Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Potsdam: Zuzug treibt die Mietpreise nach oben

 Nach Schätzungen des Verbandes Berliner-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) werden in Potsdam in den kommenden acht Jahren etwa 10 000 neue Wohnungen benötigt, davon rund 7500 als Mietwohnungen.
Nach Schätzungen des Verbandes Berliner-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) werden in Potsdam in den kommenden acht Jahren etwa 10 000 neue Wohnungen benötigt, davon rund 7500 als Mietwohnungen. © Foto: dpa
11.09.2012, 09:34 Uhr
Potsdam (DPA) Seit Jahren zieht es Menschen in die Landeshauptstadt Potsdam vor den Toren der Metropole Berlin - allen voran Reiche und Schöne. Für das Image der Kommune ist das ein Gewinn, doch die Folgen für die kleineren Geldbeutel in der Stadt werden immer deutlicher.

Potsdam glänzt: Mit einer Arbeitslosenquote von jüngst 7,7 Prozent ist Brandenburgs Landeshauptstadt Primus im Ost-Vergleich. Wie bundesweit kaum eine andere Stadt zieht die Preußenresidenz neue Einwohner an - allein im vergangenen Jahr verzeichneten die Statistiker 10 115 Neu-Potsdamer. Die Liste Reicher und Prominenter an der Havel ist lang, zu den bekanntesten zählen Software-Milliardär Hasso Plattner, TV-Moderator Günther Jauch, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner oder Modedesigner Wolfgang Joop. Die Schattenseite: Wohnraum wird knapp in der Stadt, die Preise steigen und steigen - und die soziale Kluft wird größer.

"Inzwischen sind die Mieten einen Tick höher als in Berlin", sagt David Eberhart vom Verband Berliner-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Nach dem aktuellen Mietspiegel für die rund 157 000 Einwohner zählende Stadt liegt die Durchschnittsmiete bei 5,74 Euro nett kalt pro Quadratmeter - gegenüber 2010 ein Anstieg von 7,7 Prozent. Insbesondere Single-Wohnungen werden immer teurer, in diesem Segment sind die Mieten um 23,2 Prozent angezogen.

Der Leerstand liegt nach Angaben der Stadtverwaltung inzwischen unter einem Prozent. Nach Schätzungen des Verbandes werden in Potsdam in den kommenden acht Jahren etwa 10 000 neue Wohnungen benötigt, davon rund 7500 Mietwohnungen. Potsdams Stadtentwicklungskonzept geht bislang von etwa 1000 Wohnungen aus, die bis 2025 jährlich neu geschaffen werden müssen. Derzeit gibt es knapp 85 000 Wohnungen, über 40 Prozent davon gehören Genossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen.

Vor allem sozial Schwache bekommen die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt zu spüren: "Es gibt einen Trend zur zunehmenden Obdachlosigkeit", berichtet die örtliche Geschäftsführerin der Arbiterwohlfahrt, Angela Basekow. Das Potsdamer Obdachlosenheim mit 125 Plätzen ist voll, auch das Familienhaus ist ausgebucht und beherbergt je 25 Erwachsene und Kinder. Wer mit der Miete im Rückstand ist, wird laut Basekow konsequenter und schneller als früher vor die Tür gesetzt. "Es muss wieder sozialen Wohnungsbau geben", sagt sie und fordert eine Wiederbelebung von Förderprogrammen.

Laut einer Studie der Initiative "Impulse für den Wohnungsbau" vom vergangenen Februar ist die Wohnungsnot in Deutschland zurückgekehrt. Die Autoren empfehlen unter anderem Hilfsprogramme für Regionen mit akutem Wohnungsmangel. "Entweder wir machen mehr Obdachlosenheime auf - oder wir fördern den sozialen Wohnungsbau", meint Basekow lakonisch.

Lediglich 605 Sozialwohnungen gibt es derzeit nach Angaben der Stadtverwaltung in Potsdam. Mit etwa 30 Millionen Euro bezuschusst die Stadt Einwohner, die ihre Miete nicht aus eigener Kraft aufbringen können. "Das sind sechs Prozent des gesamten Haushaltes", konstatiert Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).

Damit Mieten bezahlbar bleiben, will der SPD-Politiker zumindest bei den städtischen Wohnungen Grenzen setzen. Rückendeckung gab es im August vom städtischen Parlament: Als Gesellschafter der Pro Potsdam soll Jakobs dafür sorgen, dass ab Oktober 2012 beispielsweise bei Weitervermietung der Preis maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Auch die Kosten für eine Modernisierung sollen nur begrenzt auf die Miete umgelegt werden dürfen.

Jakobs greift damit einen Vorschlag der SPD-Bundestagsfraktion zu den umstrittenen Mietrechts-Novellierungsplänen auf, der im Bund keine Chance hat. "So lange sich auf Bundesebene nichts tut, ist es ein sinnvolle Notlösung, sich mit landeseigenen oder städtischen Unternehmen auf eine Beschränkung der Mieterhöhung zu einigen", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Seine Organisation setzt sich dafür ein, dass Mietpreise bei Neuvermietung gedeckelt werden.

"Potsdam hat die typischen Probleme einer Universitätsstadt: Wo Wohnungen fehlen, gehen die Mieten hoch. Verschärft wird die Situation jedoch durch die Nähe zu Berlin", meint Ropertz. Attraktive Landeshauptstadt plus S-Bahn-Verbindung in die Metropole Berlin: "Das Resultat ist eine Promi-Dichte."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
XXX 12.09.2012 - 06:50:22

Zentralismus

Der Abriss von Wohnraum ist nicht Ursache des Wegzugs, sondern Folge. Wenn die Leute keine Arbeit finden müssen sie eben wegziehen = "Mobilität". Die Landesregierung tut indes selbst viel dafür, indem sie die Peripherie ausdünnt und möglichst alles in der Hauptstadt zentralisiert. Die Hauptstadt wird massiv protegiert und der Rest muss nehmen was übrig bleibt. Den Ossis dürfte dies doch mächtig bekannt vorkommen.

S.R. 11.09.2012 - 16:09:13

In EH....

...gehts auch nicht um Realitäten, sondern darum, dass bewußt günstiger Wohnraum vernichtet und damit ein Nachfrageüberhang geschaffen wurde. Man muss sich ja nur mal vor Augen führen, welche Straßen in Eisenhüttenstadt als Zentrums-Lage gelten. Lächerlich. Kurzum: Mietpreise in Eisenhüttenstadt haben sich nicht durch irgendwelche infrastrukturellen Umstände entwickelt, sondern wurden künstlich geschaffen. Aus ganz wenig ganz viel rausholen. Top...Daumen hoch. So hält man die Bürger in der Stadt.

Einwohner 11.09.2012 - 14:45:00

Zuzug treibt die Mietpreise nach oben

Dann schaut mal auf Eisenhüttenstadt! Immer weniger Einwohner, die immer älter werden, kein vernünftiges Angebot für junge Mitbewohner, immer weniger werdende kulturelle Angebote...und? Die Mieten steigen! Schon die Grundmieten sind für eine solche sterbende Stadt immens hoch. Ganz zu schweigen, dass es keinerlei Konzepte für Änderungen gibt. Im Gegenteil: der neue Mietspiegel bescheinigt dieser Stadt "moderne/ weitgehens modernisierte" Wohnmöglichkeiten, im atraktiven Wohnumfeld! Wie blind muß mann denn sein??? Sanieren heißt vorallem Abriss, staatlich finanziert, damit die Mieten weiter auf sehr hohem Niveau bleiben können oder noch steigen werden! Prima.

Isenhagen 11.09.2012 - 10:02:47

wer kein Geld hat muss eben gehen,

Mobilitätsanforderungen gelten nicht nur bei der Suche nach dem Arbeitsplatz. Dort fragt doch auch keiner. Und Potsdam wird den Geldleuten überlassen und am besten allen anderen mehr gefragten Flecken auch gleich. Marktwirtschaft ist doch so gerecht, viel gerechter als die frühere Verteilung der schönen Standorte über die Parteisekretäre.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG