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Von der Spitze zum Fundament

Baustelle: Noch am Boden steht derzeit eine neue Sandsteinecke (rechts im Bild), die später einmal in 22 Metern Höhe den östlichen Seitenflügel zieren soll.
Baustelle: Noch am Boden steht derzeit eine neue Sandsteinecke (rechts im Bild), die später einmal in 22 Metern Höhe den östlichen Seitenflügel zieren soll. © Foto: Kai Horstmann
Ulrich Thiessen / 30.01.2012, 19:23 Uhr
Potsdam (MOZ) Die Zeit drängt: In fünf Jahren - zum 500. Jahrestag der Reformation - soll der Turm der Potsdamer Garnisonkirche in den Himmel ragen. Die Finanzierung ist nach wie vor ungewiss, das Grundstück noch nicht frei und die Gegner des Vorhabens formieren sich.

Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit dem Bau der Potsdamer Garnisonkirche begonnen wurde, fing man mit den Fundamenten an. Das Gelände war so sumpfig und der erste Anlauf scheiterte. Beim zweiten Versuch setzte man auf Masse und gründete den Turm auf bis zu sieben Meter dicken Wänden. Beim Wiederaufbau des Turmes soll eine Betonbodenplatte für Standfestigkeit sorgen, die Mauern dadurch schmaler werden und so Raum für eine Kapelle entstehen.

Aber der Wiederaufbau der Garnisonkirche beginnt nicht im Erdreich, sondern an den entgegengesetzten Enden. Zurzeit wird die knapp neun Meter hohe Wetterfahne neu geschaffen: Ein preußischer Adler fliegt der Sonne entgegen. Ende des Jahres soll die Wetterfahne aufgestellt werden, erklärt Burkhart Franck, Schriftführer der Fördergesellschaft Garnisonkirche.

In der Breiten Straße, in Sichtweite zum Landtagsneubau, ragt seit einigen Wochen auch schon eine Sandsteinecke mit einer sogenannten Feuervase ins Straßenbild. Der Balustradenteil samt Vasenschmuck soll später einmal in 22 Metern Höhe den östlichen Seitenflügel des Turmes zieren. Dass er jetzt schon existiert, erklärt sich daraus, dass die Stiftung zum Wiederaufbau vor zwei Jahren zwei Millionen Euro aus dem ehemaligen Parteivermögen der DDR erhielt. Das Geld wurde für die Bodenerkundung und für die Erarbeitung der Baupläne verwendet, die in diesem Monat vorgestellt wurden. Der Rest des Geldes musste bis Ende 2011 ausgegeben sein. Und so entstand die Sandsteinbalustrade.

Der künftige Fassadenschmuck und ab Ende des Jahres auch die Wetterfahne sollen Besucher in die kleine Baracke locken, wo ein Andachtsraum und eine Ausstellung untergebracht sind. Als erstes wird dem Gast dort der Lehrfilm "Gebäudesprengung" des Volkseigenen Autobahnbetriebes von 1968 gezeigt, der das Ende des kriegsbeschädigten Gebäudes demonstriert.

Die Ausstellung wirbt natürlich auch um Spenden. Franck erklärt, dass man signierte Backsteine für zehn oder für 100 Euro erstehen kann. Letztgenannte Kategorie wird so im Treppenaufgang vermauert, dass die Spendernamen später gelesen werden können.

Rund 800000 Euro hat der rührige Verein bislang eingenommen. Geschätzte Kosten für den Turm: 40 Millionen Euro. Der für später geplante Aufbau des Kirchenschiffes soll noch einmal so teuer werden. Im Förderverein hofft man, dass nun, wo die Fundamente langsam freigelegt werden, sich auch Großspender für das Vorhaben interessieren. Einer hatte sich schon vor Jahren gemeldet: der kürzlich verstorbene Versandhausunternehmer Werner Otto. Er verfügte, dass 1,5 Millionen Euro in den Wiederaufbau fließen sollen, allerdings zweckgebunden für die Rekonstruktion der Orgel.

Die Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" fürchtet, dass die Spendengelder nie zusammenkommen und letztlich der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird. Regelmäßig tauchen sie mit ihren kritischen Fragen bei Veranstaltungen rund um die Garnisonkirche auf.

Burkhart Franck denkt erst in kleinen Schritten. Hoffentlich schafft es die Stadt in diesem Jahr die Breite Straße zu verschwenken. Schließlich ragt der Turm sechs Meter in die Fahrbahn hinein. Eigentlich hätte das schon 2011 passieren sollen. 2014 soll das Rechenzentrum abgerissen werden, das eine weitere Ecke der Fundamente bedeckt.

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