Kaum ist das Fest vorbei, stellt sich auch schon die Frage, wie lange der geschmückte Weihnachtsbaum noch im Wohnzimmer stehen soll. Spätestens wenn er dann anfängt zu nadeln, landet der Schmuck wieder im Schrank und der Baum vor der Tür, um schließlich von der Müllabfuhr mitgenommen zu werden. So sieht die gängige Entsorgung aus. Doch dass es auch anders geht, zeigt sich in immer mehr brandenburgischen Dörfern, aber auch Städten, wo sich inzwischen ein schwedischer Brauch durchgesetzt hat, bei dem die Weihnachtsbäume auf einen großen Haufen geworfen werden, um dann in Brand gesteckt zu werden. Ähnlich wie das Osterfeuer oder andere Brauchtumsfeuer bietet auch das Weihnachtsfeuer Nachbarn Gelegenheit zum Beisammensein mit Glühwein, Bratwurst und Kinderbowle. Doch nun ist die schöne Tradition in Gefahr. Grund ist ein Schreiben aus dem Potsdamer Umweltministerium, das für Aufregung in Kommunen sorgt.
Nachdem beim Ministerium Beschwerden über angekündigte Weihnachtsbaumfeuer eingegangen waren, sah man sich dort offenbar gezwungen, Städte und Kreise über die aktuelle Rechtslage zu informieren. Unter der Überschrift "Unzulässiges Verbrennen von Weihnachtsbäumen" wurde das Schreiben dieser Tage verschickt. Demnach gelten Weihnachtsbäume als Haushaltsabfall und müssen dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger überlassen werden.
Die Verantwortlichen im Amt Spreenhagen (Oder-Spree) reagierten prompt und ließen die geplanten Feuer kurzerhand verbieten. Doch schon am Mittwoch folgte die Kehrtwende. Vom Kreis sei man in der Zwischenzeit informiert worden, dass Traditionsfeuer mit Sondergenehmigung von der örtlichen Ordnungsbehörde stattfinden dürften, erklärt Rainer Miethe, Leiter des Fachbereichs Ordnungsverwaltung. Ein Ministeriumssprecher bestätigt: "Traditionsfeuer kann es geben."
Derweil werden im Amt Spreenhagen "die Sondergenehmigungen gerade schon vorbereitet", wie Miethe berichtet. Die Feuer, zumeist organisiert von den Feuerwehren, seien eine Art der Geselligkeit und für die Wehren nicht zuletzt eine Form der unverzichtbaren Mitgliederwerbung. "Von daher sehe ich die Möglichkeit der Sondergenehmigung positiv."
Ursula Gärisch hat in Oder-Spree die Aufsicht über die örtlichen Ordnungsbehörden. "Die Weihnachtsbaumfeuer sind nun mal Tradition", sagt sie. "In manchen Orten seit mehr als zehn Jahren." Solange sich die Veranstalter an die entsprechenden Vorgaben hielten, sehe sie in dem Brauch kein Problem. Wichtig sei etwa, dass die Bäume ohne Lametta verbrannt werden und trocken sind. Im Frühjahr will Gärisch das Thema bei einer Arbeitsberatung mit den örtlichen Ordnungsbehörden noch einmal auf den Tisch bringen. "Weil die Mitarbeiter teilweise verunsichert sind", wie sie erklärt.
Auch Andreas Scharf, Leiter des Fachbereichs Innere Verwaltung in Seelow (Märkisch-Oderland), zeigt sich verunsichert. Schon seit einigen Jahren laden der Heimatverein Schweizerhaus und die Jugendfeuerwehr die Bewohner der Kreisstadt im Januar zum Weihnachtsbaumverbrennen ein. Nun steht die noch junge Tradition schon wieder auf der Kippe. "Wir müssen sehen, wie wir mit dem Schreiben umgehen", sagt Scharf. "Wir stehen zwischen Baum und Borke." Auf der einen Seite gebe es die Bedürfnisse der Bevölkerung, auf der anderen gesetzliche Regelungen, die nicht eindeutig seien. So stellt sich für Scharf zum Beispiel folgende Frage: "Ab wann gilt ein Brauch eigentlich als Brauch?"