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Polnische Staatsanwaltschaft fordert genaue Angaben über Todesursachen und viele andere Details

Leichenrückgabe wird zum Problem

Die Überführung der zwölf Leichname aus Polen verzögert sich
Die Überführung der zwölf Leichname aus Polen verzögert sich © Foto: Polizei Poznan/-
Dietrich Schröder / 29.10.2012, 19:54 Uhr - Aktualisiert 29.10.2012, 22:47
Frankfurt(Oder) (MOZ/dpa) Die Rückführung der zwölf Leichen aus Deutschland, die von Autodieben nach Polen verschleppt und dort am vergangenen Dienstag gefunden wurden, verzögert sich weiter. Die Staatsanwaltschaft in Posen fordert zuvor umfangreiche Angaben zu dem Fall.

Am Montag sei ein Rechtshilfeersuchen von den polnischen Behörden bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) eingegangen, von dessen Details man - wie es dort hieß - überrascht war. "Die polnischen Kollegen erwarten unter anderem ärztliche Angaben über die Todesursachen aller zwölf Leichen, Vernehmungsprotokolle mit den deutschen Bestattungsunternehmen sowie Auskünfte über deren gewöhnliche Fahrtrouten", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ulrich Scherding.

Die für den Fall zuständige Kriminalpolizei in Strausberg (Märkisch-Oderland) unternehme zwar alles in ihren Kräften Stehende, um die Angaben zu besorgen. Doch könnten diese erst in mehreren Tagen zusammengestellt werden.

 

Nach dem Fund der Toten in der vergangenen Woche hatten die Behörden beider Länder zunächst angekündigt, dass man an einer schnellen Regelung des Falls interessiert sei und die Leichen bereits Anfang dieser Woche überführt werden könnten. Jetzt ist von frühestens Freitag dieser Woche die Rede.

Ein besonderes Problem besteht laut Scherding darin, dass ein Diebstahl von Leichen "bisher jenseits von aller Vorstellungskraft gewesen ist". Deshalb sei es verständlich, wenn die polnischen Behörden jetzt genau prüften, "welche Vorschriften eigentlich gelten".

 

Für den Transport von Leichen über Staatsgrenzen gelten strenge Regeln. Laut der Bestatter-Innung Berlin/Brandenburg kommen die Toten in einen Zinksarg, der verlötet und in einen Holzsarg gelegt wird. Ein Bestatterfahrzeug mit Platz für höchstens vier Särge transportiert dann die Behältnisse. Auch die Botschaften beider Länder müssen eingeschaltet werden.

 

Zumindest zusätzliche Kosten scheinen auf die Angehörigen nicht zuzukommen. Mirko Wiedermann, Geschäftsführer des Bestattungsfahrdienstes, dem der Transporter mit den Särgen vor zwei Wochen in Hoppegarten (Märkisch-Oderland) gestohlen worden war, erklärte, dass die Firma die Kosten übernehmen werde. Ursprünglich sollten die Leichen in ein Krematorium im sächsischen Meißen gebracht werden. Laut Wiedemann ist dies auch weiterhin geplant.

 

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter die Särge versehentlich mitgehen ließen. Nachdem drei verdächtige Polen verhaftet und zwei Fahrzeuge entdeckt worden waren, wurden am 23. Oktober die Leichen gefunden. Seither befinden sie sich in der Gerichtsmedizin Posen.

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Krankenschwester 01.11.2012 - 00:17:43

teure "Weihnachtsgeschenke" oder, eine Ironie des Schicksals ?

Tja, "Lisa", mal angenommen, die gewesenen Menschen wären 3 Tage vor dem 15. Oktober verstorben, sind als Leichen um den 24. Oktober gefunden worden und müssen noch die vielen vorgeschriebenen Formalitätenerledigungen überstehen, dann müsste doch nach ca. 20 Warmwetter-Tagen, mal mit / mal ohne Kühlung, naturgemäß der Leichen-Zersetzungsprozess im vollen Gange sein. ... Igitt, igitt ! Wenn ich da so assoziativ an die Haltbarkeit meiner polnischen Weihnachtsgans denke ... ohne Gefrierschrank ... ungenießbar ! :-( Mein aufrichtiges Beileid den geplagten Angehörigen, denen eine deutsch/polnische Bürokratie nicht erspart bleibt ! Schließlich ist es in Deutschland und neuerdings auch in Polen enorm wichtig, welche Asche mal in welche Urne kommen könnte.

WackelDackel 31.10.2012 - 21:42:08

Nachtrag Logbuch - Kaptain Picard ... Sternzeit 31102012 so circa 15:30 Uhr ...

... das Material wurde vom Bauleiter gefunden (dunkle Ecke in der Tiefgarage), LKW und Fahrer bleiben lt. Spedition weiterhin "verschollen" ... Logbucheintrag Ende

lisa 31.10.2012 - 09:59:20

Spätlese

Laut DPA und Staatskanzlei diente die dreitägige Reise von Platzeck im Juli diesen Jahres in die polnischen Partnerwojewodschaften Lubuskie (Lebuser Land) und Wielkopolska (Großpolen) zugleich der Vorbereitung des nächsten Treffens der Oderpartnerschaft im Spätherbst. Nun denn Herr Platzeck, der Herbst ist schon sehr spät. Nicht das die Särge den Angehörigen erst unter den Weihnachtsbaum gelegt werden.

WackelDackel 31.10.2012 - 09:27:31

... unser beauftragtes Transportunternehmen ...

... vermisst seit Tagen ihren LKW mit unserer Ladung und dem polnischen Fahrer :D ... das ist kein Witz ... und wir können nicht montieren weil die Ladung nie angekommen ist ...

Renate Wurzel 31.10.2012 - 08:34:26

Landespolitiker nach Warschau!

1955 ist Adenauer persönlich nach Moskau gefahren und hat sich für die Entlassung der letzten tausenden deutschen Kriegsgefangenen aus den russischen Lagern eingesetzt. Jetzt erwarte ich von Ministerpräsident Platzek, dass er nach Warschau fährt, dort mit der diplomatischen Faust auf den Tisch haut und von seiner Polen-Reise die 12 Leichen sofort mitbringt ohne behindernde Bürokratie! Wenigstens dass können wir von einem ranghohen Landespolitiker erwarten, der ansonsten in seinen blumigen Sonntagsreden die deutsch-polnische Zusammenarbeit in den allerhöchsten Tönen lobt. Hier kann er beweisen, ob dies Wirklichkeit ist und die unbürokratische Rückführung der gestohlenen Leichen persönlich organisieren!

e.leidner 31.10.2012 - 07:28:21

"Die polnischen Kollegen erwarten unter anderem ärztliche Angaben über die Todesursachen aller zwölf Leichen,"

Und was haben die Todesursachen der 12 gestohlenen Leichen mit dem Fall des Autodiebstahls und der Leichenfledderei zu tun. Wovon will man ablenken? Außer den vermeintlich Untoten stinkt hier in den deutsch-polnischen Beziehungen etwas mächtig gen Himmel. Und wer hier Stunk macht, ist wohl auch klar.

Mario Lehmann 30.10.2012 - 23:38:35

Als lebender bestohlen,

als Toter gestohlen... Fremdschämen scheint ein deutsches Phänomen zu sein. Wäre es anders, würden wahrscheinlich die Behörden des Landes, aus dem die Täter kamen und wo die Leichen nie hin sollten, angesichts dieser Abscheulichkeit eine Klärung herbeiführen, die dem Andenken der Verstorbenen und dem Umgang mit den Angehörigen angemessen ist. Was geschieht tatsächlich: polnische Diebe "besorgen" Autos, polnische Behörden legen nach. So stellt sich die Frage, ob es Vorurteile sind, die das Bild von unserem östlichen Nachbarn prägen, oder sind es doch Urteile?!

Mira N. 30.10.2012 - 17:40:49

An Robert

Der Vergleich "Ossi und Wessi" hinkt hier ganz gewaltig. Bitte zeigen Sie auf, dass durch die Grenzöffnung das Hab und Gut der "Wessis" von den "Ossis" gestohlen wurde. Hier verdrehen Sie mal einfach die Tatsachen. Daher nochmals meine Meinung - Grenzposten auf und Kontrollen. Auch wenn ich meinen Nachbarn noch so nett finde - er kommt auch nicht einfach auf mein Grundstück und nimmt sich meinen Rasenmäher, weil ich gerade mal nicht da bin. Und das passiert im großen Stil nur mein Grundstück ist Deutschland und mein Nachbar wohnt weiter östlich. Ich gebe Ihnen insoweit recht, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf.

Robert 30.10.2012 - 14:14:37

Vorurteile

Ich hoffe die Toten finden bald ihre Ruhe. Ich finde nicht gut wie hier über unsere Nachbarn hergezogen wird. Genau so haben uns die Leute aus den alten Bundesländer, nach der Wende runter gemacht ( ihr Ossis seid zu Faul zum arbeiten -Schmarotzer -zieht die Mauer wieder hoch ) habt Ihr das alles vergessen ? Was haben Leute aus der normalen Bevölkerung, mit irgendwelchen Bestimungen aus der Politik zu tun. Ich lese und fühle jeden Tag wie sich der Haß gegen unser Nachbarland aufschaukelt, sicherlich machen die immer Streß die ihre Mutti beim Friseur abladen - billig Tanken fahren - Zigaretten kaufen - und sich im Puff vergnügen ;-) Diebe und Verbrecher gibt es überall, aber gute Menschen selten. Regt euch lieber über meine Rechtschreibung auf ;-)

jr&& 30.10.2012 - 14:06:14

Passend

Heute in der MOZ Denk-Anstoß „Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.“ (Amerikanische Redensart) Wie wahr!

WackelDackel 30.10.2012 - 12:41:45

... achja, unsere EU Freunde ...

Wie gestern, errinnere ich mich noch an diesen denkwürdigen Tag der D-Mark Einführung. Fast wie durch ein Wunder, verwandelten sich böse Worte wie "Swinia" oder "Faszysta" zu einem Lächeln an der Kasse .... als man jetzt seine Waren in D-Mark zahlte :) ... ... Oh ja, Herr, bringe wieder ein solch Wunder über diese Welt und lasse die sterblichen Überreste dieser 12 Untoten schnell zurückkehren ...

Fran 30.10.2012 - 12:17:53

@Fritz

Man sollte das Denken was vor dem Leichenklau auch schon aktuell war. Nichts hat sich geändert und freundlicherweise bestätigen unsere polnischen Freunde immer wieder die ´´Vorurteile´´.

Fritz 30.10.2012 - 11:41:31

Sargdiebe

Ich finde, die Polen sollten alles daran setzen, dieses Problem so unkompliziert als möglich zum Ende zu bringen ! Das Ganze wirft keine gutes Licht auf unsere Nachbarn. Also bitte, gebt die Leichen sofort zurück und denkt an die Angehörigen! Was soll man den jetzt über unsere Nachbarn denken ?

Strausberger Bürger 30.10.2012 - 11:09:33

@ FRAN

Zumindest bekommen die Verstorbenen nun einen "komfortableren" Rücktransport, was in EU-Deutschland nicht gewährleistet war... Also nicht immer nur auf Polen schimpfen. Wie der Weitertransport nach Meissen dann vonstatten geht, bleibt im Artikel ja leider auch offen... Das aber nur am Rande. Hierzulanden werden ja auch Linienbusse WISSENTLICH viel zu unterdimensioniert auf Fahrt geschickt, so dass Kinderwagen und Schulklassen aussenvor bleiben müssen... (Ich möchte jetzt mal nicht annehmen, dass die Zink- und Holzsärge, derer offensichtlich 4 Stück einen Transporter benötigen, von polnischer Seite in Deutschland "beschafft" wurden! :-) )

Onkel Dagobert 30.10.2012 - 10:39:26

Ich glaube ...

... mein Opa hatte mit seinen Kommentaren zu Polen doch Recht... hmmmm... Scheint sich nichts geändert zu haben

Fran 30.10.2012 - 09:23:48

Das sind unsere EU Freunde

Niemand denkt an die Hinterbliebenden. Das ist die wirklich reale EU Welt. Selbst die Verstorbenen werden jetzt schon geklaut. Der Fall wurde aufgeklärt und trotzdem machen diese polnischen EU Freundschaftsbürger einen auf bürokratisches Problem. Das sollen unsere Freunde sein. Diese Leute sind doch immer noch gefangen in ihrem polnischen Gemeinschaft. Schade für die Polen. Trauer für die Trauernden.

Mira N. 30.10.2012 - 08:57:30

Hier hilft nur noch eins...

Hier hilft nur noch eine Maßnahme: Grenzposten aufbauen, Ausweise raus und kontrollieren wie noch vor ein paar Jahren. Vielleicht hört es dann endlich auf, dass gestohlen wird und die Bürger und Firmen auf hohen Kosten sitzen bleiben. Vielleicht sollte sich das Bestattungsinstitut noch bei den Dieben entschuldigen, dass der Transporter für den Diebstahl nicht leer hingestellt wurde. ..armes Deutschland - wo soll das noch hinführen????

lupo 30.10.2012 - 06:50:05

Die Odysse der Toten nimmt kein Ende

"Die polnischen Kollegen erwarten unter anderem ärztliche Angaben über die Todesursachen aller zwölf Leichen, Vernehmungsprotokolle mit den deutschen Bestattungsunternehmen sowie Auskünfte über deren gewöhnliche Fahrtrouten", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ulrich Scherding." Na gut, Ordnung muß natürlich sein. Aber sicherheitshalber würde ich zusammen mit dem Totenschein die gesamte Anamnese, Röntgen-, Impfpass und Lebenslauf mitschicken. Mal sehen was dann gefordert wird. Tot ist nun mal tot; toter geht nicht.

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