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Hauptstadtflughafen soll im März 2013 öffnen - Chefplaner muss gehen

17.05.2012, 12:41 Uhr - Aktualisiert 17.05.2012, 16:42
Schönefeld (MOZ) Der neue Berliner Großflughafen „Willy Brandt“ öffnet neun Monate später als geplant. Wie der Aufsichtsrat am Donnerstag bekannt gab, ist der nunmehr dritte BER-Starttermin auf den 17. März 2013 festgelegt worden. Als Konsequenz aus der wegen Problemen im Brandschutz abgesagten Eröffnung am 3. Juni muss Technikgeschäftsführer Manfred Körtgen seinen Platz räumen. Zudem wird der Vertrag mit dem Generalplanungsunternehmen vorzeitig beendet.

Entscheidend für die nunmehr sehr langfristig verschobene Eröffnung war laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit (SPD) die Ankündigung des Bauordnungsamtes im Landkreis Dahme-Spreewald, künftig keine Kompromisse mehr einzugehen. Eine zunächst angedachte Teilautomatisierung der Brandschutzanlage werde nicht geduldet, hieß es von dort. „Damit war die ursprüngliche Tendenz, noch in diesem August eröffnen zu können, nicht mehr realistisch“, sagte Wowereit am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung, die vom Mittwochabend bis in den frühen Donnerstagmorgen gedauert hatte. Vollautomatisch werde die Anlage erst im Dezember dieses Jahres funktionstüchtig sein, so dass man sich mit den Airlines auf einen Termin vor den Osterferien 2013 geeinigt habe.

Personell hat das Desaster zunächst nur für den Chefplaner Manfred Körtgen sowie die Planungsgesellschaft pg bbi Folgen. Körtgen trage Verantwortung für das Projekt und habe Probleme nicht rechtzeitig erkannt, so Wowereit. Noch am 20. April sei dem Aufsichtsrat glaubhaft versichert worden, dass die Eröffnung am 3. Juni nicht gefährdet sei. Die finanziellen Folgen der Verschiebung sind noch nicht zu beziffern, ursprünglich war von 15 Millionen Euro pro Monat die Rede.

Flughafenchef Rainer Schwarz sagte, Schadenersatzforderungen seien bislang noch nicht eingegangen. Mit den Mietern habe man zudem Verträge geschlossen, denen zufolge erst 18 Monate nach einem geplatzten Eröffnungstermin Regressansprüche möglich seien. Hartmut Mehdorn, Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, hat die Entscheidung des Aufsichtsrats zum BER-Starttermin als „völlig unakzeptabel“ bezeichnet. Schon am Dienstag hatte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Schadenersatz wegen der verschobenen Eröffnung verlangt.

 

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Radfahrer 18.05.2012 - 12:12:31

Schadenersatz

Da sitzen zwei Sozialdemokraten an der Spitze des Aufsichtsrates einer Flughafengesellschaft, die Verträge aushandelt, die Schadenersatzansprüche gegen sie erst ab 18 Monate nach einer geplatzten Eröffnung gewährt. Das sagt doch alles über ihre soziale Kompetenz und ihr Interesse am Menschen (Wähler) aus.

Traunstein 17.05.2012 - 22:47:33

Bauernopfer

Ich kann mir sehr gut vorstellen wie der Chefplaner unter Druck gesetzt wurde den Termin unbedingt halten zu sollen. Ganz sicher hatte er die Probleme erkannt, wenn man genau hinschaut sieht das jeder. Warum also sollte er die Sache verschweigen, er hat kein persönliches Interesse. Ich sehe eher Imageschäden bei Platzeck und Wowereit die sicherlich gedrängt hatten. So muss er nun als Bauernopfer herhalten.

Peter W. 17.05.2012 - 20:45:04

Er war ein guter Mensch

Den Chefplaner habe ich gekannt, er war ein guter Mensch. Sehr herzklich, der letzte Kommentar. Ich wünsche ihm ebenso die best erdenklichste finanzielle Absicherung, der er bekommen kann. Am besten, er nimmt sich einen Anwalt.

Elisabeth Jüngling 17.05.2012 - 17:57:07

Chefplaner muss gehen

Ich hoffe, er bekommt eine angemessene Abfindung, wird in ein sozial verträgiiches Übergangsprojekt mit 75% seiner alten Jahresbezüge eingegliedert und bekommt danach noch hinreichende Folgebezüge. Schließlich war dies ein verantwortungsvoller Job. So viel Gerechtigkeit muss doch wohl sein.

Ellen Beimer 17.05.2012 - 17:18:21

BER

Ein Wort, das alles beschreibt: Schande!

XXX 17.05.2012 - 14:53:43

Managementfehler

Eine ( erneute ) Verzögerung von über neun Monaten allein wegen Softwareproblemen beim Brandschutz ? Es ist schwer zu glauben, dass dies der einzige Grund sein soll . Besucher des jüngsten Tages der offenen Tür haben vor Ort einen ganz anderen Eindruck erlangt . Und die aktuellen Fotos vermitteln auch nicht den Eindruck, dass es in drei Wochen losgehen könnte . Jetzt noch das Wort "Erfolg" mit dem Projekt in Verbindung zu bringen ist der blanke Hohn . Wie viele Menschen haben ihre berufliche Hoffnung in den BBI gesetzt und gehen nun in den Ruin ? Die Ursachen sollte man bei den Schönrednern und Ignoranten suchen, nicht bei den ausführenden Arbeitern vor Ort .

Skeptiker 17.05.2012 - 14:48:38

Lebensgefahr?

Also ich würde nach der Eröffnung erstmal ein halbes Jahr abwarten, bevor man da mal selbst mit nem Flieger abhebt. Wer weiß welche Überraschungen noch beim Betrieb kommen.

Mathias Fröse 17.05.2012 - 13:22:39

Ohne Schwarzarbeit sicherlich erfolgreicher

Wenn man den Medienberichten der vergangenen Wochen Glauben schenken darf, hatte man sich bei der Ausführung der Arbeiten vor Ort auch bei diesem Prestigeobjekt ausgiebig der Schwarzarbeit bedient. Nicht nur, dass man sich jenseits der Legalität bewegt, sind solche Arbeiter oftmals ungeschult und können solche sicherheitsrelevanten Tätigkeiten weder qualitativ hochwertig, noch innerhalb des Zeitrahmens umsetzen. Ich bin der Überzeugung, dass man finanziell deutlich besser gefahren wäre, wenn man von vornherein auf Fachfirmen gesetzt hätte. Ich verstehe nicht, dass solche Fehler immer wieder gemacht werden. Da es sich um ein öffentliches Projekt handelt, wird der finanzielle Schaden sicherlich von den Ländern getragen werden müssen, was letzten Endes wohl die Steuerzahler ausbaden dürfen. Nehmt einfach mal 20 Prozent der Schadenssumme vom Privatvermögen der Aufsichtsratsmitglieder. Die haben schließlich die Verantwortung für das Projekt.

nonsius 17.05.2012 - 13:00:49

Wissen die überhaupt noch, was sie sagen?

. "Wir werden alles tun, um den Flughafen zum Erfolg zu führen", versicherte Wowereit." ! Wie kann man aus einer Pleite über Jahre einen Erfolg machen? ! Ich denke, da wären so manche Geschäftsleute dankbar für einen Tipp.

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