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Stadt will erst alle möglichen Varianten auf Vor- und Nachteile prüfen

Eberswalde vertagt Telekomstraße in den Sommer

Monika Schmidt / 22.01.2013, 04:24 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Stadt will die Anträge von SPD und Bündnisgrüne zur sogenannten Telekomstraße, die Eberswalde und Biesenthal auf kurzem Wege verbindet, erst einmal auf den Prüfstand stellen. Mit einem Ergebnis wird frühestens im Sommer zu rechnen sein.

Mit den Anträgen der beiden Fraktionen sollte sich eigentlich schon die Stadtverordnetenversammlung im Dezember beschäftigen. Da ihre Vorschläge aber im völligen Gegensatz zueinander standen, wurden sie in den Bauausschuss zurückverwiesen. Während die SPD-Fraktion eine Wiederbefahrbarmachung der Verbindungsstraße favorisiert, plädieren die Bündnisgrünen für eine reine Radverkehrsverbindung, die "mit überschaubarem Aufwand realisierbar" wäre. Für die SPD-Fraktion ist die "L 293 eine alte wichtige Ortsverbindung zwischen Biesenthal und Finow, deren Nutzung für viele Verkehrsteilnehmer eine Verkürzung der Strecke zwischen Finow und Biesenthal darstellen würde". Der rund 1,5 Kilometer lange Abschnitt auf Gemarkung der Nachbarkommune wurde schon vor Jahren instand gesetzt. Um den mindestens doppelten so langen Abschnitt auf der Gemarkung Eberswalde indessen wird seit Jahren gestritten.

Völlig zu unrecht, wie Uwe Grohs von der CDU-Fraktion im Bauausschuss mit Verweis auf den 2008 beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan deutlich machen konnte. "Für den Ausbau der Telekomstraße wurden in der Vergangenheit Beschlüsse durch den Stadtverordneten der Stadt Eberswalde, Biesenthal und des Kreistages gefasst. Die Telekomstraße kann eine verkehrliche Entlastung der Innenstadt von Eberswalde zur Folge haben. Im Verkehrsentwicklungplan ist für diese Straße eine Verkehrsbelegung von insgesamt 3600 Fahrzeugen pro Tag ausgewiesen. Aus diesem Grund sollten Lösungsmöglichkeiten für diese Straßen weiter verfolgt werden", zitierte er die Mitschrift einer Stellungnahme zum besagten Verkehrsentwicklungplan vom 2. Juni 2008. "An diesem Beschluss hat sich bis heute nichts geändert. Zum Vergleich: Täglich 3600 Fahrzeuge auf der Telekomstraße, 1500 Fahrzeuge auf der Lausitzer Straße, 1000 Fahrzeuge auf der Brandenburger Allee, 4000 Fahrzeuge auf dem Kupferhammerweg", fügte Uwe Grohs hinzu. Letztendlich sei es nur eine Frage der Finanzierbarkeit.

Die Telekomstraße werde immer ein Reibungspunkt zwischen Befürwortern und Gegner bleiben, erklärte Karen Oehler, Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen. Der Ausbau sei seinerzeit aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen abgelehnt worden. "Es ist die Frage, ob wir uns angesichts der vielen Warteschleifen sanierungsbedürftiger Straßen immer wieder einen Straßenneubau leisten können oder wollen", so die Bündnisgrüne.

Am Ende aber folgte der Ausschuss dem Vorschlag von Baudezernentin Anne Fellner. Sie will untersuchen, welche Variante weiter verfolgt werden sollte, dies unter Berücksichtung aller Vor- und Nachteile. "Mit dem Vorschlag der Bündnisgrünen würden wir schon vorher eine Entscheidung treffen, ohne alle anderen Möglichkeiten untersucht zu haben. Das würde ich nicht empfehlen", so Anne Fellner. Dem konnte Ausschussvorsitzender Wolfgang Sachse (Die Linke) nur zustimmen. "Wir sollten erst eine Entscheidung treffen, wenn wir alle Unterlagen in der Hand haben", sagte er. Dem schloss sich die Mehrheit der Ausschussmitglieder an.

Die Stadt wird jetzt nicht nur mit dem Landesbetrieb Straßenwesen Gespräche aufnehmen, sondern auch mit der Naturschutzbehörde. Zu prüfen wird auch sein, welche Fördermittel für einen eventuellen Ausbau der Telekomstraße in Anspruch genommen werden können. Auf Geld aus der "Richtlinie des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft für die Förderung von Investitionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden des Landes Brandenburg" vom 14. Juni 2011 kann Eberswalde nicht mehr hoffen.

Diese Richtlinie, so die Baudezernentin, sei definitiv beendet. Aus ihrer Sicht gibt es für die Telekomstraße vier Varianten. Entweder sie bleibt, wie sie ist, wird zu einer Fahrradstraße, einem reinen Fahrradweg oder doch zur kurzen Verkehrsverbindung zwischen Eberswalde und Biesenthal. Den Vorschlag der Stadtverwaltung will sie dem Bauausschuss im Frühsommer vorlegen.

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Gemeinschaftssinn 25.01.2013 - 17:02:24

Waldstadt Eberswalde?

2008 wurde im erarbeiteten Verkehrsentwicklungsplan belegt, dass der Nutzungsbedarf in keinem Verhältnis zu den Kosten eines Ausbaus und vor allem zu den Nachteilen für Mensch und Natur steht. Ich denke, daran wird sich bis heute nicht allzu viel geändert haben. Was sich geändert hat ist, dass sich die Natur weiterentwickeln konnte und so ist es der Lebensraum und das Brutgebiet für eine Vielzahl von Vögeln, Amphibien und vielerlei Säugetieren. Es ist bekannt, dass das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, aber genau deshalb kann doch ein eventueller kleiner Umweg nicht diesen Eingriff in die vorhandene Natur rechtfertigen. Wir reden hier von einem Landschaftsschutzgebiet für dessen Erhalt sich der NABU schon seit vielen Jahren einsetzt. Noch etwas anderes: Ich nehme an, dass die Befürworter dieser Straße woanders wohnen? Für die betroffenen Anwohner in Finow und in Biesenthal wäre dies eine erhebliche zusätzliche Belastung. In Finow ist diese Straße schon jetzt seit einigen Jahren stark befahren, vor allem auch betroffen vom LKW-Verkehr, so dass es Schäden an Gebäuden gibt. Ich kann SPD-Wähler nur zustimmen, es gibt genug Straßen und es gibt auch genug Schäden für die Natur und Verluste für den Waldbestand. Ich hoffe auf einen gesunden Menschenverstand und dann könnte es nur heißen, dass man das Geld, was hier ausgegeben werden müsste (auch dauerhaft zum Erhalt) für wichtigere und sinnvollere Projekte ausgeben kann. Die „Waldstadt“ Eberswalde würde durch den Ausbau für Bürger und Touristen nicht attraktiver werden.

Wortmelder 23.01.2013 - 19:34:44

Abkürzung

Es stimmt, dass die Telekomstraße nun schon seit über zwanzig Jahren mehr oder weniger in der Diskussion steht. SPD-Wähler zeigt ideale Fahrmöglichkeiten nach Biesenthal, wobei er recht hat, wenn man am Ortsausgang Eberswalde startet. Als Bewohner des Brandenburgischen Viertels benötige ich nochmals diese Zeit um zur A 11 oder zum Ortsausgang Eberswalde zu kommen. Der Zug ist ideal, nur die Busverbindung von Biesenthaler Bahnhof zum Biesenthaler Markt nicht. Diese Telekomstaße ist die ideale Verbindung von Finow nach Biesenthal. Gerade Finower könnten eine Menge Zeit, Kilometer und Sprit sparen. Eine gute Radfahrstraße, auch für Pkw-Nutzung geeignet, wie z. B. die Verbindungsstraße zwischen Lobethal und Ladeburg, könnte eine Lösung sein. Für Pendler zwischen Finow und Biesenthal wäre dies eine sehr große Erleichterung. Nicht zuletzt sollte auch der touristische Aspekt genutzt werden. Eine schöne Verbindung vom Biesenthaler Becken in die Finowkanalregion und umgekehrt kann die Straße sehr attraktiv machen. Hoffen wir darauf, das nicht wieder zwanzig Jahre diskutiert wird.

Finowkanalnixe 23.01.2013 - 18:13:52

Gute Alternative

Es geht hier um eine Verbindung von Finow nach Biesenthal. Bisher müssen alle Finower die nach Biesenthal wollen, einen Umweg von etlichen Kilometern entweder durch Eberswalde oder durch Finowfurt und über die Autobahn unternehmen und umgekehrt. Der Ausbau der Straße würde also dazu führen, die Eberswalder Innenstadt ein Stück weit von einigen Fahrten zu entlasten. Wenn der Bus durch die Biesenthaler Straße zum Finower Friedhof fahren soll, muss die Biesenthaler Str. ohnehin saniert werden.

SPD-Wähler 23.01.2013 - 15:37:51

Es gibt doch schon mehr als eine Straße

Und sogar eine Autobahn. Die schnellste Verbindung von Biesenthal nach Eberswalde ist die L200 in 16 Minuten - wenn man ein Auto mitnehmen will. Die meisten fahren über die A11. Schneller gehts mit der Regionalbahn in neun Minuten. In Eberswalde gibt es alle sechs Minuten einen Bus vom Bahnhof, der in vier Minuten am Markt ist. Radwege von Süden nach Eberswalde gibt es nicht, aber drei, mit der Autobahn sogar vier bestens befahrbare Straßen. Der vorhandene Radweg führt von Biesenthal nicht nach Eberwalde, sondern nach Finowfurt und ist nur auf zwei Dritteln der Strecke autofrei.

Leser 22.01.2013 - 11:52:49

Telekomstraße

Über dieses Thema wird ja nun schon über 20 Jahre gestritten. Ein Gutachten jagt das Nächste. Hat den jemand mal die Kosten für diese Gutachten addiert. Für Gutachten für die Umgeheung der B167 wurden ja schon Millionen verpulvert. Was soll der Blödsinn mit einem Fahrradweg. Der ist ja vorhanden. Diese Strasse war ja auch mal Wahlkampfthema der letzten Bürgermeisterwahl. Nichts passiert. Warten wir mal noch 20 Jahre.

Leser 22.01.2013 - 11:52:40

Telekomstraße

Über dieses Thema wird ja nun schon über 20 Jahre gestritten. Ein Gutachten jagt das Nächste. Hat den jemand mal die Kosten für diese Gutachten addiert. Für Gutachten für die Umgeheung der B167 wurden ja schon Millionen verpulvert. Was soll der Blödsinn mit einem Fahrradweg. Der ist ja vorhanden. Diese Strasse war ja auch mal Wahlkampfthema der letzten Bürgermeisterwahl. Nichts passiert. Warten wir mal noch 20 Jahre.

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