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Schwein kontra Moorfrosch

Gesichert: Vor den Ställen der geplanten Schweinemastanlage in Haßleben (Uckermark) ist Stacheldraht gespannt.
Gesichert: Vor den Ställen der geplanten Schweinemastanlage in Haßleben (Uckermark) ist Stacheldraht gespannt. © Foto: picture alliance / dpa
Oliver Schwers / 02.02.2012, 19:05 Uhr
Haßleben (MOZ) Auf ein Scheitern der geplanten Schweinemastanlage Haßleben (Uckermark) hofft der Bund für Umwelt und Naturschutz. Grund dazu liefert ein Gutachten des Landkreises Uckermark. Es bestätigt in großen Teilen die Bedenken des Landesumweltamtes. Hintergrund ist ein Moor.

Die langgezogenen Hallen am Ortsrand von Haßleben (Uckermark) stammen noch aus DDR-Zeiten. Seit vielen Jahren steht das große Areal leer. Dabei will ein holländischer Investor schon seit 2004 das riesig wirkende Gelände neu beleben. Doch bis jetzt gibt es für die geplante Schweinemastanlage mit fast 70000 Plätzen keine Genehmigung vom Landesumweltamt. Immer wieder wurden Veränderungen vorgenommen, immer wieder gab es Auflagen, Anhörungen, Proteste.

Jetzt schöpft die Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein Haßleben neue Hoffnung auf ein Scheitern der Anlage. Denn der Landkreis Uckermark hat im Zuge des Genehmigungsverfahrens über einen Gutachter eine Stellungnahme zu Naturschutzbelangen erarbeiten lassen. Dabei geht es vor allem um die mögliche Schädigung eines benachbarten Moores durch Stickstoff. Bereits zu DDR-Zeit soll die Schweineanlage negative Auswirkungen auf das Moor gehabt haben, heißt es. Auch der Moorfrosch und ein Laufkäfer sind dort beheimatet. Ihr Lebensraum könnte "unter den Bedingungen des Anlagenbetriebs" vernichtet werden. Das Gutachten kommt deshalb zu dem Schluss, dass die strittigen Beeinträchtigungen auch jetzt nicht ausgeglichen werden können. Also gilt ein Verbot nach Bundesnaturschutzgesetz.

In der Uckermark herrschen geteilte Auffassungen über die Investition in Millionenhöhe. Das Dorf spaltet sich seit Beginn des Streits in zwei Lager. Die Befürworter haben rund 50 Arbeitsplätze, die Gegner die Umweltbelange im Blick. Der Landkreis will keine Entscheidung der Landesbehörde vorwegnehmen. "Wir haben hier kein Gegengutachten erarbeiten lassen", betont Landrat Dietmar Schulze (SPD). "Wir stehen zu jeder Investition, wenn sie zulässig und genehmigungsfähig ist." Die Entscheidung darüber liege allein beim Landesumweltamt.

Dessen Präsident Matthias Freude rechnet mit einer Entscheidung spätestens in zwei Monaten. Die Uckermark-Stellungnahme würde wesentliche Punkte eines vorherigen Gutachtens bestätigen. Das fiel zuungunsten des holländischen Investors aus. Er hatte in der Zwischenzeit die Zahl der Schweine von 85000 auf fast 70000 nach unten korrigiert.

Auch dagegen machten Umweltverbände und Bürgerinitiative mit zahlreichen Aktionen und Protesten mobil. Durch die Uckermark-Stellungnahme sind sie jetzt optimistisch. "Ein Ende des Verfahrens ist endlich absehbar", sagte Thomas Volpers vom Bund für Umwelt und Naturschutz. "Wir fühlen uns bestätigt, dass die Lebensmittelproduktion nicht so hoch eingeschätzt wird, dass man solche Naturbeeinträchtigungen in Kauf nehmen müsste."

Viele Bauern sehen das anders. Ausgerechnet in einem der größten Agrarkreise Brandenburgs gehen die Tierbestände der Landwirtschaft schon seit Jahren zurück. Ursache dafür sind schwankende Aufkaufpreise für Fleisch oder Milch und ein anhaltender Kampf um Grünland.

Egal wie die Entscheidung des Landesumweltamtes ausgeht - man rechnet in der Behörde schon jetzt mit einer Klage der Verlierer "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch", erklärte Matthias Freude. "Daher muss unsere Entscheidung am Ende rechtssicher sein."

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