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Ende des Todeskampfs auf Frauenhagener Koppel

Oliver Schwers / 18.02.2012, 07:52 Uhr
Frauenhagen (MOZ) Nach 16 Jahren hat das Tierdrama auf einer Koppel bei Frauenhagen (Uckermark) ein Ende gefunden. Mindestens 200 vernachlässigte Rinder und Pferde wurden auf Druck der Öffentlichkeit in Ställe gebracht. Am Freitag hat der Landkreis fünf weitere Pferde beschlagnahmt.

Die Züge auf der Strecke Berlin-Stettin können wieder normales Tempo fahren. Kein Lokführer muss mehr um die Sicherheit seiner Fahrgäste fürchten, weil hungrige Rinder auf den Gleisen stehen. Das mindestens 16 Jahre währende Drama eines Bauern aus Frauenhagen, der seine Herde nicht in den Griff bekam, scheint beendet. Denn die Koppel ist fast leer. Tiefe Reifenspuren großer Lastwagen verraten den Abtransport von mindestens 200 Tieren in den vergangenen Tagen. Auf der Weide, die seit November unablässig in den Schlagzeilen stand, herrscht gähnende Leere. Auf der Wiese ist das karge Gras bis zur Erde herunter gefressen.

Durch Proteste von Anwohnern, Landwirten und Tierschützern sowie auf Druck der Medien sah sich die neue Halterin, die die Herde von dem Frauenhagener Bauern übernommen hatte, genötigt, die teilweise kranken und unterernährten Tiere von der Koppel zu nehmen. Die meisten Rinder stehen mittlerweile bei einem Viehhändler der Region in einem Stall. Die Pferde wurden bei Privatleuten untergestellt. "Es gibt dort Futter, eine beheizte Tränke und einen Unterstand", sagt Frank Fillbrunn, Beigeordneter des Landrates. Das alles fehlte auf der umstrittenen Koppel seit vielen Jahren.

Am Freitag ließ der uckermärkische Amtstierarzt Achim Wendlandt dennoch fünf weitere Pferde, die immer noch unter freiem Himmel in einem sogenannten Fangstand eingesperrt waren, beschlagnahmen. Sie sollten eigentlich bis Donnerstag eine neue Bleibe erhalten. Doch das geschah nicht. "Kein Futter, kein Wasser", so die nüchterne Bilanz des Veterinärs nach einer erneuten Kontrolle vor Ort. "Wir haben damit unsere Androhung einer Ersatzvornahme wahrgemacht."

Das bedeutet, dass private Pferdehalter die Tiere in Obhut nehmen und auf Kosten des Halters aufpäppeln. "Wir hoffen, dass wir sie überhaupt durchbekommen", sagt Pferdefreundin Simone Plaumann. Sie kann neben ihren eigenen Tieren nur eine Stute mit Fohlen aufnehmen. "Beide sind in katastrophalem Zustand und fast verhungert", ist ihr erster Eindruck.

Bis zu diesem Sonntag müssen die letzten 22 Pferde, die auf einer weiteren Koppel bei Frauenhagen stehen, ebenfalls das Terrain verlassen. Dazu hat sich die aus der Prignitz stammende Halterin eidesstattlich verpflichtet. Unterlässt sie den Abtransport, muss der Landkreis erneut eingreifen. Bis dahin übernimmt der benachbarte Landwirt Maik Manke auf Anweisung des Amtstierarztes die Fütterung.

Manke hofft nun, dass die Zustände auf der Koppel dauerhaft ein Ende haben. Denn neben der Gefahr für die Eisenbahn hatten vor allem tagelang herumliegende stinkende Kadaver, die von Krähen zerfleddert wurden, immer wieder für Aufsehen gesorgt. Der Nachbar und Bauer dokumentierte unablässig die zunehmende Verwahrlosung der Tiere, alarmierte Amtstierärzte, Behörden und machte auf Nahrungsmangel und Krankheiten bei den Tieren aufmerksam. Tote Kühe schwammen in der Sernitz, Pferde brachen auf Eisflächen zusammen, Fohlen erstickten nach der Geburt. Der Besitzer der Tiere scherte sich kaum um Anzeigen, Bußgeldverfahren und nicht einmal um das gegen ihn ausgesprochene Tierhalteverbot. Auch mit der neuen Halterin änderte sich nichts. Stattdessen spitzte sich die Lage bei immer kälteren Temperaturen weiter zu.

Bei einer von Tumulten unterbrochenen öffentlichen Ortsbeiratssitzung in Frauenhagen erklärte die Besitzerin der Herde schließlich, die jetzige Tierhaltung in Frauenhagen zu beenden. "Wir werden jeden Tag darauf achten, dass sie die Tiere nicht wieder herbringt", versprach Nachbar Maik Manke.

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Wolfgang 2 21.02.2012 - 23:31:05

Ende des Todeskampfs auf Frauenhagener Koppel

Ich habe die Berichterstattung zu o.g, Thema mit -gelinde gesagt- Verwunderung verfolgt. Obwohl schon oft diskutiert, komme ich nicht mit dem Bericht zurecht:. "16 Jahre Todeskampf". Das kann doch nicht der beste Hengst aushalten. Hier haben mit Sicherheit mehrere Institutionen jahrelang versagt. Bei einem anderen Sachverhalt, z. B. Steuerverweigerung für Haustiere reagiert die zuständige "Instanz" schneller und unmittelbarer.. Der scheinbar abschließende Bericht der MOZ zum Sachverhalt ist m.E. eine schwammige Darstellung , die zwar das Leiden der vielen Tiere auch mit Bildern drastisch darstellt, aber das Missverhalten unfähiger Behörden unberücksichtigt läßt. Unabhängig davon würde ich M.R. (sh. sein Kommentar) empfehlen, seine Darstellungen, in denen nach seiner für mich nicht nachvollziehender Meinung der Bock zum Gärtner gemacht wird, in verständliches Deutsch zu übersetzen. Vorbehaltlich eines entsprechenden Kommentars dazu wäre doch eine Übersetzung doch besser.

Dani 19.02.2012 - 19:50:51

Glaub nicht dran

Ich glaub nicht daran dass diese Aktion das ganze Elend beendet. Klar sind die Tiere jetzt in einem Stall mit Futter und Wasser aber was passiert auf Dauer? Das kann die Hofbesitzerin doch nicht zahlen. Sie hat in der Prignitz doch auch noch Pferde zu stehen, die kein Futter haben oder Unterstand, dort geht das Elend weiter. Warum wurden die Tiere nicht einfach verkauft? Sogar der Schlachter wäre bessere Lösung gewesen als im eisigen Winter ohne irgendetwas zu fressen oder zu trinken, ohne Schutz vor der Kälte. Ich würde gern eins von den Pferden aufpäppeln aber was ist danach?...das Elend ist noch nicht zu Ende, daran glaub ich nicht wirklich.

karl lieb 19.02.2012 - 16:24:58

ach so

und die erde ist eine scheibe und wulff hat nichts rechtswidriges getan. so verbiegt man fakten und lügt sich in die eigene tasche. zuviel verlangt eigenes versagen objektiv zu bewerten. teilweise vergreisten mitgliedern kann man jedoch vieles vorlügen.

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