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Adlon-Villa mit Glamour-Faktor

Mathias Hausding / 07.01.2013, 19:06 Uhr - Aktualisiert 07.01.2013, 19:44
Potsdam (MOZ) Seit dem Wochenende erreicht die ZDF-Familiensaga "Das Adlon" Top-Quoten. In den Blickpunkt rückt dabei neben dem Berliner Nobel-Hotel auch die Villa Adlon im Potsdamer Ortsteil Neu Fahrland. Sie wird derzeit von ihrem neuen Eigentümer saniert.

Es geschah in der Silvesternacht 1920/21. Louis Adlon, Sohn des Hotel-Gründers Lorenz, verliebte sich in einen Gast - die Deutsch-Amerikanerin Hedwig Leythen. Die junge Frau, in der ZDF-Trilogie gespielt von Marie Bäumer, war eigentlich auf dem Weg, Verwandte in deren Landhaus in Neu Fahrland zu besuchen, blieb dann aber ein paar Tage länger im Adlon, knüpfte Kontakt zum Junior-Chef (Heino Ferch) und brachte schließlich das nördlich von Potsdam gelegene Seegrundstück mit in die Ehe ein.

Im Jahre 1925 ersetzte Louis Adlon, inzwischen Generaldirektor des Hotels, das Neu Fahrländer Bauernhaus durch eine neobarocke Villa nebst Reitstall und Bootshaus. Das Landhaus Adlon, wie es fortan hieß, war so etwas wie eine Dependance des Berliner Hotels. Die Reichen und Mächtigen erhielten dort Gelegenheit, exzessive Partys zu feiern. "Auf diese Weise blieben viele der so geehrten Gäste länger in Berlin, als sie ursprünglich beabsichtigt hatten", schreibt Hedda Adlon in ihren Memoiren.

Im Frühjahr 1945 wurde die Villa für Louis Adlon jedoch zur tödlichen Falle. Die Familie hatte sich dort sicherer geglaubt als im Hotel, doch als die Russen vor der Tür standen und meinten, sie hätten es mit einem "General" zu tun, nahmen sie den Generaldirektor mit, und wenige Tage später war Louis tot.

Das Kapitel Adlon in Neu Fahrland war damit beendet. Während der Potsdamer Konferenz war die Villa kurzzeitig Aufenthaltsort einer Gruppe von sowjetischen Marineangehörigen unter der Leitung von Admiral Kusnezow. Danach zog eine Kinderklinik ein, in den 1960er-Jahren wiederum eine Schule der Zivilverteidigung.

Seit 1994 steht die Einrichtung unter Denkmalschutz. Im Jahre 2008 zog die Landesakademie für öffentliche Verwaltung aus, die seit 1992 in dem Gebäude am Lehnitzsee untergebracht war. Anlass war eine erfolgreiche Klage der Adlon-Erben auf Rückübertragung des Grundstücks.

Sie strebten daraufhin einen Verkauf an. Noch im Jahre 2010 rührte eine Immobilienfirma während eines Tages der offenen Tür die Werbetrommel für das 1,5-Millionen-Euro-Objekt. "Besonders herrschaftlich ist bereits das Entree der Villa mit seinem schmiedeeisernen Eingangsportal und dem Blick auf das Haupthaus mit seinem elegant geschwungenen und mit einer barockisierenden Kupferhaube bekrönten pavillonartigen Vorbau", hieß es seinerzeit im Exposé zur Immobilie. Und: "Eindrucksvoll ist der Marmorkamin in der mit Parkett versehenen Eingangshalle, dessen Sims mit der Aufschrift ,Adlon Oblige' geschmückt ist." Dem Anwesen - 1600 Quadratmeter Nutzfläche und 5100 Quadratmeter Grundstücksfläche - wurde "Modernisierungsbedürftigkeit" attestiert, trotzdem sei alles "in einem sehr gepflegten Zustand". Besonders eigne sich die Villa "als repräsentativer Firmensitz oder auch erneut als Schulungszentrum", so das Fazit der Objektbeschreibung.

Der Unternehmer Wilhelm Wilderink hat jedoch zumindest vorerst andere Pläne. Er hat das Haus gekauft und mit seiner Familie bezogen. Die Sanierung ist in vollem Gange. Innen sind die Arbeiten in weiten Teilen bereits abgeschlossen. Vor anderthalb Jahren war der 42-Jährige aus Hamburg nach Potsdam gezogen, wo er sich unter anderem für die Wiedererrichtung des 1945 zerstörten Hotels "Zum Einsiedler" in der Stadtmitte stark macht.

Carmen Klockow, seit 2011 Ortsvorsteherin von Neu Fahrland, findet die Adlon-Saga des ZDF etwas schnulzig, ist aber sehr erfreut, dass eine junge Familie dem traditionsreichen Haus am See wieder neues Leben einhaucht. "Diese Auffrischung tut dem Ort gut", sagt sie. Querelen gebe es allerdings um einen leer stehenden Plattenbau neben der Villa. "Er gehörte einst als Unterkunft zur Landesakademie, nun ist er ein Schandfleck, der die Wiederherstellung der früheren Gartenanlagen behindert", klagt Klockow. Eine Einigung mit dessen Besitzer sei bislang aber leider noch nicht möglich gewesen.

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