"Das können Sie ruhig so schreiben", sagt Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg. Und dann kommt das Zitat: "Wer einen Esel zum Herdenschutz einsetzt, ist selbst ein Esel!"
In Niedersachsen, in der Nähe von Cuxhaven, sollen Esel dafür sorgen, dass Schafherden nicht von Wölfen angefallen werden. Die Zeitschrift "Stern" berichtete jüngst über den Versuch. Die dortigen Schäfer bauen auf das laute Gebrüll der grauen Haustiere und setzen auf ihre Wehrhaftigkeit.
Knut Kucznik kann nur schwer bei dem Thema an sich halten. Die Argumente gegen den Esel als Wolfsschreck sprudeln nur so aus ihm heraus. Der Hirte hat Respekt vor dem Räuber. Ein paar Mal ließe sich der Wolf von dem unbekannten Gebrüll erschrecken. Aber er lernt schnell, damit umzugehen. Außerdem verteidige der Esel zwar sich selbst, er ist kein Fluchttier. Aber eben nicht die Schafe am anderen Ende der Herde.
Kucznik hat selbst Erfahrungen mit Eseln gemacht. Er nutzt sie beispielsweise, um die Umzäunung für seine Herden zu transportieren. Allerdings bringt auch das Probleme mit sich. Schafe lieben feuchte Wiesen, Esel dagegen trockene Gegenden. Auf feuchtem Gelände entzünden sich die Hufe der Esel schnell.
Und noch eine Warnung schickt der Chef der brandenburgischen Schafzüchter Richtung Nordseeküste: Die Schafe werden auf den Deichen sowohl in Niedersachsen als auch hierzulande eingesetzt um das Gras kurz zu halten und gleichzeitig den Boden zu verdichten, sprich die Gänge von Wühlmäusen zu zerstören. Esel dagegen würden mit ihren Hufen die Deiche beschädigen.
Auch in Brandenburg gab es Schäfer, die der Meinung waren, sie bräuchten keine teueren Herdenschutzhunde. Kucznik berichtet von einem Kollegen, der auf seinen Alpakahengst setzte - zumindest bis der von einem Dackel gebissen wurde.
Im Brandenburger Landwirtschaftsministerium sind die Experimente von der Nordseeküste bekannt. "Darauf lassen wir uns nicht ein", sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Ein Erfolg mit Eseln zur Abwehr von Wölfen sei bislang nirgends nachgewiesen worden. Brandenburg bleibe dabei, die Anschaffung von Herdenschutzhunden zu fördern.
Kucznik ist davon überzeugt, dass Brandenburg die Schäfer besser unterstützt als alle anderen Bundesländer. Nur hier wird die Anschaffung der teueren Hunde gefördert, die nur den einen Zweck erfüllen: den Wolf abzuschrecken. Die eigentlichen Hütehunde ersetzen sie nicht.
300 Herdenschutzhunde sind in den vergangenen Jahren hier gezüchtet und ausgebildet worden. Ein Export in benachbarte Bundesländer ist bislang daran gescheitert, dass die meisten Hirten sich die Anschaffung ganz auf eigene Kosten nicht leisten konnten. Vielleicht ist auch noch nicht überall der Leidensdruck so groß wie in Brandenburg, mutmaßt Kucznik.
Allerdings sieht auch der Schafzüchterverband noch Nachbesserungsbedarf. So ein Hund verursacht im Jahr Kosten von rund 1000 Euro, rechnet der Verbandschef vor. Wenn die Schafherden zur Landschaftspflege in Schutzgebieten oder zur Deichpflege eingesetzt werden, dann müssen diese Kosten auch bei der Finanzierung dieser Leistung berücksichtigt werden, argumentiert Kucznik.
Im September soll es dazu Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium geben. Der Schafzüchter ist zuversichtlich, dass sein Berufsverband sich Gehör verschaffen wird. "In Brandenburg haben Weidetierhalter und Ministerium einen vernünftigen Umgang miteinander", sagt er. Das sei in anderen Bundesländer so nicht üblich.