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Ex-Rektor der Viadrina erhält Verdienstorden des Landes Brandenburg

Dietrich Schröder / 12.06.2012, 19:28 Uhr
Potsdam (MOZ) Den fast 400-seitigen Bericht über den derzeitigen Zustand der Brandenburger Hochschulen hat er natürlich bereits gelesen, obwohl das Werk erst seit wenigen Tagen im Internet zu finden ist. Und mit seiner früheren Universität, der Frankfurter Viadrina, an der er von 1993 bis 1999 Rektor war, wird er an diesem Freitag ganz besonders mitfiebern: Denn übermorgen fällt die Entscheidung, ob die Europa-Uni zu jenen Exzellenz-Hochschulen zählt, die vom Bund für ihre Forschungen ganz besonders gefördert wird.

Hans N. Weiler kann nun einmal nicht loslassen - weder mit dem Herzen noch mit dem Verstand - von den Dingen, die ihn einmal beschäftigt haben. Dieses Brennen für die Sache hat der Deutsche ganz besonders in seiner zweiten Heimat - den "Vereinigten Staaten von Amerika" - gelernt. Dorthin war er 1965 als damals 31-jähriger Politik- und Bildungswissenschaftler ausgewandert.

Von der berühmten Stanford University in Kalifornien aus, die zu seiner Stamm-Universität wurde, ist er weit herumgekommen in der Welt, zum Beispiel als bildungspolitischer Berater der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank und der Regierungen von Tansania, Ägypten, Malaysia sowie Indonesien. Und wer weiß, ob es ihn noch einmal zurück nach Deutschland gezogen hätte, wenn es nicht 1990 zur Vereinigung und ein Jahr später zu den Neugründungen von Universitäten im Land Brandenburg gekommen wäre.

Dazu, dass eines der spannendsten dieser Experimente gelang - die Gründung einer "Europa-Universität" in einer Umgebung, die sich zuvor auf geisteswissenschaftlichem Gebiet nicht gerade hervorgetan hatte -, trug er Entscheidendes bei. Als Mitglied im Gründungssenat, der ihn nach zwei Jahren zum ersten Rektor der Viadrina wählte. In diesem Amt, aber auch später, hat er sich immer wieder als öffentlicher Mahner betätigt, wenn Brandenburg seine jungen Hochschulpflänzchen nicht mit ausreichend finanzieller Förderung bedachte. Die Tatsache, dass er heute trotzdem den Verdienstorden des Landes erhalten soll, betrachtet er als einen "beruhigenden Beweis dafür, dass man auch zu Ehren kommen kann, wenn man die kritischen Dinge beim Namen nennt".

Anlässlich der Feierstunde will er dem Ministerpräsidenten noch einmal sagen, dass "das Land immer noch nicht eingelöst hat, was es eigentlich mit seiner kreativen Hochschulpolitik angelegt hat". Ansonsten räumt der mittlerweile 77-Jährige schon mal ein, "dass ich mich für meine drei kleinen Enkelkinder inzwischen doch etwas mehr interessiere als für die deutsche Hochschullandschaft". Genau wie Weiler mit seiner Ehefrau Frauke, leben auch ihre beiden Söhne Stefan und Oliver mit ihren Angehörigen in den USA. "Der Große (Stefan) ist Wirtschaftsprofessor an der Colorado State University, der Jüngere (Oliver) ist Computeringenieur", berichtet der Vater stolz.

Die Stadt Frankfurt (Oder) hatte den Deutschen mit US-amerikanischem Pass übrigens bereits während seiner Amtszeit zum Ehrenbürger gemacht. Und auch ein Stipendium, das die städtische Wohnbau eG für herausragende Studenten-Leistungen vergibt, ist nach ihm benannt. Der hoch geachtete Wissenschaftler hat im Gegenzug jeweils einen Teil seines Erbes der Viadrina und der Stanford-University zugesagt.

Der Verdienstorden ist die höchste Auszeichnung des Landes Brandenburg. Er wird seit 2005 jährlich um den 14. Juni herum verliehen, dem Tag, an dem 1992 per Volksentscheid die Landesverfassung angenommen wurde. Der Orden hat die Form eines Malteserkreuzes mit einem Medaillon in der Mitte. Wegen des darauf abgebildeten Wappentiers und in Anlehnung an eine frühere preußische Auszeichnung wird er auch als "Roter-Adler-Orden" bezeichnet. Die Auszeichnung, die für "außerordentliche Verdienste um das Land und seine Bevölkerung" vergeben wird, haben bisher 108 Personen erhalten. Der Orden ist nicht mit einer finanziellen Zuwendung verbunden. (ds)

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