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Polizei registriert deutlich mehr Straftaten in Berlin

19.04.2012, 15:23 Uhr
Berlin (dpa) Die Zahl der registrierten Straftaten ist in Berlin erstmals seit Jahren wieder deutlich gestiegen. Die Polizei stellte im vergangenen Jahr insgesamt 494 385 Fälle fest - das sind 19 346 Delikte oder 4,1 Prozent mehr als noch im Jahr 2010. Dies geht aus der jüngsten Kriminalstatistik hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Offiziell sollen die Zahlen erst am Montag vorgestellt und im Innenausschuss diskutiert werden.

Die Kriminalexperten führen den Anstieg vor allem auf die starke Zunahme von Diebstählen zurück. Hier stieg die Zahl um 11,9 Prozent oder 22 571 Delikte auf 213 008. Demnach gab es in der Hauptstadt alle zweieinhalb Minuten einen Diebstahl. Weniger als jeder vierte Fall wurde aufgeklärt.

Dadurch erklärt sich auch die insgesamt gesunkene Aufklärungsquote im vergangenen Jahr von 48,4 auf 46,1 Prozent. Das ist ein Minus von 2,3 Punkten. Während etwa angezeigte Schwarzfahr-Fälle naturgemäß fast immer aufgeklärt werden, weil der Täter bekannt ist, müssen die Polizisten bei gestohlenen Fahrrädern oder bei Einbruchsdiebstählen mühsam ermitteln.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte mit Blick auf die insgesamt gestiegenen Straftaten und die gesunkene Aufklärungsquote den Personalabbau bei der Berliner Polizei. "In den vergangenen Jahren sind rund 4000 Stellen eingespart worden", sagte der Landesvorsitzende Michael Purper der Nachrichtenagentur dpa. "Da ist es nicht verwunderlich, dass sich das in einem Anstieg bei den Straftaten niederschlägt."

Die von Innensenator Frank Henkel (CDU) versprochenen zusätzlichen 250 Polizisten seien da "nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Purper. "Noch sind die jungen Kolleginnen und Kollegen in der Ausbildung. Aber auch wenn sie den Dienst antreten, werden sie nicht viel bewirken können." Der Berliner GdP-Chef forderte zudem mehr Anstrengungen bei der Kriminalprävention, etwa auf der Straße.

Der Großteil der Straftaten gehört eher zur Kleinkriminalität. Fast die Hälfte machen Diebstähle aus. Hinzu kommen rund 82 000 Betrügereien, 49 000 Sachbeschädigungen und 28 000 leichte Körperverletzungen. Gerade beim letzten Punkt dürfte das Dunkelfeld indes sehr viel höher liegen, denn Schlägereien unter Jugendlichen bleiben der Polizei häufig unbekannt.

Unterdessen stiegen die Fälle von Mord und Totschlag um 5 auf 127; in den meisten Fällen handelt es sich um versuchten Mord oder versuchten Totschlag. In 35 Fällen kamen die Opfer ums Leben. Nur mit Blick auf die Mordtaten stellte die Polizei einen Anstieg von 4 auf 41 fest - inklusive 24 versuchter Taten. Während 2010 nahezu jeder Fall aufgeklärt wurde, waren es 2011 nur noch drei von vier.

Deutlich abgenommen haben die Misshandlungen von Kindern (491, -19,9 Prozent). Dagegen wurden wieder mehr Kinder missbraucht (732, +4,9 Prozent). Die Fälle des Besitzes von Kinderpornografie nahmen erheblich zu (184, +49 Prozent). Das erklärt sich vor allem durch zwei bundesweite Großverfahren, die von den Landespolizeien vor Ort ermittelt wurden. Zudem gab es mehr Anzeigen wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung (635, +7,8 Prozent).

Deutlich zugenommen haben die vorsätzlichen Brandstiftungen (1090 Fälle, +28,5 Prozent) - ein Drittel machten die Brandanschläge auf Autos aus. Mit einem politischen Motiv wurden 117 Wagen (2010: 54) attackiert. Ohne politisches Motiv brannten 420 Autos (2010: 196).

Insgesamt wurden der Polizei 77 916 Opfer von Straftaten bekannt. Der erfasste Schaden lag bei rund 572,4 Millionen Euro. Trotz brennender Autos sind das rund 30 Millionen Euro weniger als 2010.

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