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Künstler setzt nun auf den "Druck der Straße"

Kani Alavi gibt nach Mauerabriss das Bundesverdienstkreuz zurück

Künstler Kani Alavi steht am Mittwoch  an der East Side Gallery in Berlin vor einer Lücke der Berliner Mauer. Trotz der zuletzt heftigen Proteste sind am frühen Mittwochmorgen einige Mauerstücke der weltberühmten East Side Gallery entfernt worden. Rund 25
Künstler Kani Alavi steht am Mittwoch an der East Side Gallery in Berlin vor einer Lücke der Berliner Mauer. Trotz der zuletzt heftigen Proteste sind am frühen Mittwochmorgen einige Mauerstücke der weltberühmten East Side Gallery entfernt worden. Rund 25 © Foto: dapd
dapd / 27.03.2013, 14:13 Uhr
Berlin (dapd) Aus Protest gegen den weiteren Abriss der East Side Gallery will der Vorsitzende der gleichnamigen Künstlerinitiative Kani Alavi sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben. "Ich schreibe in den nächsten Tagen an den Bundespräsidenten und gebe die Auszeichnung zurück", sagte Alavi am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd.

Trotz massiven Widerstands in den vergangenen Wochen wurden am Mittwoch weitere Segmente des Mauer-Kunstwerks entfernt, um eine Baustellenzufahrt zu einem umstrittenen Wohnprojekt am Spreeufer zu schaffen. Der Investor begründete seine Entscheidung damit, dass die bisherigen Gespräche keine "umsetzbare Alternative" aufgezeigt hätten. Der Senat kritisierte die Arbeiten als "Affront".

Er habe jahrelang für den Fortbestand des längsten noch erhaltenen Mauerabschnitts gekämpft, der nach dem Mauerfall von vielen Künstlern aus aller Welt bemalt worden war, sagte Alavi. "Und dann kommen Kulturbanausen und Unternehmer daher und zerstören systematisch die East Side Gallery." Er sei enttäuscht von Politikern und Behörden, "die uns belogen haben".

Hoffnung auf Druck der Straße

Jetzt helfe nur noch der "Druck der Straße", um den Abriss zu verhindern, betonte der Künstler. Die Kritiker organisierten derzeit eine Protestkundgebung, die für Donnerstag vor dem Roten Rathaus geplant sei.

Kani Alavi stammt aus dem Iran und kam 1980 nach Deutschland. Er studierte an der Berliner Hochschule der Künste Malerei. Alavi gehört zu 118 Künstlern, die 1990 die Hinterlandmauer am ehemaligen Todesstreifen bemalten. Sie setzten sich in ihren Bildern mit der politischen Öffnung des Ostens und dem Untergang der DDR auseinander.

Seit Mitte der 90er Jahre ist Alavi Vorsitzender der Künstlerinitiative. Für sein Engagement wurde er 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Kulturstaatssekretär André Schmitz sagte damals, mit der Auszeichnung werde der große Einsatz des Künstlers für das Entstehen, den Erhalt und die Rekonstruktion der "größten Freiluftgalerie der Welt" gewürdigt.

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