Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Der Schwarze Müller von Schwarzkollm

Dirk Bunsen / 04.05.2012, 14:00 Uhr - Aktualisiert 04.05.2012, 16:26
Schwarzkollm (MOZ) Als der Waisenjunge Krabat mit seinen Abenteuern 2008 in die Kinos kam, erlebte der seit 2005 entstehende Krabat-Erlebnishof im Hoyerswerdaer Ortsteil Schwarzkollm nahe der brandenburgischen Landesgrenze einen gewaltigen Aufschwung. Eine ganze Region lebt von der bekanntesten sorbischen Sage um Krabat und den "Schwarzen Müller".

Diesen verkörpert seit nunmehr zwölf Jahren Dieter Klimek aus Schwarzkollm, der fast nur noch unter diesem Namen bekannt ist.Wenn Dieter Klimek aus der Tür seines Hauses tritt, steht er mittendrin in der berühmten Krabat-Sage. Er wohnt nicht nur im Krabatweg des Hoyerswerdaer Ortsteils Schwarzkollm, sondern hat auch noch den nur wenige Gehminuten entfernten Krabat-Erlebnishof mit der neu entstandenen "Schwarzen Mühle" im Blick. Schaut er etwas mehr nach rechts, sieht er den nur wenige Meter entfernten Platz, an dem einst die originale "Schwarze Mühle" stand und als Vorlage für die berühmte Krabat-Sage diente.

Doch Dieter Klimek hat nicht nur die Krabat-Sage um sich herum, sondern ist selbst ein Teil von ihr. Etwa 200 Tage im Jahr schlüpft er in die Rolle und das Outfits des "Schwarzen Müllers" und wurde sogar zum Botschafter der Oberlausitz. Als er 1994 in Schwarzkollm ein Häuschen kaufte, war von der Krabat-Euphorie noch wenig zu spüren. Wo heute der Krabat-Erlebnishof steht, war lediglich eine große grüne Wiese zu sehen. Zu DDR-Zeiten spielte die Krabat-Sage, obwohl in der Lausitz beheimatet, kaum eine Rolle.

Dabei hatte der bekannteste sorbische Schriftsteller Jurij Brêzan den Krabat-Stoff erstmals 1955 aus dem Sorbischen ins Deutsche übersetzt und 1968 "Die schwarze Mühle" geschrieben. Auf dieser Vorlage war 1975 sogar ein gleichnamiger DDR-Fernsehfilm entstanden, und es folgte ein zweites Buch Brêzans mit "Krabat oder Die Verwandlung der Welt" (1975). Doch über die DDR-Grenzen hinaus wurde die Krabat-Sage erst durch Otfried Preußler bekannt, der 1971 das Kinderbuch "Krabat" schrieb, das mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt wurde. "Ich hatte von der Krabat-Sage zum ersten Mal 1965 als 15-Jähriger etwas gehört", erzählt der in Hoyerswerda geborene Dieter Klimek. Doch über die Schullektüre ging es nie hinaus. Erst als er Mitte der 90er Jahre nach Schwarzkollm zog, wurde er wieder mit der bekanntesten sorbischen Sage konfrontiert. Eigentlich wollte er dort lediglich im Chor mitsingen. "Aber im Dorf beschäftigten sich gerade viele mit Krabat, unter anderem mit einem Tanz- und Singspiel zur Krabat-Sage.

Der "Schwarze Müller" wollte seine Rolle allerdings abgeben, und die Wahl fiel auf mich", erinnert er sich. Zweimal im Jahr trat er nun mit seinem Bass als "Schwarzer Müller" auf und wuchs immer mehr in seine Rolle hinein. Die Krabat-Sage wurde vor allem durch Besucher aus den alten Bundesländern wieder nach Schwarzkollm getragen. Sie waren es, die nach dem Mauerfall in jenen Ort kamen, der ihre Kindheit und Jugend über das Preußler-Buch mitprägte. Doch die alte Krabat-Mühle fanden sie nicht mehr. Sie war 1868 abgebrannt, anschließend erneut errichtet, 1972 als Wohnhaus umgebaut und nach der Wende in Privatbesitz gelangt. Doch Schwarzkollm ohne Krabat-Mühle - undenkbar. Und so wurde die Idee geboren, die alte Mühle wieder aufzubauen. Einen ersten Schwung bekam die Idee durch die ins Leben gerufenen Krabat-Feste, die seit 2002 jedes Jahr in einem anderen Dorf der Krabat-Region stattfinden.

Hier traf der "Schwarze Müller" als Repräsentant von Schwarzkollm auf sein Pendant, den Krabat vom Nachbarort Nebelschütz, "einem verrückten Krabat-Narr aus dem Sauerland". Von nun traten beide öfter gemeinsam auf. Als bekannt wurde, dass der Krabat-Stoff verfilmt wird, kam noch mehr Bewegung in das Vorhaben "Krabat-Mühle". Auch die spätere Nachricht, dass der Kinofilm doch nicht am Originalschauplatz in Schwarzkollm, sondern weitgehend in Rumänien gedreht werden soll, ließ die Enthusiasten nicht entmutigen. Sie gründeten 2005 den Förderverein "Krabatmühle Schwarzkollm" und wollten nun endlich die Vision Wirklichkeit werden lassen. Ein Jahr später gab es den ersten Spatenstich, allerdings nicht für die Mühle, für die es noch keine Förderung gab, sondern für ein Gesindehaus, das die freireisenden Wandergesellen Deutschlands sowie freiwillige Helfer in Sichtweite der originalen "Schwarzen Mühle" erbauten.

Ein Laubengang mit dem Turm des Müllers folgte. Jetzt war klar: Es soll ein Krabat-Erlebnishof entstehen. Das Projekt erhielt durch die Filmpremiere am 8. Oktober 2008 in Hoyerswerda mit den Schauspielern Daniel Brühl, Paula Kalenberg, David Kross oder Robert Stadlober weitere Dynamik. "Seit diesem Tag war im Koselbruch um Schwarzkollm nichts mehr so wie vorher", sagte der "Schwarze Müller". Die Bautätigkeit nahm zu, die "Schwarze Mühle" entstand, immer mehr Veranstaltungen fanden statt, die Besucherzahlen verdoppelten sich in kurzer Zeit. Sogar originale Filmkulissen, darunter Wandteile der Mühle, Krabats Spaten, der Zauberstab und die Mühlentreppe konnte der Verein nach Schwarzkollm holen.

Die gesamte Krabat-Region erlebte einen Aufschwung. Im Juli finden die ersten Krabat-Festspiele statt. Sie sollen zur Tradition werden. Und Dieter Klimek ist stets mittendrin. Er führt Kinder- und Erwachsenengruppen durch die Mühle und in den Turm des "Schwarzen Müllers", erzählt Geschichten um den Waisenjungen Krabat aus dem Film, und von der historischen Figur, die eigentlich Johannes Schadowitz (1624-1704) hieß, aus Kroatien stammte und deshalb von den Sorben "Kroat" (sorb. Chorwat) und später Krabat genannt wurde.

Er hatte wegen seiner Verdienste im Großen Türkenkrieg ein Gut erhalten. Sein Wissen, unter anderem über das Fruchtbarmachen des Bodens, ließen ihn zum "Zauberer" und zur Legende werden. Davon zehrt die Krabat-Region 300 Jahre später erneut.(Krabat-Mühle, Koselbruchweg 22, 02977 Hoyerswerda /Ortsteil Schwarzkollm, Tel.: 035722/91257,Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa/So/Feiertag 14-18 Uhr; nächste Veranstaltungen: 17. Mai ab 10 Uhr: Tag der offenen Tür; 28. Mai ab 11 Uhr: Deutscher Mühlentag)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG