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Warten auf die Särge - Leichendiebstahl wird zum Politikum

Polizisten tragen einen Sarg aus einem Waldstück in Konin bei Poznan (Posen)
Polizisten tragen einen Sarg aus einem Waldstück in Konin bei Poznan (Posen) © Foto: Polizei Poznan
Maria Neuendorff/dpa / 31.10.2012, 20:48 Uhr - Aktualisiert 31.10.2012, 23:05
Frankfurt (Oder) /Posen (MOZ/dpa) Die Angehörigen der zwölf Toten, die bei einem Autodiebstahl im Nachbarland strandeten, müssen sich weiter gedulden. Vermutlich sei mit einer Überführung erst in der nächsten Woche zu rechnen, sagte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder).

Dass die Verzögerungen bei der Rückführung der zwölf gestohlenen Leichen nach Deutschland zum Politikum werden könnten, ist inzwischen auch in Polen angekommen. "Es kann nicht sein, dass so eine gedankenlose Tat der Diebe die guten Beziehungen und die Zusammenarbeit auf polnisch-deutschem Grenzgebiet zerstört", schrieb Józef Kruczkowski, Landrat des Kreises Gorzów, am Dienstag an den Landrat von Märkisch-Oderland Gernot Schmidt. Beide hatten tags zuvor telefoniert, weil auch eine Woche nach dem Fund der zwölf Leichen in Polen weiter ungewiss ist, wann sie wieder nach Deutschland gebracht werden. "Heute wurde mir mitgeteilt, dass jede Familie einen Antrag zur polnischen Staatsanwaltschaft schicken muss. Sobald die Schreiben da sind, wird umgehend gehandelt", sagte Kruczkowski gestern im Gespräch mit der MOZ.

Ursprünglich hatten die Angehörigen und die Ermittler auf einen Transport in den nächsten Tagen gehofft. Kruczkowski drückte in dem Schreiben an seinen deutschen Amtskollegen sein Bedauern über die unangenehme Situation aus. "Ich möchte Ihnen versichern, dass die Gesellschaft des Landkreises Gorzow und der Gorzower Region sich von dieser Einstellung distanziert und nach einer schnellen und harten Strafe verlangt", schrieb er. Er habe am Dienstag auch ein Schreiben an das zuständige Ministerium der Woiwodschaft Lebuser Land gerichtet und gebeten, sich dort der Sache zügig anzunehmen, und hoffe nun auf ein schnelles Ergebnis.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bat die Minister für Inneres und Justiz, über ihre Kanäle tätig zu werden, damit die Leichname zügiger überführt werden könnten. Dafür habe sich auch Europaminister Ralf Christoffers (Linke) bei dem Warschauer Regionalministerium eingesetzt, sagte der Regierungssprecher.

"Die polnischen Stellen haben Vorschriften und haben um Sterbeurkunden gebeten", erklärte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Es sei zu hoffen, dass alle Papiere bis zu diesem Freitag an die Kollegen nach Posen übermittelt werden könnten.

Diebe hatten in der Nacht zum 15. Oktober den Leichentransporter und zwei weitere Fahrzeuge aus Hoppegarten (Märkisch-Oderland) gestohlen. Die Särge mit den Toten, die ursprünglich in ein Krematorium nach Sachsen zur Einäscherung gebracht werden sollten, waren rund 85 Kilometer von Posen in einem Wald aufgetaucht. Drei Verdächtige wurden inzwischen festgenommen, nach zwei weiteren wird gefahndet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter die Särge versehentlich mitnahmen.

Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) kritisierte am Dienstag die "pietätlosen Massentransporte von Verstorbenen". Der Verband lehne Fuhren von zwölf Leichen "in nicht geeigneten und kenntlich gemachten Fahrzeugen" ab. Mit Blick auf eine europäische Norm sei gerade einmal die Beförderung von höchstens zwei Leichen zu rechtfertigen - in einem Wagen, der dem Pietätsempfinden entsprechen sollte. "Wäre dies der Fall gewesen, hätten die Autodiebe wohl einen Diebstahl gar nicht in Erwägung gezogen", heißt es einer Mitteilung des BDB. Gerade im Segment der Discountbestattung tummelten sich aber auch Menschen, "denen die fachliche, handwerkliche und moralische Qualifikation abhandengekommen ist oder die diese niemals besessen haben."

Der BDB, dem rund 80 Prozent der Deutschen Bestattungsunternehmen angehören, fordert schon lange eine Mindestzugangskontrolle zum Beruf des Bestatters (mit dpa)

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L. Richter 02.11.2012 - 17:18:36

Es ist schon lange ein Polikum

Wann raffen sich die Politiker beider Staaten endlich auf, den polnischen Bürokraten endlich "Entscheidungshilfe" zu geben. Es ist höchste Zeit! Es kann auch sein, dass man sich in Potsdam und Berlin dafür nicht interessiert, oder?

Waul Pust 02.11.2012 - 16:07:28

@Paul Wust

Wie die polnische Bevölkerung - so die deutsche, wie man an ihrem Beispiel am besten sieht! Was sie gerade den Polen vorwerfen, genau handeln sie doch gerade! Im Übrigen: Anscheinend ist nicht nur Deutschland bürokratisch! Wir sind gleicher, als alle denken!

paul wust 01.11.2012 - 12:45:29

Versuche mir gerade vorzustellen was wäre wenn...

...im umgekehrten Fall deutsche Behörden solch einen Zirkus veranstalten würden? In der polnischen Bevölkerung wäre wohl die Titulierung "Niemiecki świnie" und "faszystów" wohl noch das Harmloseste. Warum Tusk, sein Innen- und Justizminister hier nicht eingreifen, um noch größeren Schaden in den beiderseitigen Beziehungen zu verhindern, erschließt sich auf deutscher Seite jedenfalls nicht.

Radfahrer 01.11.2012 - 11:31:01

@alle

Warum beauftragt man nicht einen Polen, die Särge nach Deutschland zu "überführen", kurz und schmerzlos?

WackelDackel 01.11.2012 - 09:55:39

@KOK BALETZKI

"es wird kriminell was darf der "wackeldackel" noch alles posten, zu jedem thema? die moz steht in der pflicht, solche unaqualifizierten kommentatoren dauerhaft zu entfernen." Kriminell ist der Diebstahl von Fahrzeugen und deren Inhalt ;) und JA, ich darf sowas posten, besitze ich doch auch persönlich einen (genetisch) polnischen Hintergrund! ... ob Ihnen das nun Passt oder nicht ... es ist mir Egal...

Jojek 01.11.2012 - 09:09:06

Sachfehler

"...das zuständige Ministerium der Woiwodschaft...". Da liegt ein Fehler vor. Ministerien gibt es in Polen nur in Warschau, weil Polen kein Bundesstaat ist.

MOZ - Leser 01.11.2012 - 08:21:26

@Elochin

Ihr Beitrag fing gut an, leider begeben sie sich dann auf das gleiche niveau wie @kok baletzki, was ihren gesamten Artikel so wie den von @kok ... ungalubwürdig macht. Schade @elochin

elocin 01.11.2012 - 06:48:18

Zum Glück

...für uns all, dürfen sie KOK BALETZKI nicht entscheiden und/oder festlegen, wer hier posten darf und wer nicht. Fahren sie mal Richtung Spreewald. Das mit den polnischen Flaggen ist dort nicht unüblich. Nur weil ihnen die Wahrheit zu bitter schmeckt, ist sie deswegen nicht weniger wahr. Personen wie ihnen, die statt eigene (fundierte) Beiträge zu schreiben sich darauf beschränken andern Leuten Dreck hinterher zu werfen, sollte es verboten werden hier zu posten.

lupo 01.11.2012 - 06:25:55

Nee, nee, so geht das nicht!

Platzeck und die übrigen Schwafler von der guten deutsch-polnischen Zusammenarbeit machen sich sofort auf den Weg nach Warschau und kommen ohne die 12 Toten nicht nach Hause. Angehörige und sonstige Beklaute könnten sonst auf die Idee kommen diesen bei der nächsten Wahl den "Totenschein" aus zu stellen. Erst drei Wochen nach der Tat und auf Druck von außen seinen Innen- und Justizminister erst anzuweisen hier aktiv zu werden zeigt, dass die ganze Angelegenheit ihnen am A.... vorbei geht.

kok baletzki 01.11.2012 - 03:14:04

es wird kriminell

was darf der "wackeldackel" noch alles posten, zu jedem thema? die moz steht in der pflicht, solche unaqualifizierten kommentatoren dauerhaft zu entfernen.

Witzkoffski 01.11.2012 - 01:21:14

vom Diebstahl abschreckende Aufkleber

Ähm, bitte "WackelDackel", wo kann man diese Aufkleber kaufen ? In meiner Gartenlaube wurde vergangenes Jahr, am unheiligen Halloween eingebrochen, derweil ich in Berlin arbeiten musste. Mein Fahrrad und mein Wodka waren auch geklaut. Mit so einem Totenkopf-Aufkleber wäre mir das niiiie passiert. :-D

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