Zu DDR-Zeiten wurde auf den militärisch genutzten Flächen in Brandenburg scharf geschossen. Inzwischen dienen die weitläufigen Areale als Wohn- und Gewerbegebiete oder lassen sich beim Wandern oder mit dem Fahrrad erkunden. Rund 93 Prozent der insgesamt mehr als 100 000 Hektar umfassenden ehemaligen Militärflächen werden heute zivil genutzt. Dort sind unter anderem Technologiezentren, Schulen und Hochschulen, Wohnungen und große Naherholungsgebiete mit munitionsberäumten Wegen entstanden. Auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Groß Dölln (Uckermark) wiederum wurde vor zwei Jahren eine große Photovoltaikanlage eröffnet.
"Konversion hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass Brandenburg heute ein attraktiver Wirtschaftsstandort und unsere Natur wieder weitgehend intakt ist", betonte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) vor dem Auftakt des diesjährigen Konversionssommers am heutigen Mittwoch. Seit Brandenburg die früher von den sowjetischen Truppen genutzten Gebiete vor 21 Jahren vom Bund übernommen hat, wurden 380 Hektar entsiegelt. Das heißt, ein Areal so groß wie der Central Park in New York wurde komplett von Beton und Asphalt befreit. Zudem wurden 8,2 Millionen Kubikmeter marode Militärbauten abgerissen, militärische Hinterlassenschaften wie Munition beseitigt sowie vergifteter Boden und verseuchtes Grundwasser saniert.
Beim inzwischen 18. Konversionssommer erörtern Fachleute von Kommunen und Land die teils schwierige Umnutzung von Militärflächen. Die verbliebenen Areale, die insgesamt etwa 10 000 Hektar ausmachen, stellen die Akteure vor anspruchsvolle Aufgaben - etwa, weil es sich um Truppenübungsplätze handelt, die besonders stark mit Explosionsstoffen, Munition und sonstigen Altlasten kontaminiert sind. Oder, weil es bau- und nutzungshistorisch bedeutsame Gebäude- und Flächenensembles sind, die unter Denkmalschutz stehen. Durch langjährigen Leerstand seien diese Areale meist in schlechtem Zustand, erläuterte Minister Gerber. Hierfür kompromissfähige Lösungen zum Erhalt und zur Nachnutzung zu finden, sei "schwierig, aber wichtig".
Zu den schwierigen Brocken gehören der frühere, erst 2012 in Landesbesitz übernommene Flugplatz Sperenberg und die ehemalige Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-Gut. In beiden Fällen sind die Böden mit Bombenblindgängern und chemischen Hinterlassenschaften verseucht.
Bislang hat die Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG) im Auftrag des Finanzministeriums rund 1300 Kaufverträge abgeschlossen, in denen Investitionen in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro vereinbart wurden. Zuvor aber mussten Millionensummen in die Konversion investiert werden, die neben dem Land die Europäische Union, der Bund und die betroffenen Kommunen beisteuerten. Allein für den Rückbau nicht nachnutzbarer militärischer Hinterlassenschaften wurden bereits fast 80 Millionen Euro eingesetzt. Weitere mehr als 70 Millionen Euro wurden für die Altlastenbearbeitung und Abfallentsorgung ausgegeben.
In der laufenden EU-Förderperiode bis 2020 ist Konversion kein eigener Fördertatbestand mehr, Kommunen können aber über die Teilnahme an dem vom Land Anfang des Jahres gestarteten Stadt-Umland-Wettbewerb Unterstützung für Konversionsvorhaben bekommen.
Die Veranstaltungen des Konversionssommers 2015 unter dem Motto "Fokus für Konversion" unterstützt Brandenburg aus Landesmitteln. Die Veranstaltungsreihe wurde 1997 vom Wirtschaftsministerium initiiert und von Fokus, dem Forum für Konversion und Stadtentwicklung, fortgesetzt. 19 brandenburgische Kommunen sind im Netzwerk Fokus organisiert.
www.fokus-net.de