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Mangelhafte DDR-Aufarbeitung in Museen

Ulrich Thiessen / 27.04.2012, 19:23 Uhr
Potsdam (MOZ) Brandenburg hat eine breite Museumslandschaft. Das Manko dabei: Die Einrichtungen sind schlecht ausgestattet und haben sich bislang nur teilweise mit der jüngsten Vergangenheit beschäftigt.

Die Zeit, in der sich die rund 420 Museen Brandenburgs aus Unsicherheit nicht der DDR-Zeit widmeten, sind vorbei. Auch der ostalgische Blick der noch Ende der 90er mitunter anzutreffen war, ist nach Auffassung von Stefan Wolle überwunden. Der Historiker hat am Freitag ein Gutachten über den Beitrag der Heimatmuseen zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte in der Enquetekommission des Landtages vorgestellt. Er kommt zu dem Schluss, dass in einer Reihe von Dauerausstellungen die Synthese zwischen politischer Geschichte und der Alltagswirklichkeit der DDR gelingt.

Als Beispiele nannte er die Museen von Luckau und Luckenwalde. Negativ bewertet er im Gutachten das Museum in Müllrose (Oder-Spree). Dort wird noch auf die SED als die führende Kraft beim friedlichen Aufbau nach dem Krieg verwiesen. "Auf Schrifttafeln entsteht das Bild eines antifaschistisch-demokratischen Aufbruchs, der bruchlos in blühende Landschaften führte", schreibt Wolle in seinem Gutachten. Zum Jahr 1989 werde einzig vermerkt, dass die Seeallee als Initiativprojekt von Müllroser Handwerkern neu gestaltet wurde. Indes kündigte Museumsleiterin Romy Werner an, dass die alten Schautafeln noch im Laufe dieses Jahres erneuert werden sollen. "Die Entwürfe sind bereits fertig."

Im Museum Fürstenwalde ist man einen Schritt weiter. Dort sei es gelungen, Ereignisse der jüngsten Geschichte auf die Stadt herunterzubrechen, berichtete Wolle. Auch in Eisenhüttenstadt komme der verständliche Stolz auf das Stahlwerk zum Ausdruck, ohne dass reale Lebensverhältnisse und Probleme ausgeblendet würden; wie beispielsweise der Versuch der DDR, eine Stadt ohne Kirchen durchzusetzen.

Negatives Beispiel ist auch das Stadtmuseum Cottbus, das schon seit Jahren geschlossen ist. Oft spiele das Museum nicht die Rolle in der Kommune, die ihm zukommen müsste, erklärte Wolle. Museumsleiter Steffen Krestin berichtete von mehreren Sonderausstellungen, die an verschiedenen Orten zu DDR-Themen organisiert wurden. Es sei aber nicht zu verhindern, dass beispielsweise eine Schau zu Städtebau und Abriss von den Besuchern unter nostalgischen Gesichtspunkten wahrgenommen wird.

Susanne Köstering vom brandenburgischen Museumsverband berichtete, dass es nur in Thüringen eine personell ähnlich schlecht ausgestattete Museumlandschaft gibt. Nur 120 Museen haben überhaupt festangestelltes Personal. Davon wiederum sind nur 20 Prozent wissenschaftliche Mitarbeiter. Ohne Kuratoren und Museumspädagogen ließen sich nur schwer neue Ausstellungen bewerkstelligen und Konzepte für Schulklassen entwickeln.

Zudem befasste sich die Enquetekommission erneut mit der Stasi-Überprüfung im ersten Landtag. Gutachterin Gisela Rüdiger erklärte, dass es nicht nachvollziehbar sei, warum damals rund ein Dutzend stasibelastete Abgeordnete als Grenzfälle eingeordnet wurden, auch wenn Spitzeltätigkeit nachgewiesen war. Auch die Einstufung von Manfred Stolpe als unbelastet durch zwei mit der Überprüfung beauftragte Kirchenmänner sei nicht zu erklären.

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Gerda Weitsprung 29.04.2012 - 10:22:28

Frankfurter "Sportmuseum" mit mangelhafter DDR-Aufarbeitung

Unter der Überschrift "Sportmuseum spart Doping aus" berichtete die MOZ am 14.03.2012 über diese seltsame Frankfurter Einrichtung. Dieses sogenannte "Sportmuseum", dass eigentlich kein Museum sein will oder sein soll oder sei, steht im Focus einer anhaltenden Diskussion. Mangelhafte Aufarbeitung bedeutet, dass nur wenig Aufarbeitung passiert. In diesem Frankfurter "Museum" wird nicht mangelhaft aufgearbeitet: es wird überhaupt nichts aufgearbeitet! MOZ-Artikel vom 14.03.12: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1013167

Florist 28.04.2012 - 10:18:34

Für eine saubere Flora

Jetzt mal ehrlich. "Blühende Landschaften" gibt es doch nur heute. Ist doch richtig, dass das mal einer feststellt, und der genau bestimmen kann, was Unkraut und was richtig ist. Daran sollten sich dann auch alle halten. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Isenhagen 28.04.2012 - 05:29:55

DDR-Aufarbeitung

was soll das eigentlich? Das wurde schon zur DDR-Zeit ausreichend gemacht. Deswegen ist sie ja weg. Was man vor allem nicht braucht ist einen Berufsgeschichtserklärer ala Wolde. Jeder kann davon ausgehen, dass die KInder von den Eltern hören wer oder was die DDR war. Und das reicht nicht nur, das ist besser als tendenzielle Auslassungen einiger angeblicher Berufshistoriker die es zu allen Zeiten zu allen Themen und zu allen politischen Richtungen gibt.

der gute nachbar 27.04.2012 - 23:40:06

Jugend voran..

Tja woran dass wohl liegt?

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