Besucher-Beschränkungen kamen seit der Eröffnung im September 2019 mehr als 560.000 Menschen in das in Deutschland bisher einzigartige Haus, das sich mit dem Leben von morgen beschäftigt. „Das hat all unsere Erwartungen übertroffen“, freut sich der junge Museumschef.
Den ersten Geburtstag am Sonnabend will er nun natürlich auch gemeinsam mit den Besuchern feiern. Das Futurium hat dann von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Die Führungen im generell eintrittsfreien Haus sind an diesem Tag kostenlos. Diese werden nicht nur in Deutsch und Englisch, sondern erstmals auch in Deutscher Gebärdensprache angeboten.

Speeddating und Kabarett

Besucher können sich bei „Speeddatings“ mit anderen über ihre Zukunftsvisionen austauschen. Für Kinder gibt es am Infotresen ein kleines Entdeckerheft, mit dem sie an Mitmach-Stationen Rätsel lösen können. Ein Kabarett-Künstler wird humorvoll Publikumsbewertungen aus dem Gästebuch aufs Korn nehmen. „Natürlich auch die kritischen“, betont Brandt.
Denn das Motto des Museums ist es, sich immer mithilfe seines Publikums weiterzuentwickeln. Nicht nur zeigen, sondern gemeinsam machen, sei ein Motto, das langfristig auch außerhalb des Hauses umgesetzt werden soll. „Viele Besucher fragen uns, warum es so etwas wie das Futurium nur in Berlin gibt“, erzählt Brandt. So werde derzeit an einer mobilen Variante getüftelt, mit der man die Angebote des Futuriums auch ganz analog in die Fläche bringen kann, um dort mit lokalen Partnern wie Schulen und Stadtverwaltungen zusammenzuarbeiten.

Das Museum will in die Fläche

Der Geistesfluss soll auch hierbei nicht einseitig sein. „In Brandenburg gibt es interessante Initiativen und engagierte Leute, denen man so auch in Berlin eine Bühne geben kann“, erklärt der Museumsleiter. An den Konzepten dafür wird derzeit schon gearbeitet, die ersten Projekte werden aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2022 starten.
Ganz aktuell steht nun erstmal das „Festival der Bioökonomie“ an. Vom 10. bis 13. September sollen im Futurium die politischen Fragen zur Vision einer nachhaltigen Zukunft in Deutschland diskutiert werden. Die Besucher können dabei äußern, welche Innovationen sie sich für die Zukunft wünschen, mehr über neues Bio-Design im Futurium Lab erfahren sowie selbst Bioplastik herstellen. Dazu gibt es thematische Führungen durch die Ausstellung zur Bioökonomie. „Ein besonderer Höhepunkt des Festivals sind die Literatur-Veranstaltungen mit internationalen Autoren“, so Brandt.
Vom 26. bis 29. November steht dann „Die Zukunft der Städte“ auf dem Programm. „Die sichere Stadt, die soziale Stadt, die selbstversorgende Stadt – vier Tage lange werden wir mögliche urbane Welten skizzieren und diskutieren“, kündigt Brandt an.
Am 23. Oktober werden im Haus an der Spree dann die Forscher der größten Arktisexpedition in der Geschichte empfangen, nachdem sie mit ihrem Schiff „Polarstern“ in Bremerhaven angelegt haben. Die Wissenschaftler aus aller Welt wollen den Besuchern von ihren Experimenten erzählen und Einblicke in das Leben auf der Eisscholle geben.

Von Ranga Yogeshwar bis Thomas de Maizière

In der Reihe „Machbar! Zukunft durch Verbote“ soll kontrovers darüber gestritten werden, wie der Wandel zu einer nachhaltigen und klimaverträglichen Gesellschaft gelingen kann. Am 28. Oktober liefern sich Robert Habeck (Bündis 90/Die Grünen) und Thomas de Maizière (CDU) einen Schlagabtausch zur Frage, wie das Regieren in der Zukunft aussehen kann.
Und der bekannte Wissenschafts-Journalist Ranga Yogeshwar will auch in diesem Herbst mit Experten vor Publikum über die Risiken und Versprechen von Big Data sowie die Macht von Influencern diskutieren.
Es sind nur die Höhepunkte einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die unter der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln nun wieder mit realem Publikum durchgeführt werden. „Für uns ist wichtig, dabei das Hybrid-Modell in Fahrt zu bringen“, erklärt Brandt. Also den Mix aus Veranstaltungen vor Ort, Livestreams und Online-Angeboten. Dabei gehe es vor allem darum, die Video-Übertragungen nicht einfach nur abzufilmen. Auch das Workshop-Angebot soll in Teilen digitalisiert werden.

Auch Corona wird Thema im Zukunftsmuseum

Mit innovativen Online-Angeboten hat das Haus in den vergangenen Corona-Monaten schon gute Erfahrungen gesammelt. „Inzwischen haben wir etwa 50.000 Follower auf den verschiedenen Kanälen gewonnen“, freut sich Brandt.
Und auch die Dauerausstellung wird sich im kommenden Jahr verändern. 2021 soll das Thema „Mobilität“ die Hauptrolle im Futurium spielen. Dabei könnte laut Brandt auch die Mobilität von Viren im Zuge globaler Warenketten eine Rolle spielen. „Wir sind überzeugt, dass sich die im Futurium verhandelte Leitfrage ‚Wie wollen wir leben?‘ nach Überwindung der Corona-Krise sogar noch dringlicher stellen wird.“

Kostenlos in die Zukunft schauen


Das Futurium am Alexanderufer 2 in Berlin-Mitte ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Da der Eintritt generell frei ist, kann man auch keine Online-Zeitfenster buchen und muss bei größerem Andrang mit Wartezeiten rechnen. Am Sonnabend, 5. September, feiert das Museum seinen ersten Geburtstag und öffnet das Haus von 10 bis 22 Uhr. Alle Führungen sind an diesem Tag kostenfrei. Zugleich ist das ist der Startschuss für die ersten Veranstaltungen, die wieder im Futurium Forum ausgerichtet werden können. Mehr Infos unter www.futurium.de