Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Warum Karfreitag in Polen kein Feiertag ist

Jesusdenkmal in Swiebodzin
Jesusdenkmal in Swiebodzin © Foto: Heinz Köhler
Dietrich Schröder / 27.03.2013, 20:36 Uhr
Slubice (MOZ) Polen ist ein Land, in dem sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung zum katholischen Glauben bekennen. Trotzdem ist der Karfreitag - anders als in Deutschland - kein gesetzlicher Feiertag. Ein Umstand, der auf den ersten Blick etwas verwundert.

"Die Erklärung dafür lässt sich in der Kirchengeschichte finden", erläutert Priester Andrzej Gerej von der Pfarrgemeinde in Slubice. Die besondere Hervorhebung des Karfreitags sei eine eher protestantische Tradition. Tatsächlich ist der Karfreitag auch in Italien und Frankreich kein Feiertag, während er in Großbritannien und Österreich ähnlich wie in Deutschland besonders begangen wird.

"Wir Katholiken feiern das dreitägige österliche Mysterium vom Donnerstagabend bis zum Sonntagmorgen", erläutert Gerej. Die Messe, die in Slubice am heutigen Donnerstag um 19 Uhr beginnt, steht im Zeichen des letzten Abendmahls, das Jesus im Kreise seiner Jünger verbrachte. In einigen Gemeinden werden die Füße von zwölf Gläubigen gewaschen, so wie es Jesus am Vorabend der Kreuzigung mit seinen Jüngern tat. Diese ursprüngliche Geste orientalischer Gastfreundschaft sollte symbolisieren, dass die Jünger auch künftig einander dienen und sich unterstützen sollten. Auch der Papst wird am Donnerstag diesen Ritus ausüben.

Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des stillen Gedenkens an die Passion am Kreuz. Eine Messe gibt es an diesem Tag nicht, auch die Kirchenglocken werden bis zum Ostersonntag nicht geläutet. Viele Gemeinden erinnern am Freitag an den Kreuzweg, den Jesus absolvieren musste. In Slubice findet dieses Zeremoniell bereits ab 10 Uhr in der Kirche statt. Am Fuße der größten Jesusfigur der Welt, die sich in Swiebodzin - 70 Kilometer östlich von Frankfurt - befindet, ist es dagegen ab 15.30 Uhr geplant. Nach Auskunft des dortigen Priesters soll kurzfristig entschieden werden, ob das Wetter die Prozession erlaubt.

Am Sonnabend bereiten sich die Christen auf das Fest der Auferstehung vor, das in seiner religiösen Bedeutung noch über der Geburt Jesu steht. In Polen gibt es - wie auch am Sonntag - kaum andere kulturelle Veranstaltungen. In den Kirchen werden Speisen geweiht, die am Sonntag - nach der Fastenzeit - gegessen werden. Die Osternachtliturgie beginnt in Slubice ab 19 Uhr mit einem Feuer auf dem Kirchhof. Die Messe zur Auferstehung wird am Sonntag um 6 Uhr noch vor der Morgendämmerung eröffnet.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG