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Kollision auf freier Strecke - vom Opfer keine Spur

Pendler-Express: Der Triebwagen kollidierte in Brieskow-Fin­kenheerd – niemand weiß womit.
Pendler-Express: Der Triebwagen kollidierte in Brieskow-Fin­kenheerd – niemand weiß womit. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Andreas Wendt / 28.02.2012, 14:36 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Über einen mysteriösen Bahnunfall rätseln seit Freitag Bahn und Polizei. Zwischen Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt leitet der Zugführer des RE 1 nach einer Kollision eine Notbremsung ein und meldet einen Personenschaden. Spuren am Triebwagen belegen dies – doch es gibt kein Opfer.

Aus den Augenwinkeln habe er etwas wahrgenommen, gibt der RE1-Zugführer später gegenüber der Polizei zu Protokoll. Der Feuerwehr am Tatort erzählt der Bahnangestellte, dass eine Person ins Gleisbett gelaufen sei. Im Scheinwerferlicht des Bahnhofs habe er sie gesehen und fast zeitgleich einen Schlag gespürt. Die Pendlerin Astrid Sels erinnert sich an ein schrilles Signal aus dem Führerstand des Triebwagens, dann kommt der Zug am Freitagabend gegen 19 Uhr nach einer Vollbremsung auf den regennassen Gleisen kurz hinter dem Bahnhof Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) zum Stehen. „Der Zugbegleiter sagte, es habe einen Personenschaden gegeben“, erzählt Astrid Sels, eine von nur fünf Reisenden in dem Zug, der stündlich ohne Halt zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) pendelt.

Die Bundespolizei bestätigt gestern diesen Verdacht. „Die Spurenlage deutet darauf hin, dass etwas überfahren worden ist“, sagt Meik Gauer, Sprecher der Bundespolizei. Man habe „Anhaftungen an der Lok“ gefunden. „Wir hatten die Alarmierung, dass eine Person vom Zug erfasst wurde, aber noch leben soll“, sagt Frank Blankenburg von der Feuerwehr in Brieskow-Finkenheerd. Schon unmittelbar nach dem ominösen Zusammenstoß durchforsten 50 Polizisten und etwa 35 Frauen und Männer der Feuerwehr das Areal entlang der Gleise. Nur: Von einem möglichen Opfer fehlt seit Freitagabend jede Spur. Selbst leerstehende Häuser, in denen sich ein Verletzter hätte in Sicherheit bringen können, werden überprüft. Gestern Vormittag kreist ein Polizeihubschrauber über dem Bahnhofsgelände, gefunden wird nichts – weder ein verletztes Tier, noch ein Mensch. Die einzigen verwertbaren Hinweise findet die Polizei am Triebwagen – kein Blut, aber dunkelschwarze Abriebspuren, die derzeit von Kriminaltechnikern der Bundespolizei untersucht werden. „Es ist noch völlig unklar, ob sie von einem Tier oder einem Mensch stammen“, sagt der Polizeisprecher und räumt ein: Sie könnten auch schon vorher dort gewesen sein.

„Wenn ich jemanden an- oder gar umfahre, gibt es verwertbare Spuren“, ist sich Jörg Kiehn, Prokurist der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg), sicher. „Und es geht nicht ohne Blut ab.“ Feuerwehrmann Blankenburg schließt nicht aus, dass tatsächlich ein Mensch vor dem durchrauschenden Regionalexpress die Schienen überquert hat. „Viele nehmen einfach die Abkürzung über das ehemalige Kohlengleis“, weiß er. Die Polizei kontrolliere das, könne aber nicht rund um die Uhr präsent sein. Fast zwei Stunden lang war die Bahnstrecke am Freitagabend komplett gesperrt. Die Frankfurterin Astrid Sels hat mit den anderen Passagieren etwa 45 Minuten lang im Triebwagen ausgeharrt. „Vorher durften wir nicht aussteigen und mussten dann geschlossen über die Gleise zu unserem Taxi gehen“, erinnert sie sich. Die Bahn richtete auf diesem Abschnitt einen Schienenersatzverkehr ein.

Das Regelwerk der Bahn sieht nach Aussagen des Odeg-Prokuristen Kiehn bei jedem Zusammentreffen mit einem Hindernis einen Stopp vor. „Letztlich entscheiden die Lokführer einzelfallbezogen“, sagt Kiehn. „Wenn wir nach jeder Kollision mit einem Kaninchen halten würden und auf die Streckenfreigabe des Notfallsmanagers der Bahn warten würden, kämen wir im Oderbruch gar nicht voran.“ Dumm sei nur, wenn sich ein vermeintliches Reh hinterher als überfahrener Mensch entpuppt.

"Wenn ich jemanden an- oder gar umfahre, gibt es verwertbare Spuren", ist sich Jörg Kiehn, Prokurist der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg), sicher. "Und es geht nicht ohne Blut ab." Feuerwehrmann Blankenburg schließt nicht aus, dass tatsächlich ein Mensch vor dem durchrauschenden Regionalexpress die Schienen überquert hat. "Viele nehmen einfach die Abkürzung über das ehemalige Kohlengleis", weiß er. Die Polizei kontrolliere das, könne aber nicht rund um die Uhr präsent sein. Fast zwei Stunden lang war die Bahnstrecke am Freitagabend komplett gesperrt. Die Frankfurterin Astrid Sels hat mit den anderen Passagieren etwa 45 Minuten lang im Triebwagen ausgeharrt. "Vorher durften wir nicht aussteigen und mussten dann geschlossen über die Gleise zu unserem Taxi gehen", erinnert sie sich. Die Bahn richtete auf diesem Abschnitt einen Schienenersatzverkehr ein.

Das Regelwerk der Bahn sieht nach Aussagen des Odeg-Prokuristen Kiehn bei jedem Zusammentreffen mit einem Hindernis einen Stopp vor. "Letztlich entscheiden die Lokführer einzelfallbezogen", sagt Kiehn. "Wenn wir nach jeder Kollision mit einem Kaninchen halten würden und auf die Streckenfreigabe des Notfallsmanagers der Bahn warten würden, kämen wir im Oderbruch gar nicht voran." Dumm sei nur, wenn sich ein vermeintliches Reh hinterher als überfahrener Mensch entpuppt.

Über einen mysteriösen Bahnunfall rätseln seit Freitag Bahn und Polizei. Zwischen Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt leitet der Zugführer des RE 1 nach einer Kollision eine Notbremsung ein und meldet einen Personenschaden. Spuren am Triebwagen belegen dies - doch es gibt kein Opfer.

Von Andreas Wendt

Frankfurt (Oder) (MOZ) Aus den Augenwinkeln habe er etwas wahrgenommen, gibt der RE1-Zugführer später gegenüber der Polizei zu Protokoll. Der Feuerwehr am Tatort erzählt der Bahnangestellte, dass eine Person ins Gleisbett gelaufen sei. Im Scheinwerferlicht des Bahnhofs habe er sie gesehen und fast zeitgleich einen Schlag gespürt. Die Pendlerin Astrid Sels erinnert sich an ein schrilles Signal aus dem Führerstand des Triebwagens, dann kommt der Zug am Freitagabend gegen 19 Uhr nach einer Vollbremsung auf den regennassen Gleisen kurz hinter dem Bahnhof Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) zum Stehen. "Der Zugbegleiter sagte, es habe einen Personenschaden gegeben", erzählt Astrid Sels, eine von nur fünf Reisenden in dem Zug, der stündlich ohne Halt zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) pendelt.

Die Bundespolizei bestätigt gestern diesen Verdacht. "Die Spurenlage deutet darauf hin, dass etwas überfahren worden ist", sagt Meik Gauer, Sprecher der Bundespolizei. Man habe "Anhaftungen an der Lok" gefunden. "Wir hatten die Alarmierung, dass eine Person vom Zug erfasst wurde, aber noch leben soll", sagt Frank Blankenburg von der Feuerwehr in Brieskow-Finkenheerd. Schon unmittelbar nach dem ominösen Zusammenstoß durchforsten 50 Polizisten und etwa 35 Frauen und Männer der Feuerwehr das Areal entlang der Gleise. Nur: Von einem möglichen Opfer fehlt seit Freitagabend jede Spur. Selbst leerstehende Häuser, in denen sich ein Verletzter hätte in Sicherheit bringen können, werden überprüft. Gestern Vormittag kreist ein Polizeihubschrauber über dem Bahnhofsgelände, gefunden wird nichts - weder ein verletztes Tier, noch ein Mensch.

Die einzigen verwertbaren Hinweise findet die Polizei am Triebwagen - kein Blut, aber dunkelschwarze Abriebspuren, die derzeit von Kriminaltechnikern der Bundespolizei untersucht werden. "Es ist noch völlig unklar, ob sie von einem Tier oder einem Mensch stammen", sagt der Polizeisprecher und räumt ein: Sie könnten auch schon vorher dort gewesen sein.

"Wenn ich jemanden an- oder gar umfahre, gibt es verwertbare Spuren", ist sich Jörg Kiehn, Prokurist der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg), sicher. "Und es geht nicht ohne Blut ab." Feuerwehrmann Blankenburg schließt nicht aus, dass tatsächlich ein Mensch vor dem durchrauschenden Regionalexpress die Schienen überquert hat. "Viele nehmen einfach die Abkürzung über das ehemalige Kohlengleis", weiß er. Die Polizei kontrolliere das, könne aber nicht rund um die Uhr präsent sein. Fast zwei Stunden lang war die Bahnstrecke am Freitagabend komplett gesperrt. Die Frankfurterin Astrid Sels hat mit den anderen Passagieren etwa 45 Minuten lang im Triebwagen ausgeharrt. "Vorher durften wir nicht aussteigen und mussten dann geschlossen über die Gleise zu unserem Taxi gehen", erinnert sie sich. Die Bahn richtete auf diesem Abschnitt einen Schienenersatzverkehr ein.

Das Regelwerk der Bahn sieht nach Aussagen des Odeg-Prokuristen Kiehn bei jedem Zusammentreffen mit einem Hindernis einen Stopp vor. "Letztlich entscheiden die Lokführer einzelfallbezogen", sagt Kiehn. "Wenn wir nach jeder Kollision mit einem Kaninchen halten würden und auf die Streckenfreigabe des Notfallsmanagers der Bahn warten würden, kämen wir im Oderbruch gar nicht voran." Dumm sei nur, wenn sich ein vermeintliches Reh hinterher als überfahrener Mensch entpuppt.

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Hans Wurst 28.02.2012 - 23:12:34

immer top aktuell...

... die Berichterstattung der MOZ, was heute passierte kann man spätestens in 5 Tagen in der Zeitung lesen. Klasse Leistung! Ich gebe Ihnen den Tipp ihre Quelle zu ersetzen von der sie die Aussage haben, dass 50 Polizisten bei der Suche geholfen hätten. Tatsächlich war nämlich nur ein Streifenwagen vor Ort (nein, kein Reisebus).

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