Wie konnte es dazu kommen? Die Professoren Ulrich Kortenkamp und Andreas Borowski haben die Rückmeldungen von Schulen sowie Stellungnahmen aus dem Ministerium und dem Schulinstitut Lisum unter die Lupe genommen und am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags ihr Fazit samt Anregungen für die Zukunft vorgestellt. Von einem Gesamt-Versagen des Prüfungssystems könne man nicht sprechen, stellten sie klar.
Aber zum Beispiel hätten manche Pädagogen Lehrplan-Vorgaben zu den umstrittenen Logarithmusfunktionen schlichtweg falsch interpretiert und geschlussfolgert, dass jene Aufgabe, die vielen Schülern so große Probleme bereitete, nicht drankommt. Andere Lehrer hätten sich bei ihren Überlegungen zum Unterrichtsstoff auf veraltete Verordnungen bezogen. Hinzu kam, dass in einem viel genutzten Mathebuch jene natürlichen Logarithmusfunktionen nur am Rand Thema waren, ohne eine entsprechende Übungsaufgabe. "Das kann man kritisch sehen", sagte Kortenkamp, zumal es in der Berliner Ausgabe des Buches eine solche Übungsaufgabe gab.
Als problematisch betrachteten die Experten, dass ein Drittel aller Schulen keine Vertreter zu einer wichtigen Fortbildung zum neuen Lehrplan im Jahre 2014 entsandt hatte. "Manche Lehrer empfinden Fortbildungen leider als Last, obwohl sie ihnen das Unterrichten erleichtern", kritisierte Kortenkamp. Er zitierte aus der Einladung zu der Fortbildung. Demnach sei um Entsendung einer Fachkraft pro Schule gebeten worden. Diese Bitte sei gleichbedeutend mit einer Teilnahmepflicht, so der Professor. Auf die Frage, ob die Aufgaben dieses Jahr grundsätzlich sehr schwierig waren, wollte Kortenkamp nicht direkt antworten. Das hänge allein davon ab, wie gut man darauf vorbereitet war.
Für die Zukunft empfahl er, Lehrpläne klarer zu formulieren und die Kommunikation ihrer Inhalte zu verbessern. Bildungsminister Günter Baaske (SPD) konstatierte, es sei "dumm gelaufen". Auch das Lisum oder die Schulaufsicht hätten sich um eine bessere Information der Schulen bemühen sollen. Um Schüler besser zu rüsten, versprach Baaske, sich für eine schnelle Erhöhung der Mathe-Stunden in der Abiturstufe einzusetzen. Also noch vor dem Jahr 2019, ab dem das Leistungskurssystem ohnehin umgestellt wird. (Mit Adleraugen)