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Wirtschaftsexperten geben Hotelier Hilpert Rückendeckung

Axel Hilpert
Axel Hilpert © Foto: dapd
MOZ / 16.04.2012, 18:30 Uhr - Aktualisiert 16.04.2012, 20:26
Potsdam (MOZ) Nach dreiwöchiger Osterpause im Hilpert-Prozess hat die Verteidigung am Montag für ihren Mandanten erneut den Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft gestellt. Darüber hinaus bot der Verhandlungstag am Potsdamer Landgericht eine Geschichtsstunde über Stasi-Seilschaften. Um ihrem Antrag auf Aufhebung des seit Juni 2011 geltenden Haftbefehls Nachdruck zu verleihen, schaffte Rechtsanwältin Heide Sandkuhl „ein Gerücht“ aus der Welt. „Axel Hilpert ist nicht Ehren-Oberst der kubanischen Armee“, stellte sie klar. Angaben dazu auf Wikipedia, die von der Staatsanwaltschaft als Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden, seien falsch.

Auch sei der 64-Jährige aus gesundheitlichen Gründen „nicht reisefähig“, und selbst wenn, ein Leben in Kuba oder den USA könne sich ihr Mandant nicht vorstellen. Er wolle in Brandenburg leben, nahe des von ihm errichteten Resorts Schwielowsee, „der Krönung seines Lebenswerks“. Axel Hilpert soll laut Staatsanwaltschaft beim Bau des 2005 eröffneten Luxushotels die Landesinvestitionsbank ILB um neun Millionen Euro betrogen haben. Heide Sandkuhl sieht hingegen den Betrugsvorwurf spätestens nach den Aussagen von Hilperts Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern entkräftet. Diese hätten seinerzeit die Fördervereinbarung zwischen Hotelier und ILB geprüft und Gewinnaufschläge von Hilpert-Firmen für Hilpert-Firmen für rechtmäßig erachtet. Staatsanwalt Ivo Maier wies den Antrag, der im Kern nicht anders begründet war als der im März vom Gericht abgelehnte, zurück. Wann das Gericht entscheidet, ist offen.

Maier argumentierte, Hilperts Steuerleute hätten sich mit ihren Aussagen „aus der Verantwortung winden“ wollen. Ihre Aufgabe sei es damals gewesen, Hilpert 
einen „Persilschein“ auszustellen. Würden sie die Fördervereinbarung heute anders bewerten, stünden sie in der „Haftung wegen eigenen Fehlverhaltens“. Aussagekräftiger seien Rechnungen, von denen Maier prompt einige unter heftigem Protest der Verteidigung verlas. So hat Hilpert ein größeres Ferienhaus auf der Anlage bei der ILB mit 630 000 Euro abgerechnet, errichtet wurde es von einer Müllroser Baufirma für weniger als 250 000 Euro. Der Differenzbetrag wanderte mutmaßlich in Hilperts Tasche. Unter dem Strich soll er so 13 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet haben. Angesichts solcher Belege regiert im Hilpert-Lager offenbar Panik. So verstieg sich Hilperts Sohn Christian, ebenfalls ein Hotelier, jüngst dazu, einen Protestbrief an Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) zu schreiben. Er beschwerte sich darin über „Freiheitsberaubung, Rufmord und Willkür“ gegen seinen Vater. Schöneburg wies die Initiative mit Verweis auf die Gewaltenteilung zurück.

Entlastendes kam am Montag auch nicht von einem früheren Freund Hilperts. Karl-Heinz Bringer erzählte vor Gericht von gemeinsamen Aktivitäten in den 80er-Jahren für die Kommerzielle Koordinierung (Koko) des Alexander Schalck-Golodkowski. Er, Bringer, sei damals leitender Angestellter des Devisenhotels „Metropol“ am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße gewesen. Etwa 15 Zimmer des Hauses seien verwanzt gewesen. Die Stasi oder KoKo-Leute hätten ihn angewiesen, welcher „interessante Gast“ welches Zimmer erhält. Auch Hilpert als Schalcks Antiquitätenhändler habe hin und wieder für Geschäftsanbahnungen ein Quartier im „Metropol“ gebraucht. Bringer habe das geregelt und im Gegenzug von Hilpert Bückware erhalten. Man sei sich sympathisch gewesen, betonte der 67 Jahre alte Zeuge. Eine Freundschaft entstand, die jedoch ein Ende fand, als das Finanzamt von einer Scheinrechnung über 90 000 Euro zwischen den Geschäftsleuten Wind bekam. aus. Bringer reagierte mit einer Selbstanzeige. Hilpert missfiel dies, er forderte 2011 die Rücknahme und drohte Bringer über einen Boten nebulös mit „Stasi-Verquickungen“, sagte Bringer als Zeuge aus. Näher wollte er darauf gestern nicht eingehen. „Das sind doch alte Geschichten.“

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