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Braune Spree schreckt Touristen ab

Die Braunfärbung der Spree ist eine Folge des Kohleabbaus in der Lausitz.
Die Braunfärbung der Spree ist eine Folge des Kohleabbaus in der Lausitz. © Foto: dapd
22.01.2013, 07:49 Uhr
Lübbenau (dapd) An Kahnfahrten mit Glühwein und Wärmflasche ist derzeit in den Spreewälder Naturhäfen Ragow und Raddusch nicht zu denken. "Die braune Brühe hält uns seit mehreren Wochen ab", sagt der Ragower Kahnfährmann Roland Scherz. Gemeinsam mit Jens, Christian und Werner Rosenberger betreibt er seit 1996 den kleinen Ragower Hafen zwischen Lübben und Lübbenau. Ihre Kahntouren locken jährlich mehr als 1.500 deutsche und ausländische Touristen an. "Das ist jetzt erst einmal vorbei, wenn sich nicht ganz schnell etwas verändert", fürchtet der 48-jährige Scherz. Grund für seine Sorge ist der hohe Eisengehalt und die daraus resultierende Braunfärbung der Spree, die inzwischen den Spreewald erreicht hat. Der hohe Eisen- und Sulfatgehalt der Spree ist eine Spätfolge der Stilllegung von Tagebauen in der Lausitz. Vor Jahren brachten die Braunkohlebagger bei abgesenktem Grundwasser die Minerale Pyrit und Markasit ans Tageslicht. Durch den Kontakt mit Sauerstoff zerfielen sie in Eisenhydroxid und Sulfat. Mit dem ansteigenden Grundwasser in der Bergbaufolgelandschaft werden jetzt Eisenhydroxid und Sulfat in die Fließgewässer des Spreewaldes gespült. Zwtl.: Braune Spree ist schlechter Werbeträger Die Braune Spree sei ein ganz schlechter Werbeträger für den Spreewald, sagt Scherz. "In beiden Naturhäfen hat jetzt das Erbe von rund 150 Jahren Bergbau voll zugeschlagen", bestätigt auch der Vorsitzende der Kahnfährgemeinschaft Raddusch, Detlef Mecke. In den Naturhäfen kommt der Eisenschlamm von den Braunkohletagebauen Seese-Ost und Schlabendorf-Süd an. "Ergebnis ist ein braunes Trauerspiel mit ungewissem Ausgang für unsere Existenz", klagen die Kahnfährmänner. "Die Leute schauen sich das braune Ungeheuer bei uns an und kommen in diesem Jahr vielleicht nicht wieder", befürchtet der 72-jährige Ragower Werner Rosenberger. Auch der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald, Peter Stephan, ist erbost. "Hier steht eine einzigartige Landschaft auf dem Spiel", warnt das Mitglied des im Oktober in Raddusch gegründeten Aktionsbündnisses "Klare Spree". Er fordert, die Eisenockerfrachten vor dem Spreewald abzufangen und die bereits belasteten Gewässer zügig zu sanieren. Auch der Landesverband Brandenburg des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete schlossen sich dieser Forderung an. Zwtl.: Problem für Jahrzehnte "Es gibt allerdings keine Lösung von der Stange", sagt der Leiter des Dresdner Instituts für Wasser und Boden, Wilfried Uhlmann, bei der Vorstellung der zweiten durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Auftrag gegebenen "Eisenstudie". Der Höhepunkt der Belastungen der Spree durch Eisenhydroxid- und Sulfat sei noch nicht erreicht. "Mit der Braunen Spree müssen wir noch mindestens 50 bis 100 Jahre leben", sagt Uhlmann. Erste Abwehrmaßnahmen sollen ab 2014 umgesetzt werden. Über finanzielle Mittel aus dem bis 2017 gültigen Verwaltungsabkommen für die Braunkohlesanierung soll im April entschieden werden. Am Donnerstag (24. Januar) will sich der brandenburgische Landtag in einer Aktuellen Stunde mit der zunehmenden "Verockerung" der Spree beschäftigten. Für die Kahnfährmänner in den Spreewälder Naturhäfen in Ragow und Raddusch ist das allerdings bereits "fünf Minuten nach zwölf".

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Auahenne 25.01.2013 - 02:47:21

Haftung bzw Schadenersatz nach dem Verursacherprinzip !!!

Zitat: "Vor Jahren brachten die Braunkohlebagger bei abgesenktem Grundwasser die Minerale Pyrit und Markasit ans Tageslicht. Durch den Kontakt mit Sauerstoff zerfielen sie in Eisenhydroxid und Sulfat. Mit dem ansteigenden Grundwasser in der Bergbaufolgelandschaft werden jetzt Eisenhydroxid und Sulfat in die Fließgewässer des Spreewaldes gespült.... ", schreibt die MOZ. (Quelle: http://www.moz.de/details/dg/0/1/1091009/) Und weiter: " ...Erste Abwehrmaßnahmen sollen ab 2014 umgesetzt werden. Über finanzielle Mittel aus dem bis 2017 gültigen Verwaltungsabkommen für die Braunkohlesanierung soll im April entschieden werden." - Das ist aber eine falsche Entscheidung. Denn Schuld haben die Tagebaufirmen, wie wir es lesen konnten ! - Dann sollten diese Tagebaubetriebe auch, nach dem Verursacherprinzip, für die Beseitigung der Umwelt-Schäden 100%ig aufkommen !!! (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Verursacherprinzip) Und nicht der deutsche Steuerzahler. Oder besser wäre noch, wenn die verantwortungslosen Firmenchefs wegen der Umweltschäden der letzten 23 Jahre, PERSÖNLICH in Haftung genommen werden. Ab sofort. Und nicht erst ab 2014 oder gar 2017. Alle diese "Brunnenvergifter" dem Gesetz nach, bestraft werden. Auch die Verantwortlichen in der Landesregierung. Im Schnellverfahren. Und nicht erst ab 2014 oder gar 2017. Und, sämtliche Braunkohle-Tagebaufirmen (Grund und Boden war eigentlich UNSER gestohlenes Volkseigentum) sollte für die nächsten 100 Jahre erst mal stillgelegt, bzw. endgültig re-naturisiert werden.

Problembärli 22.01.2013 - 09:38:40

Tiefflieger=Auf-Sicht-Raten

Kann man nur hoffen, dass sich die Spree bis Berlin-Mitte möglichst schnell eintrübt. Sonst werden die Herrschaften in 20 Jahren - vermutlich nach einem seehrrr überraschenden Umwelt-Gau, zur Kenntnis nehmen: Houston, wir haben ein Problem!

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