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Container für Flüchtlinge

Gravierende Probleme: Die Erstaufnahmerichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) wirkt nur von außen gepflegt.
Gravierende Probleme: Die Erstaufnahmerichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) wirkt nur von außen gepflegt. © Foto: MOZ
Harriet Stürmer / 10.10.2012, 20:03 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Der anhaltende Flüchtlingszustrom bringt das Land an seine Kapazitätsgrenze. Kaum ein Asylbewerberheim in Brandenburg hat noch freie Plätze. Besonders prekär ist die Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt. Dort wohnen die Flüchtlinge nun in Containern.

Die Fassade hat einen frischen Anstrich. So macht das Männer-Wohnheim einen recht ordentlichen Eindruck - allerdings nur von außen. Innen offenbart sich ein anderes Bild. In den Schlafräumen platzt die alte Farbe von den dreckigen Wänden, klaffen große Löcher im Linoleum am Boden. Die einfachen Betten, Schränke, Tische und Stühle stammen noch aus DDR-Zeit, als die Kaserne Volkspolizisten beherbergte. Genauso alt sind die Heizungen und Fenster. Aus den Toiletten strömt ein unangenehmer Geruch über die Gänge.

Stephan Bock, der Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), versucht gar nicht erst, die Situation schönzureden. "Hier muss etwas passieren", lautet sein Fazit - auch mit Blick auf das Familienhaus, das nicht weniger heruntergekommen ist.

Einfach, aber zumindest neu und sauber ist die Ausstattung in den Wohn-Containern, die ein Kran dieser Tage auf dem Fußballplatz abstellt. Bis zu 50 Menschen sollen dort untergebracht werden können. Eine Notlösung. Denn die EAE ist mit ihren aktuell knapp 500 Bewohnern rappelvoll.

Jahrelang war die Zahl der Asylbewerber zurückgegangen. Seit 2009 aber kommen wieder mehr Flüchtlinge nach Brandenburg. Für ihr Erstaufnahmeverfahren werden sie zunächst in Eisenhüttenstadt untergebracht. Von dort aus sollen sie innerhalb von drei Monaten auf die für ihre Unterbringung zuständigen kreisfreien Städte und Landkreise verteilt werden. Doch inzwischen kann die Zeitvorgabe kaum mehr eingehalten werden, weil auch die Asylheime in den Kommunen voll sind.

In den vergangenen Jahren haben die Städte und Kreise ihre Kapazitäten wegen des Flüchtlingsrückgangs reduziert und noch nicht wieder hochgefahren. "Ich weiß nicht, wann die Kreise wieder Platz schaffen", sagt Bock resigniert. Er sorgt sich um die Probleme, die die Überlastung seiner Einrichtung mit sich bringt. Es kommt regelmäßig zu Gewalt zwischen den Bewohnern. "Die Menschen hier kommen aus ganz unterschiedlichen Kulturen, müssen über Monate hinweg auf engstem Raum zusammenleben", erklärt der EAE-Leiter. Gleichzeitig nehmen die Schäden durch Vandalismus zu. Ganze Waschbecken werden aus den Wänden gerissen. Der Wachschutz ist nun verstärkt worden.

"Viele Konflikte entstehen dadurch, dass die Nerven blank liegen", bestätigt Ingo Decker, Sprecher des Innenministeriums, dem die EAE untersteht. "Die Asylbewerber hängen total in der Luft, hoffen, dass sie bald verteilt werden - auch, um ihre Kinder in die Schule schicken zu können."

Während der Erstaufnahme ruht die Schulpflicht. Sozialminister Günter Baaske (SPD), für die Unterbringung der Flüchtlinge in den Kommunen zuständig, hat Landräte und Oberbürgermeister bereits vor einigen Monaten gebeten, mehr Unterkünfte bereitzustellen. Nun hat auch Innenstaatssekretär Rudolf Zeeb das Problem angesprochen. "Ich fordere die Landkreise auf, ihrer Verpflichtung nachzukommen", sagte er in der Kabinettssitzung am Dienstag. Wegen weltweit zahlreicher Krisenherde sei nicht mit niedrigeren Flüchtlingszahlen zu rechnen.

Indes gibt es für EAE-Leiter Stephan Bock wenigstens eine erfreuliche Nachricht. Seit Dienstag steht fest, dass seine Anlage in den nächsten Jahren saniert wird.

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Klinkenputzer 11.10.2012 - 10:45:15

wie dat denn

geliebte Heimat ???

Onkel Dagobert 11.10.2012 - 10:07:42

Na nu na nu...

Keine Ahnung warum die alte Kaserne "rappelvoll" sein soll. Ich habe selbst in dieser Kaserne meinen Wehrdienst 1977-78 ableisten müssen und wir waren 500 Soldaten, je 100 in jeder Kompanie. Dann gab es noch die gesamte dritte Etage im Haus eins, die nur vom Stab belegt war. Ergo noch einmal Platz für 100 Mann. Der gesamt Sozialtrakt über der Küche ist auch noch frei. Keine Peilung was an der Situation so schlimm sein soll. Wer Angst um Leib und Leben hat. Ist sicher froh ein Dach über den Kopf zu haben und regelmäßiges Essen zu bekommen! Er will ja sicher auch schnell wieder in seine geliebte Heimat zurück!

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