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Erinnerung an Mordaktion der Nazis in Oranienburg

01.07.2012, 17:22 Uhr
Oranienburg (dapd) An eine nationalsozialistische Mordaktion an homosexuellen KZ-Häftlingen vor 70 Jahren ist am Sonntag in Oranienburg erinnert worden. Initiiert wurde das Gedenken unter freiem Himmel am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Klinkerwerk von der Gedenkstätte Sachsenhausen und dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD). Gekommen waren unter anderen die Berliner Senatorin Dilek Kolat (SPD) und der brandenburgische Staatssekretär Martin Gorholt. Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, erinnerte daran, dass im Sommer 1942 bei dieser brutalen Mordaktion der SS im Außenlager Klinkerwerk 100 bis 200 sogenannte Rosa-Winkel-Häftlinge ums Leben gekommen seien. Im Klinkerwerk an einem Hafenbecken mussten die Häftlinge Steine für den geplanten Umbau Berlins zur "Reichshauptstadt Germania" produzieren. Das Außenlager war Morsch zufolge seit Beginn der Bauarbeiten 1938 wegen seiner abgelegenen Lage immer schon ein Ort des Mordens gewesen, die Häftlinge hätten es deshalb Todeslager genannt. Zwtl.: Homosexuelle ertränkt Im Wasser des Hafenbeckens habe die SS Häftlinge wie den Dresdner Fleischer Herbert Busch und den Berliner Arbeiter Arthur Wilberg im Juli 1942 ertränkt, berichtete Morsch. Zudem seien am sogenannten Rollberg zahlreichen Häftlingen Glieder durch "absichtlich herabsausende Loren" abgefahren worden, woraufhin sie schmerzvoll verblutet seien. Allein in den ersten 18 Tagen der Mordaktion sind Morsch zufolge von den Posten des SS-Wachbataillons mehr als 40 Häftlinge "auf der Flucht erschossen" worden, wie es beschönigend hieß. Im Juni 1942 waren fast alle sogenannten Rosa-Winkel-Häftlinge aus dem Hauptlager des KZ Sachsenhausen ins nahe gelegene Außenlager Klinkerwerk verlegt worden. In einer Lesung unter dem Titel "Es war die Hölle" wurden bei dem Gedenken Erinnerungen von Zeitzeugen verlesen. In deren Mittelpunkt stand ein Text von Leo Clasen, der seit 1941 als Homosexueller im KZ Sachsenhausen inhaftiert und Ende Juni 1942 in das Außenlager Klinkerwerk verlegt worden war. Er gehörte zu den wenigen Überlebenden der Mordaktion. Nach der Befreiung hatte er den Angaben der Gedenkstätte zufolge bereits in den 1950er Jahren öffentlich über seine Erlebnisse berichtet. dapd/clp/kos

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