Der Geschäftsführer des Trink- und Abwasserverbandes Barnim-Oderbruch (TAVOB) sieht die Niederschläge der vergangenen 24 Stunden gelassen. „Wir hatten seit Donnerstag mehr als 60 Liter Regen pro Quadratmeter“, sagte Johannes Schwanz am Freitag. „Die Menge des in die Kanalisation fließenden Wassers war grenzwertig, konnte aber beherrscht werden.“ Die Extremwetterlagen seien jedoch eine Belastung, sagte er.
Die Hochwasserwelle aus Sachsen hat indes am Freitag Brandenburg erreicht. Der Dauerregen ließ die Spree stark anschwellen, so dass Hochwasseralarm ausgerufen wurde. Das Cottbuser Hochwassermeldezentrum registrierte gegen Mittag an der Spree einen Wasserstand von 3,41 Metern, das ist etwa doppelt so hoch wie sonst um diese Jahreszeit. Auch an der Lausitzer Neiße wurde die Hochwasserwelle aus Ostsachsen erwartet, dort könnte am Wochenende der Richtwert für die zweithöchste Alarmstufe 3 erreicht werden.
Wegen des abziehenden Regens stabilisiere sich die Hochwasserlage in der Lausitz jedoch langsam, sagte Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. Er rechnet für die Spree und die Neiße am Wochenende nicht mit der höchsten Alarmstufe 4. „Aus heutiger Sicht wird es diesmal nicht so dramatisch wie im vorigen Sommer.“ Für die Schwarze Elster erwarte er vorerst kein Hochwasser.
Der Deutsche Wetterdienst in Potsdam verzeichnete in den vergangenen Tagen teilweise extreme Niederschlagsmengen. So registrierten die Meteorologen binnen 24 Stunden bis Freitagfrüh 79 Liter pro Quadratmeter in Hohenreinkendorf (Uckermark) und 60 Liter in Zehdenick (Oberhavel). Im sächsischen Bad Muskau an der Neiße waren es sogar 105 Liter, in Cottbus lediglich 31 Liter.
Auf der Bahnstrecke Frankfurt (Oder) – Berlin haben zwei umgestürzte Bäume am Freitag über Stunden den Zugverkehr behindert. Sturm und starker Regen brachten die Bäume zu Fall. Dabei wurden die Oberleitungen auf dem Gleisabschnitt zwischen Pillgram und Briesen (Oder-Spree) beschädigt, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Berlin erläuterte. Dutzende Studenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) versäumten wegen Zugausfällen wichtige Klausuren. Am Mittag waren die Schäden auf diesem Abschnitt der Bahnstrecke wieder behoben. Während der Reparatur und der Aufräumarbeiten hatte die Bahn zeitweise Busse eingesetzt.
Am späten Abend lag der Zugverkehr erneut lahm, nachdem zwischen Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt ein Baum auf die Oberleitung gestürzt war. Passagiere mussten in liegen gebliebenen Zügen auf freier Strecke ausharren.
In Eberswalde (Barnim) wurden größere Schäden im letzten Moment verhindert. Wegen einer Havarie konnte das Wasser am Weinberggraben nicht abfließen. Auf dem Gelände der örtlichen Sparkasse staute sich das Wasser und bedrohte die Kellerräume. Die Feuerwehr öffnete Schächte und beseitigte Bretter, die sich im Abflussrohr verkeilt hatten. In der Eberswalder Puschkinstraße mussten allerdings einige Keller ausgepumpt werden.
Das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde (WSA) hatte am Freitag vorsorglich die Schifffahrt auf dem Finowkanal eingestellt, um einen Wasserstau an den Schleusen zu verhindern.
Das Regenwetter bereitet auch den Landwirten Sorgen. „Es wird eine ganz schlechte Ernte“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, Wolfgang Scherfke. Mit 23 Dezitonnen beim Raps – 65 Prozent der üblichen Menge – seien die Aussichten schlecht. Die Hoffnungen seien jetzt auf Wintergerste und Winterweizen gerichtet. Hier werde es erfahrungsgemäß große Ertragsunterschiede in den einzelnen Regionen geben – je nachdem wie viel Regen oder Hochwasser die Felder und Pflanzen verkraften mussten.