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Die von den Euroregionen vergebenen Fördermittel erreichen ihre Empfänger oft erst über ein Jahr nach der Zusage

Deutsch-polnische Begegnungen leiden unter Bürokratie

Deutsche und Polen an einem Tisch: eine Szene vom Chortreffen in Wendisch Rietz (Oder-Spree) 2011
Deutsche und Polen an einem Tisch: eine Szene vom Chortreffen in Wendisch Rietz (Oder-Spree) 2011 © Foto: Elke Lang
Dietrich Schröder / 10.04.2012, 19:26 Uhr - Aktualisiert 10.04.2012, 19:57
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein Feuerwehrtreffen in Seelow (Märkisch-Oderland) mit Gästen aus Klodawa. Ein Workshop für junge Pflegekräfte aus Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) und Zielona Góra. Oder auch ein Erfahrungsaustausch von Förstern von beiden Ufern der Oder, der in Eberswalde (Barnim) stattfand. Die Liste der deutsch-polnischen Begegnungen, die seit Jahren von den Euroregionen in der Grenzregion gefördert werden, ist lang.

"Erst vergangene Woche haben wir wieder 71 Anträge für dieses Jahr bewilligen können", erklärt Joanna Stepien vom Büro der Euroregion "Pro Europa Viadrina" in Frankfurt. Auch Regina Werner, die den Fonds für die kleinen Projekte bei der Euroregion "Pomerania" bearbeitet, verrät, dass der Topf für dieses und die kommenden Jahre noch gut gefüllt ist. Bis zu 25000 Euro kann man bei ihr beantragen. Der Eigenanteil liegt in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Veranstaltungen zwischen 15 und 40 Prozent.

Allerdings - und dies ist für zahlreiche Interessenten ein Handicap - müssen die Kosten zunächst in voller Höhe vorgeschossen werden. "Bis die Abrechnungen dann geprüft sind und das Geld erstattet werden kann, vergehen sechs Monaten bis anderthalb Jahre", räumt Joanna Stepien ein. Die Verzögerungen ergeben sich daraus, dass für die deutsche Seite die Investitionsbank des Landes Brandenburg und für Polen gleich zwei Einrichtungen in Zielona Góra und Warschau die Rechnungen prüfen. Dort werde beispielsweise kontrolliert, ob der Strom für eine Feier wirklich nur zur Beleuchtung der Bühne verwendet wurde.

"Wir helfen ja den Leuten schon bei der Beantragung und Abrechnung", sagt der Geschäftsführer des Frankfurter Büros der Euroregion, Toralf Schiwietz. Er schätzt, dass ein Drittel der Projekte gar nicht erst zustande käme, wenn es keine Unterstützung beim Ausfüllen der komplizierten Förderanträge gebe.

"Kleine Vereine können daran kaputtgehen, wenn sie so lange auf das Geld warten müssen", warnt Przemyslaw Konopka. Er und andere Engagierte aus der Grenzregion haben kürzlich einen Appell erarbeitet, der zur Vereinfachung der Regularien ab 2014 führen soll, wenn die nächste siebenjährige Förderperiode der EU beginnt.

"Unseren Aufruf haben bereits mehr als 70 Vereine und Kommunen unterzeichnet", berichtet Michael Kurzwelly, der sich für den Verein Slubfurt engagiert. Jetzt will man das Papier an Europaabgeordnete und regionale Politiker verschicken. Die Initiatoren wünschen sich zudem mehr Mitspracherechte für Vereine und Nichtregierungsorganisationen vor Ort.

 

Infos zu Förderprogrammen:

www.euroregion-viadrina.eu

www.pomerania.net

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Ronaldo 17.04.2012 - 18:06:27

Oft zählt nur der Wille

Als Esperantisten organisieren wir schon seit vielen Jahren Treffen mit unseren polnischen Sprachfreunden, allerdings ganz ohne finanzielle Hilfe von staatlicher Seite. Es wäre zweifellos auch eine Idee, dieselbe in Anspruch zu nehmen, denn 2014, wenn Polen 10 Jahre in der EU ist, wollen wir ein etwas größeres und längeres Treffen organisieren - beiderseits der Oder. Traditionell soll dies um den 01. Mai herum erfolgen, mit Einbindung des Brückenfestes in Frankfurt.

Kowalski 11.04.2012 - 11:17:26

@ MOZ - LESER- leider nicht verstanden

Leider hat der MOZ-Leser den tieferen Sinn nicht verstanden. Polen und Deutsche wollen schon Kontakt mit einander haben. Sie geben sich auch gegenseitig ein Bier aus. Doch längere Busfahrten, Flüge oder andere Transporte im Rahmen von größeren Projekten haben nun mal ihren Preis. Es ist ja kein privater Urlaub. Wenn es politisch gewollt ist, dann muss die Politik auch die machbaren Rahmenbedingungen schaffen. Schmidt und Kowalski treffen sich auch ohne Politik auf ein Bier im "Odera" in Slubice.

MOZ - Leser 11.04.2012 - 05:53:05

das ist doch jetzt nicht der Ernst

also wenn das in der bild stehen würde, würde ich es verstehen. Aber weder der Reporter noch der @ Kowalski haben es verstanden. oder ist es wirklich so, das deutsche und polern nur kontakt zueinander haben wollen, wenn es Geld dafür gibt und der kontakt finanziell gefördert wird?

Kowalski 10.04.2012 - 21:18:56

Nur etwas für Fanatiker

So herzlich und so interessant und auch so wichtig wie die deutsch-polnischen Begegnungen sind, so kompliziert ist deren finanzielle Organisation. Den sogenannten Eigenanteil von bis zu 40% können Schulklassen oder Organisationen kaum erbringen. Alles endet dann in finanziellen Schlängelläufen am Rande der Legalität. Da diese Begegnungen politisch und auch menschlich gewollt sind, sollte es einen tragfähigen finanziellen Rahmen geben. Wer Luxus will, soll ihn bezahlen. Die gegenwärtige Handhabung der Dinge verdirbt den Spaß an der Sache.

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