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Berliner Unfallforscher fordert verbindliche Überprüfungen

Tauglichkeitstests für ältere Fahrer

© Foto: dpa
Christian Stiller / 04.04.2012, 08:41 Uhr - Aktualisiert 04.04.2012, 10:47
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Debatte um Tauglichkeitstests für Autofahrer über 70 hat neue Nahrung bekommen. Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Unfällen, bei denen Ältere die Hauptverursacher sind, fordert der Unfallforscher Siegfried Brockmann verbindliche Prüfungen.

"Nach unseren Berechnungen hat die Zahl der selbstverschuldeten Unfälle mit Toten und Verletzten bei über 75-Jährigen rapide zugenommen", erklärt Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer in Berlin. So sei die Kurve ähnlich hoch wie bei den Unfallverursachern zwischen 18- bis 24-Jährigen. Nach seinen Untersuchungen sind Senioren vor allem in Abbiege- und Kreuzungsunfälle verwickelt.

Das Problem sei zwar jetzt noch nicht so akut. "Aber wenn wir den Zeitraum der nächsten 15 Jahre betrachten, dann wird die Zahl der über 75-jährigen Autofahrer massiv zunehmen", so Brockmann. Gründe für diese Zunahme sieht er nicht nur allein in der demografischen Entwicklung, sondern auch darin, "dass immer mehr Frauen dazukommen, die mit über 75 Jahren Auto fahren werden. Derzeit sind sie in der Regel männlich".

Angesichts des zu erwartenden Trends stellt Brockmann deshalb die Frage, "ob die bisherige Freiwilligkeit für eine Überprüfung der eigenen Fahrtauglichkeit noch reicht". Dabei sei ihm klar, dass es keine medizinischen Kriterien gebe. "Hier sollten die Ärzte mit ihren Patienten reden, ihnen Empfehlungen aussprechen, die jedoch vor der Führerscheinstelle geheim bleiben sollten." Allerdings fordert Brockmann ein verbindliches Fahrtraining, bei dem Senioren im Realverkehr ihr Fahrverhalten überprüfen lassen.

Auch in Brandenburg ist die Zahl der von Senioren verursachten Unfälle gestiegen - wenn auch nur leicht. So kletterte die Unfallzahl laut Polizeipräsidium von 8685 im Jahre 2009 auf 9550 im Jahre 2010 sowie auf 9645 im Jahre 2011. "Wir setzen vor allem auf freiwillige Präventionsveranstaltungen", sagt Präsidiumssprecherin Antje Conrad. Allein 2011 besuchten rund 3500 Senioren 100 solche Veranstaltungen.

Auf Freiwilligkeit setzen auch weiterhin die Verkehrsministerien von Bund und Land Brandenburg. "Die Statistik lässt bislang noch nicht den Schluss zu, dass von älteren Kraftfahrern ein erhöhtes Unfallrisiko ausgeht", erklärt Ingo Strater, Sprecher im Bundesverkehrsministerium. So sei die Unfallbeteiligung älterer Kraftfahrer deutlich niedriger als die jüngerer Altersgruppen. Verbindliche Maßnahmen lehnen beide Ministerien kategorisch ab.

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Yogi 05.04.2012 - 12:16:12

@Vielfahrer

Ein Tipp: gelassen bleiben, das schont die Nerven und stärkt den Charakter.

Vielfahrer 04.04.2012 - 22:23:36

@normal Fahrer

Und was ist mit den Leuten (überdurchschnittlich 70+) die in der 30er Strecke 20 fahren? Die durch Kurven auf der Landstraße durch die man problemlos mit 100 fahren mit 50 schleichen? Oder die sich bei absolut ausreichend Sicht nach vorne über 20 km nicht trauen den Trecker mit Hänger auf der Landstraße zu überholen, obwohl sie ein relativ neues Auto mit weit über 100 PS fahren, und so den Überholweg für die Nachfolgenden so lang machen, dass dann das Überholen wirklich riskant würde... Die sind meiner Meinung nach mindestens genauso gefährlich, wenn auch nur indirekt ...

Genervter Berufskraftfahrer 04.04.2012 - 22:02:54

was hier noch fehlt

und nicht zur Sprache kommt, sind die (scheinbar ständig nur vor mir) im Berufsverkehr fahrenden Senioren, die mit 20 bis 25 km/h in der 30er Zone oder mit 40 km/h in der Stadt bzw. mit 70 km/h auf der Landstraße vor mir her tuckeln und vor Kurven, durch die man ohne Gefahr mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit durchfahren könnte, noch auf die Hälfte runter bremsen. Das sind nämlich die Herrschaften, die zwar nicht unbedingt die Unfälle selbst direkt verursachen, weil Sie Ihren Fahrstil Ihrem offenbar eingeschränkten Wahrnehmungsvermögen angepasst haben, die aber andererseits die Fahrzeugführer hinter sich erst zur Raserei und dann zu riskanten Überholmanövern bringen... Sicher ist es korrekt, dass in diesem Fall der Überholende derjenige ist, der sich höchstwahrscheinlich verkehrswidrig verhält, aber § 3 Abs.2 StVO lautet: "Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, daß sie den Verkehrsfluß behindern." Und wenn der triftige Grund nur der ist, dass der Fahrzeugführer sich selbst nicht mehr zutraut so schnell zu fahren wie es eigentlich erlaubt wäre, dann ist das KEIN triftiger Grund im Sinne des § 3 Abs.2 StVO sondern ein triftiger Grund darüber nachzudenken den Führerschein abzugeben... (wie es übrigens schon einige meiner Bekannten in dem entsprechenden Alter 70+ schon getan haben) So, und nun hackt auf mir rum von wegen altenfeindlich und so... Darauf kann ich nur antworten : Versucht mal Euren Lebensunterhalt im Straßenverkehr zu verdienen und dabei auch Zeiten einhalten zu müssen...

Hans Kerk 04.04.2012 - 14:43:01

Tauglichkeitstests für ältere Fahrer

§11 der Fahrerlaubnis-Verordnung sagt doch genau aus, dass man für eine Fahrerlaubnis körperlich und geistig geeignet sein muss (§12 Sehvermögen). Diese Eignung wurde i.d.R. bei einem 70jährigen vor ca. 50 Jahren festgestellt. Wenn man mit 90 oder 100 Jahren noch diese Eignung erfüllt dann sehe ich kein Problem in einer Überprüfung.

selbstfahrer 04.04.2012 - 14:05:32

tauglichkeitstest

PMS entweder nach Lobetal oder zur MPU.

Leser 04.04.2012 - 13:24:58

Handy am Ohr...

...eine Hand am Steuer und mit den Gedanken nicht beim Verkehrsgeschehen rundherum sondern beim jeweiligen Handy-Gesprächspartner. Das spielt sich täglich 1000-fach auf den Straßen ab.Das sind keine über 70-jährigen ! Zwangsläufig führt derartige Unaufmerksamkeit bei der Verkehrsdichte und real gefahrenen Geschwindigkeiten über Kurz oder Lang zum Crash. Dieses Gefahrenpotential zu analysieren und schließlich auszuschalten wäre wohl lohnend, aber wer sollte das tun ?

Aufpasser 04.04.2012 - 12:04:42

Unfälle haben doch zu aller erst...

...etwas mit Charakter des Fahrers zu tun. Dass dann gerade alte Autofahrer verstärkt schuld an Unfällen sein sollen, muß ich stark bezweifeln. Charakterprüfungen sollten vor allem bei Neuanfängern als erstes durchgeführt werden.

normal Fahrer 04.04.2012 - 11:29:55

tauglichkeitstest

Es ist doch jedesmal das gleiche Spiel.Verursacht ein älterer Kraftfahrer ein Unfall schon kommt der laute Aufschrei nach einen Tauglichkeitstest.Wenn die Polizei regelmäßig noch Verkehrskontrollen durchführen würde könnte sie feststellen wer die größten Verkehrsrowdis sind.Die Kreuze an den Strassenrändern sagen alles aus.Wer verursacht die schrecklichen Auffahrunfälle auf den Autobahnen?Etwa die "Alten"? Wer rast mit überhöhter Geschwindigkeit durch Wohngebiete mit 30km/h Zonen?Wer ist der Meinung für ihn gibt es keine StvO und gefährdet durch sein Verhalten alle anderen?Diese "Kraftfahrer"sind unter uns unzwar jeden Tag.Diese müssen zur MPU!!!

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