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Geschäftsflieger fürchten Landung in der Provinz

Andreas Wendt / 09.11.2012, 19:15 Uhr
Schönefeld (MOZ) Vor drohenden Kapazitätsengpässen für Geschäftsflieger am künftigen Flughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) warnt die Business Aviation Associatioin (GBAA). Zu dem gleichen Ergebnis war 2011 eine vom Infrastrukturministerium des Landes in Auftrag gegebene Studie gekommen.

Die Gutachter waren zu der Erkenntnis gelangt, "dass am Flughafen BER für die Allgemeine Luftfahrt Kapazitätsengpässe bereits in den nächsten Jahren insbesondere während der Verkehrsspitzen gegeben sein werden". Die GBAA und deren Geschäftsführer Hans-Henning Romberg, bis Mitte der 1990er-Jahre in der Berlin-Brandenburger Flughafen-Holding einer von drei Direktoren, befürchtet ein Durcheinander am Rollfeld, unter dem vor allem die Geschäftsflieger leiden werden. Vor allem in den Spitzenzeiten werde es eng, wenn zwischen 9 und 10 Uhr morgens bis zu 70 Geschäftsflüge abgewickelt werden müssen und sich die Jets mit einem Gewicht von bis zu 14 Tonnen zwischen die Großen drängeln müssen. Die Probleme am BER begründen die Gutachter auch mit ungünstigen Rollwegen zu den Wartungsunternehmen der Lufthansa-Technik. "Wenn am BER eine A 330 ablegt, muss der weitere Betrieb stoppen, weil der breite Flieger den zentralen Taxiway befahren muss", sagt Romberg.

Um den Linien- und Geschäftsreiseverkehr in Berlin und Brandenburg vernünftig abwickeln zu können, empfahlen die Gutachter der Gesellschaft für Luftverkehrsforschung die "Ertüchtigungen der Verkehrslandeplätze Schönhagen und Strausberg". Die Branche selbst will weder mit dem einen noch mit dem anderen Vorschlag leben, selbst wenn in Schönhagen (Teltow-Fläming) demnächst der wetterunabhängige Instrumentenlandeanflug möglich sein wird. "Der entscheidende Punkt ist - beide sind zu weit draußen", sagt Romberg, dessen Organisation sich als Interessengemeinschaft des Werkflugverkehrs versteht. Über den Vorschlag von Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD), Unternehmer mit ihren Jets nach Cottbus umzuleiten, von wo sie weiter nach Berlin fahren sollen, sagt Romberg nur: "Das kann Herr Vogelsänger nicht ernst gemeint haben." Fahrzeiten von ein bis zwei Stunden von den Entlastungsflugplätzen bis zum Zentrum Berlins würden eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung durch Geschäftsreiseflugzeuge verhindern.

In Strausberg (Märkisch-Oderland) ist man dagegen optimistisch, nach der Schließung von Tegel vom Charterflugverkehr zu profitieren, sagt Unternehmenssprecherin Gesa Reschke. Dort, wo jetzt noch in Schönefeld die kleinen Jets untergestellt seien, sei eine neue Rollbahn geplant. "Sie werden wohl weichen müssen", sagt sie. Vom Gedränge am neuen Flughafen will auch Schönhagen profitieren. Doch dort stehen noch Genehmigungen für erforderliche Waldrodungen aus. Zudem, sagen Insider, ist dem Flugplatz nach dem Korruptionsverfahren gegen Landrat Peer Giesecke sein politischer Promotor abhanden gekommen. Schönhagen sei jetzt zum heißen Eisen geworden.

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