Ein paar Minuten nach der Feierstunde schlendern Thomas Rühmann und Tobias Morgenstern zum Sektempfang im Garten vor der Staatskanzlei. Der 60 Jahre alte Schauspieler hat den Orden schon wieder abgenommen. "Klar, ich freue mich sehr über die Anerkennung", betont er. "Aber irgendwie beginnt jetzt, da wir Orden bekommen, für uns auch das Altern, oder?", fragt er schmunzelnd seinen Kollegen. Der Musiker Morgenstern grübelt ebenfalls mit einem Augenzwinkern über den tieferen Sinn der Ehrung. "Wollen die uns ruhigstellen?" Ein sonderbares Gefühl sei es für ihn, eine so hohe Ehre zu erhalten.
Dabei ist die Verleihung des Verdienstordens an die Macher des "Theaters am Rand" in Zollbrücke überaus nachvollziehbar. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht das Haus als "typisch für Brandenburg, weil man oft dort auf Kunst trifft, wo man sie nicht vermutet". Und besonders sei das Theater an der Oder, "weil es seine Entlegenheit aufreizend zur Schau stellt".
Als Beispiel dafür, wie in Brandenburg aus "Rand" Mitte wird, erhält die Slubicer Schuldirektorin Danuta Nowak den Landesorden. "Mich hat die Ehrung überrascht. Was wir gestalten, ist doch nur unser Leben, unser Alltag", sagte sie nach der Verleihung mit einem strahlenden Lachen. Vor zehn Jahren haben ein Slubicer und ein Frankfurter Gymnasium begonnen, gemeinsame Klassen zu bilden. "Einer hilft dem anderen", ist für Danuta Nowak das Anliegen. Dietmar Woidke wertet das Projekt als Beitrag für ein gutes Miteinander "im Herzen Europas".
Für ihre Verdienste um die Beziehungen zwischen den Nachbarn an der Oder hat auch Gesine Schwan den Orden erhalten. "Ich bin sehr gerührt", sagte die frühere Präsidentin der Viadrina nach der Veranstaltung. "Meine Jahre in Frankfurt (Oder) waren wichtig für mich. Ich habe dort viel gelernt."
Für ihre Verdienste um die Entwicklung des ländlichen Raums wurden gleich mehrere Frauen und Männer geehrt. Allen voran Altbischof Wolfgang Huber, der über Jahrzehnte für Freiheit und Gemeinsinn geworben habe, "auch dort, wo es die Kirche nicht leicht hat", betonte Woidke mit Verweis auf die geringen Mitgliederzahlen der Kirchen in märkischen Dörfern. Als in dieser Hinsicht ebenfalls herausragend bezeichnete der Regierungschef das Engagement von Friederike Rupprecht. Sie habe als Äbtissin das Kloster Heiligengrabe in der Prignitz mit großem Tatendrang zu neuem Leben erweckt.
Landwirt Bernhard Groß aus Ranzig im Kreis Oder-Spree erhält den Landesorden für seine Leistungen im Agrarbereich. "Das ist eine Auszeichnung für alle Bauern", sagte er. "Wir haben seit der Wende hart für den ländlichen Raum gekämpft." Ähnliches trifft auf Heiner van de Loo zu, der sich als Chef des Zahnradwerks Pritzwalk sowie als engagierter Bürger in diversen Gremien für die Entwicklung der Prignitz stark macht.
Zum Sportland Brandenburg gehört stets auch ein verdienstvoller Athlet unter den Ordensträgern. Mit Ronny Ziesmer fiel die Wahl auf einen Mann, der seit einem Trainingsunfall im Jahre 2004 querschnittsgelähmt ist. Der Turner gebe mit der Art und Weise, wie er mit dem Schicksalsschlag umgeht, vielen anderen Menschen Halt, lobte Woidke.
Eine Überraschung war die Auszeichnung der in Bayern lebenden Sängerin Katja Ebstein ("Wunder gibt es immer wieder"). Ihre nach ihr benannte Stiftung habe einen starken Brandenburg-Bezug und setze sich für benachteiligte Kinder ein, würdigte Woidke ihr Engagement. (Mit Adleraugen)