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98 Helfer schützen die Natur

Streng geschützt: Ein Biber knabbert im Naturpark Uckermärkische Seen an einem Zweig.
Streng geschützt: Ein Biber knabbert im Naturpark Uckermärkische Seen an einem Zweig. © Foto: dapd
Ulrich Thiessen / 10.04.2012, 19:41 Uhr
Potsdam (MOZ) 98 Naturwächter, gern Ranger genannt, sorgen in den Großschutzgebieten Brandenburgs für Ordnung, Bildung und kurbeln den Tourismus an. Eine Erfolgsgeschichte - irgendwie. Denn trotzdem ist die Zukunft der Naturparks nach wie vor ungeklärt.

Ein Faltblatt gibt Auskunft über einen Teil der Arbeit von Brandenburgs Naturwächtern. Da sind geführte Touren zur Großtrappenbalz aufgeführt, eine Amphibienklangwanderung und die Große Nachtmusik, um nur einige von Dutzenden Informations- und Erlebnisveranstaltungen zu nennen, die die Ranger in diesem Jahr wieder im Programm haben. Darüber hinaus gab es im vergangenen Jahr (und 2012 natürlich auch wieder) 218 Projekttage an Schulen, 676 Führungen und Vorträge sowie 7270 Informationsgespräche in den Schutzgebieten.

Manfred Lütkepohl, Leiter der Naturwacht, berichtete gestern, dass 2011 genau 1009 Ordnungswidrigkeiten in den Großschutzgebieten festgestellt wurden. Dazu zählen 137 Fälle von illegal abgeladenen Hausmüll, 67 Sondermüll- und Bauschuttabladungen, 102 unerlaubte Feuer und 326 Missachtungen des Wegegebotes. Laut Lütkepohl sind derzeit die Verstöße gegen die Landnutzung besonders gravierend. So wurde vor allem im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe mehrfach Wiesenland illegal zu Ackerflächen umgebrochen.

Insgesamt ist die Zahl der registrierten Ordnungswidrigkeiten rückläufig. 1999 wurden noch 7741 Fälle registriert. Damals gab es aber auch noch 44 Stellen mehr und die Aufgabenfülle war noch nicht so breit wie heute. Gebietskontrollen machen inzwischen nur noch 20 Prozent des Arbeitsspektrums der Naturwächter aus.

Die Ranger haben 2011 beispielsweise 12 000 Hektar Biotope kartiert, an 115 Seen die Sichttiefen gemessen und 110 Adlerhorste betreut. Im Naturpark Barnim wird zudem seit Jahren die Entwicklung der Fledermäuse in ehemaligen Bunkeranlagen kontrolliert und ein stetes Ansteigen der Arten festgestellt. In der Lausitz konnte auf einer Insel im Stoßdorfer See (Dahme-Spreewald) die Entwicklung der Lachmöwen von 15 Brutpaaren 1997 auf 6820 im vergangenen Jahr registriert werden.

Umweltministerin Anita Tack (Linke) dankte gestern den Naturwächtern und den mit ihnen zusammenarbeitenden 295 ehrenamtlichen Naturschützern. Sie betonte, dass die Rangerstellen auch in den kommenden Jahren stabil gehalten werden sollen. Die ehemaligen Landesbediensteten wurden schon vor Jahren ausgegliedert und sind beim Brandenburgischen Naturschutzfonds angesiedelt, der die entsprechenden Personalkosten aus der Landeskasse überwiesen bekommt.

Ein Teil der Tourismus- und Informationszentren in den Großschutzgebieten werden seit einigen Jahren vom Verein pro agro betrieben, der dafür EU-Gelder einwirbt. Umweltministerin Tack verwies darauf, dass dieses Modell im kommenden Jahr ausläuft. Zurzeit prüft die EU die Verwendung der Fördergelder.

Die Naturparkverwaltung selbst gehört zum Landesumweltamt. Im vergangenen Jahr waren noch rund 90 Stellen von einst 150 vorhanden. Aber auch die vorhandenen sind zum Teil nicht besetzt. Einzelne Naturparks wie die Märkische Schweiz oder das Schlaubetal gelten seit Jahren als unterbesetzt und arbeiten nur noch mit ein bis zwei Mitarbeitern.

Tack hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, ein neues Konzept für die Zukunft der Großschutzgebiete vorzulegen. Gestern erklärte sie, dass eine Kommunalisierung der Naturparks aus ihrer Sicht nicht die Lösung darstelle. Sie denke eher an eine Stiftungslösung.

Im Landtag wird dagegen kritisiert, dass dies wenig Veränderung bringe, da das Land dann neben den Personalkosten für die Ranger auch die für die Naturparkmitarbeiter an die Umweltstiftung überweisen würde.

Der Landkreistag kritisierte gestern die Aussagen der Umweltministerin. Die Kreise bestehen weiter darauf, die Naturparks zu übernehmen, sagte Geschäftsführer Paul-Peter Humpert. Er sei überzeugt davon, dass auch die Enquetekommission zur Verwaltungsmodernisierung entsprechende Empfehlungen aussprechen werde. Humpert hält es als kontraproduktiv, vorher Tatsachen zugunsten einer Stiftungslösung zu schaffen.

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Barni 12.04.2012 - 08:23:13

richtig

@Leser: Das sehe ich auch so. Diese wichtigen Aufgaben gehören zu Polizei, Forst und Untere Naturschutzbehörden. Leider geben Bund, Länder und Kommunen immer mehr Aufgaben an Stiftungen, Vereine oder gar private Firmen ab um die eigenen Bilanzen zu schönen und Personalkosten einzusparen. Dass Stiftungen und Vereine wie der NABU in großem Maße davon provitieren wage ich zu bezweifeln. Sie sind eher Lückenbüßer für Aufgaben, die eigentlich die öffentliche Verwaltung übernehmen müßte, aber dies nicht mehr will. Da die öffentliche Hand spart, ist die Übertragung von Mitteln zur Erfüllung dieser Aufgaben eher magelhaft, so dass das für die neuen Aufgabenträger nicht wirklich einträglich sein dürfte. Aber sonst würde es warscheinlich gar keiner mehr machen. - Und das kann auch nicht das Ziel sein. Schließlich provitiert das Land auch von der Naturausstattung und sollte diese auch als Standortvorteil sehen und erhalten.

Leser 11.04.2012 - 20:36:11

@ Barni

Da gibt es einen Naturschutzfonds, eine Flächenagentur, eine Naturwacht, diverse Fördervereine, andere Stiftungen und Naturschutzverbände. Gleichzeitig laufen Mitarbeiter verschiedenster Umweltbüros durch die Landschaft. Alle schützen, kartieren, planen, verwalten, machen Öffentlichkeitsarbeit für den Nabu und kassieren ganz selbstverständlich dafür. Die Rechnung für diese Spielereien und verdeckte Finanzspritze für den Nabu bekommt direkt oder indirekt der Steuerzahler präsentiert. Gleichzeitig spart Brandenburg die Polizei, die Forst und die unteren Naturschutzbehörden handlungsunfähig. Was heute als Aufgaben der Naturwacht bechrieben wird, war bislang Aufgabe von Polizei, Forst und unteren Naturschutzbehörden. Gehören diese Aufgaben aber wirklich in die Hände von Amateuren? Sollten das nicht in Zukunft besser wieder die Profis erledigen? Seine Öffentlichkeitsarbeit soll der Nabu besser selbst organisieren und vor allem finanzieren! Damit kann viel Geld des Steuerzahlers gespart werden. Dieses Geld kann dann auch für die angemessene Bezahlung von Kinderärzten in Schwedt genutzt werden. Dann finden sich auch für die dortige Kinderklinik wieder Ärzte!

Courage 11.04.2012 - 19:27:36

98 Ranger sind noch nicht genug

Was sich manche Menschen in der Natur, speziell im Wald, erdreisten... , wie z.B. (wie) irre Motorradfahren ... Um solche Umweltsünder (noch nett ausgedrückt) zu stellen, wären noch viel mehr als nur 98 Ranger nötig !!!

Barni 11.04.2012 - 09:17:23

seltsamer Leser

@Leser: Die Mittel für den Ausgleich von Eingriffen müssen zweckgebunden für Maßnahmen eingesetzt werden. Das ist auch sinnvoll so, denn was würde es für einen Aufschrei geben, wenn diese Gelder für die Personalkosten der Naturwacht verwendet werden. Bei der Naturwacht hat sich das Land einfach einer Aufgabe erledigt, um die Bilanz im Landeshaushalt zu verschönern - trotzdem bleibt die Verantwortung hierfür bestehen, wozu auch eine finanzielle Ausstatung gehört. Ob das sinnvoll ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters - aber das gilt für fast alle öffentlichen Ausgaben (Straßenbau, Wirtschaftsförderung, Griechenlandrettung usw.) Und der Vergleich zu den Ärzten hinkt, da es in Schwedt und beim gesamten Ärztemangel im ländlichen Raum nicht vorrangig um das Geld geht, sondern dass sich einfach kein Arzt findet, der dort arbeiten will.

Leser 11.04.2012 - 00:23:31

seltsame Prioritätensetzung

Das Ministerium von Frau Tack überweist dem Naturschutzfonds die Personalkosten für nicht ganz 100 Naturwächter? Die laufen dann umher und kartieren Biotope oder messen Sichttiefen in Seen? Gehts noch? Dieser Naturschutzfonds bekommt doch Millionen im Jahr von Bauträgern und Baumfällern. Warum wird da noch zusätzliches Geld überwiesen? Sind die Personalkosten von Geschichtenerzählern bei der Naturwacht wirklich wichtiger, als die Personalkosten von Kinderärzten in der Kinderstation des Krankenhauses in Schwedt? Dass soll die Politik der Linken sein? Dafür wären sich selbst die Grünen zu schade.

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