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Landräte fordern Druck auf Kliniken

Ulrich Thiessen / 12.04.2012, 19:17 Uhr
Potsdam (MOZ) Im kommenden Jahr muss der Landeskrankenhausplan für die Zeit bis 2018 fortgeschrieben werden. Die derzeit 50 Kliniken an rund 60 Standorten sollen Bestand haben, doch die Debatte um die Kinderabteilung in Schwedt zeigt, dass Bewegung in die Strukturen kommt.

Die Internetseite "kliniksterben.de" listet in der Anmutung einer Todesanzeige insolvente Krankenhäuser oder zu schließende Abteilungen in ganz Deutschland auf. Es geht oft um Geburtsstationen, Gynäkologie oder Pädiatrie. In Brandenburg sind in den vergangenen Jahren schon mehrfach Geburtsstationen geschlossen worden. Zuletzt in Prenzlau, wo die Geburtenzahlen so stark sanken, dass die Spezialisierung aus fachlicher Sicht nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte.

Bei der Geburtshilfe und den Kinderabteilungen wird es auch im Rahmen der Fortschreibung der Krankenhausplanung weiteren Veränderungsbedarf geben, sagt Thomas Barter, Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium. Andererseits müssen die Kapazitäten in den Bereichen Geriatrie und Psychiatrie ausgeweitet werden. Im Havelland läuft gerade ein Modellversuch, bei der die Kliniken die psychiatrischen Behandlungen nach Fällen, unabhängig ob stationär oder ambulant behandelt, abrechnen. Damit hofft man im Ministerium, vom Bettenzählen als Kriterium bei der Krankenhausplanung wegzukommen.

In Bezug auf die Kinderabteilungen verweist Barter darauf, dass schon in den 90er-Jahren integrierte Stationen in Brandenburg erprobt wurden. In einem halben Dutzend Kliniken werden Kinder in eigenen Zimmern auf den Stationen für Inneres untergebracht. Kindgerecht, nicht zwischen alten Männern, wie Barter betont.

Im Fall des Klinikums Schwedt war dies jedoch nicht die Lösung. Schwedt beherbergt eines von fünf Schwerpunktkrankenhäusern im Land, das für eine ganze Region medizinische Angebote vorhält, die in den Krankenhäusern der Regel- oder Grundversorgung nicht existieren. In der Uckermark macht man sich Sorgen, dass die Schließung der Kinderabteilung den Status als Schwerpunktkrankenhaus gefährden könnte. Das würde Auswirkungen auf andere medizinische Bereiche haben und sich bei den Fördergeldern niederschlagen.

Vor allem das Agieren von Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) wird kritisch gesehen. Sie hatte Ende März in einer Pressemitteilung darauf verwiesen, dass das Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde die Versorgung absichern könne. Zudem übernahm sie die Argumentation des Schwedter Klinikbetreibers Asklepios, dass keine Ärzte für die Region zu gewinnen seien. Uckermark-Landrat Dietmar Schulze (SPD) forderte stattdessen, Druck auf den Gesundheitskonzern auszuüben. Schließlich gehöre die Kinderabteilung zu den in der Landeskrankenhausplanung festgeschriebenen Leistungen.

Tack erwiderte gestern, dass es kaum Druckmöglichkeiten auf Asklepios gebe. Man baue darauf, dass das Unternehmen seine in dieser Woche gemachten Zusagen einhalte, und bis zum Herbst die fehlenden Kinderärzte für Schwedt findet. Die Politik in Potsdam appelliert an das Unternehmen, das es als einer der größten privaten Klinikbetreiber Deutschlands einen Ruf zu verteidigen habe.

In der Uckermark wird befürchtet, dass schlecht ausgelastete Abteilungen nicht rentabel zu betreiben sind. Gernot Schmidt (SPD), Landrat von Märkisch-Oderland, befürchtet schwierige Verhandlungen zur Krankenhausplanung. Seiner Meinung nach sende das Land das falsche Signal aus, wenn es Kliniken nicht dazu zwinge, kostenintensive Bereiche querzufinanzieren. Schmidt selbst sieht keine Probleme durch Personalmangel. Auch im Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde sind die Personalprobleme nicht so gravierend wie in Schwedt. Die Klinik in Eberswalde hat den Status eines qualifizierten Regelkrankenhauses. Ob sich der Status zwischen den Häusern eines Tages verschiebt, müsse im Zuge der Krankenhausplanung diskutiert werden.

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Margitta Mächtig 12.04.2012 - 22:29:03

Warum wird kritisiert,

was für Kinder gut ist. Kinderärzte kann sich niemand backen und die Kommunen haben nur wenige Möglichkeiten Anreize für Ärzte zu schaffen. Die Bereitstellung von Eigenheimen oder ähnlichen ist ihnen untersagt. Also bleibt die Verantwortung der Kliniken. Da finde ich es schon spannend, dass man die verfehelte Personalpolitik des Askl.-Konzerns nun der Landesregierung und der Gesundheitsministerin anhängt, obwohl die Voraussetzungen für Schwedt alle gegeben sind, Ärzte einzustellenn. Aber wie so oft, wenn die Privatwirtschaft es nicht packt ruft sie nach dem Staat, wenn es ihr gut geht fordert sie den Staat zur Zurückhaltung auf. Ich finde es ist eine gute Lösung vorübergehend die Kinderklinik der GLG im Werner-Forßmann.-Krankenhaus Eberswalde mit ins Boot zu nehmen. So ist, wenn auch schwieriger als vor Ort, die Versorgung der Kinder doch wenigstens gewährleistet.

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