Als ihr dunkelhäutiger Mann 2008 nach Deutschland kam, erlebte Sophie Sumburane zum ersten Mal Alltagsrassismus. "Da bin ich das erste Mal damit konfrontiert worden und habe das erste Mal erlebt, dass jemand aus dem Auto heraus Schimpfwörter ruft oder einem vor die Füße spuckt, wenn man auf dem Gehweg entlang läuft", erzählt die 32-Jährige. "Ich bin von Alltagsrassismus in meiner Jugend nicht betroffen gewesen, weil ich weiß bin." Sumburane ist in Potsdam geboren und aufgewachsen, lediglich zum Studium der Germanistik und Afrikanistik zog es sie für sieben Jahre nach Leipzig.
Während ihrer Zeit in Sachsen habe sich ihr Mann bei Heimatbesuchen in der brandenburgischen Landeshauptstadt sehr viel wohler gefühlt, 2014 zog die Familie zurück. Doch auch in Potsdam begegnet ihnen Rassismus im Alltag: Fremde Menschen auf der Straße fassten ihren Töchtern in die Haare – "weil die so lustig kraus aussähen", berichtet die Mutter kopfschüttelnd die Argumentation dieser Menschen für ihr Verhalten. "Ich bin mir mittlerweile, dadurch dass ich heute Kinder habe, die nicht weiß sind, die in einem anderen Alltag aufwachsen, bewusst, dass ich damals in einer privilegierten Situation aufgewachsen bin", sagt die freischaffende Autorin und Kulturjournalistin.

Nicht nur dagegen schreiben

Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag war es Sumburane genug. "Da entstand innerlich so ein großes Bedürfnis, etwas dagegen – gegen diesen Hass, gegen diese Hetze, gegen dieses rechte Gedankengut, was plötzlich salonfähig wird – tun zu müssen", erzählt sie. Sie trat in die Partei Die Linke ein, engagiert sich ehrenamtlich und arbeitet Teilzeit in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Partei. "Ich habe mich gefühlt, als würde ich meine Kinder verraten, wenn ich jetzt einfach zu Hause sitze und abwarte, dass die wieder gehen."
Sie fände es schwierig, dass diese Partei in der Gesellschaft akzeptiert sei, "weil es eine rechte Partei ist, die Hass verbreitet und anderen Menschen die Existenzberechtigung abspricht." Unerträglich fände sie es, dass Menschen in den Parlamenten säßen, die sagten, dass es Menschen gibt, die nicht in Deutschland sein dürften und noch nicht mal am Leben sein dürften. "Ich kann als Autorin dagegen anschreiben, ich kann mir das von der Seele schreiben, aber das reicht mir nicht, ich möchte mich gerne auch engagieren", sagt die Potsdamerin, deren Werke sich oft mit politischen Themen beschäftigen. Trotz ihrer Parteiarbeit sehe sie sich selbst aber nicht als Politikerin und es sei auch nicht ihr Ziel, irgendwann ein Abgeordnetenmandat zu bekommen. Sie konzentriere sich auf die Möglichkeiten der Presse- und Strukturarbeit der Partei, helfe mit, Demonstrationen zu organisieren. "Das ist eine tolle Variante, anti-faschistisch zu arbeiten."

Bewusstsein schaffen

Die letzten Wochen waren für Sophie Sumburane aufwühlend. Sie hat das Video, in dem der schwarze US-Amerikaner George Floyd durch Polizeigewalt zu Tode kommt, gesehen. "Leider hat auch meine Tochter den Vorfall gesehen, die ist elf Jahre alt." Ihre Tochter habe sie nach der Motivation des Polizisten gefragt, nach dem Hass, und dass sie nur einen Unterschied zwischen den beiden Männern sehe, nämlich die Hautfarbe. Vor dieser Erkenntnis hätte Sumburane sie gerne bewahrt. "Ich bin in den letzten Monaten ein wenig ruhiger geworden. Aber seit das passiert ist, habe ich wieder sehr stark das Bedürfnis, laut und deutlich zu sagen, dass Rassismus keine Alternative ist, egal für was."
Die derzeitigen Proteste sehe sie als sehr wichtig an und hoffe, dass die Bewegung und gerade das Engagement der Nicht-Betroffenen laut bleibe. "Ich wünsche mir, dass Rassismus etwas ist, das die Menschen als vorhanden akzeptieren und als etwas, das eigentlich nicht vorhanden sein dürfte", sagt Sumburane.
Mehr zu ihren Erlebnissen erzählt Sophie Sumburane neben drei weiteren Betroffenen in der siebten Folge von "Dit is Brandenburg". Zu hören auf: www.moz.de/podcast