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Per Boot durchs Lausitzer Seenland - Erster schiffbarer Kanal

Im Lausitzer Seenland wird am 01.06.2013 die erste schiffbare Wasserverbindung zwischen zwei gefluteten Tagebaugruben eröffnet. Der rund einen Kilometer lange Kanal entstand zwischen dem Senftenberger See und dem Geierswalder See.
Im Lausitzer Seenland wird am 01.06.2013 die erste schiffbare Wasserverbindung zwischen zwei gefluteten Tagebaugruben eröffnet. Der rund einen Kilometer lange Kanal entstand zwischen dem Senftenberger See und dem Geierswalder See. © Foto: ZB
Torsten Richter, / 26.05.2013, 10:45 Uhr
Senftenberg/Hoyerswerda (DPA) Freizeitkapitäne können im Lausitzer Seenland von Juni an erstmals per Boot von einem Bergbausee zum nächsten schippern. Bei Leipzig geht das schon.

Einst war das Image der Lausitz nur von Braunkohle geprägt. Es gab wenige Orte der Ruhe und Erholung in der umgewühlten Landschaft. Vor Jahrzehnten dann die Wende - Tagebauen werden geflutet, unter anderem entsteht der Senftenberger See. Der erste Badestrand wird dort am 1. Juni 1973 freigegeben. Auf den Tag genau 40 Jahre später können Touristen bald per Boot zum Nachbarsee fahren.

Viele Tagebaugruben sind mit Wasser gefüllt und bilden die größte künstliche Wasserlandschaft Europas, das Lausitzer Seenland. Vom 1. Juni an können Freizeitkapitäne den ersten schiffbaren Kanal zwischen dem Senftenberger und dem Geierswalder See befahren. Das gut einen Kilometer lange Bauwerk an der Grenze von Brandenburg und Sachsen trägt den Namen des Dorfes Koschen, das wie viele andere den Kohlebaggern weichen musste.

In den vergangenen Jahren entstanden in der Region Badestrände, Ferienparks sowie Campingplätze, zudem wurden schwimmende Häuser und der Stadthafen in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) gebaut. Das alles gelang nur deshalb, weil zuvor die Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) viel Steuergeld in die Sanierung der verwüsteten Landschaft leitete.

"Die Financiers der Braunkohlensanierung haben über die LMBV bislang 5,3 Milliarden Euro in die Wiedernutzbarmachung der einstigen Lausitzer Bergbaugebiete investiert", berichtet Unternehmenssprecher Uwe Steinhuber. "Vielfach wurde Pionierarbeit geleistet, die in ihrer Dimension und Komplexität keinen Vergleich in der Welt scheuen muss."

Eine ähnliche Umgestaltung erlebte das Leipziger Revier, wo durch Flutungen das Neuseenland entsteht. Dort wurde am 18. Mai der erste schiffbare Kanal zwischen zwei Bergbauseen eröffnet. Das 800 Meter lange Bauwerk verbindet den Markkleeberger und den Störmthaler See.

"Mit der bevorstehenden Eröffnung des Koschener Kanals wird das Tor für den Finalstart des Lausitzer Seenlandes weit aufgestoßen", sagt der frühere Bauhaus-Direktor Rolf Kuhn. "Sie ist Teil des Imagewandels der Lausitz von der Kohle- und Energieregion hin zu einem einmaligen Tourismusgebiet." Kuhn muss es wissen, hatte er doch von 2000 bis 2010 als Geschäftsführer die Internationale Bauausstellung (IBA) "Fürst-Pückler-Land" im Süden Brandenburgs geleitet. Mit 30 Projekten prägte die IBA dort die Landschaft nach der Kohle. In der Lausitz betreibt das Energieunternehmen Vattenfall Europe noch fünf Braunkohletagebaue und drei Großkraftwerke.

Wegen einer Kostenexplosion war der 1050 Meter lange Koschener Kanal im vergangenen Jahr in die Kritik des Landesrechnungshofes und der Politik geraten. Denn mit rund 50 Millionen Euro ist das Projekt, das aus einer Schleuse sowie zwei Tunneln unter der Schwarzen Elster und der Bundesstraße 96 besteht, dreimal so teuer geworden als beim Baustart 2009 geplant.

"Dieser Kanal verdeutlicht genau das Charakteristische der Region, nämlich eine architektonische Meisterleistung, den Landschaftswandel sowie den Wandel von der Industrie- zur Tourismusregion", erläutert Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Von dieser Vision fühlten sich Besucher aus Deutschland und dem Ausland angezogen. So seien 2012 mehr als 400 000 Übernachtungen in dem Gebiet von Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) bis zum ostsächsischen Boxberg gezählt worden.

Volker Mielchen, Infrastrukturleiter des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg, spricht vom Seenland als Generationenprojekt, das auf großen Zuspruch der Bevölkerung stoße. Doch es sind weitere Investitionen erforderlich. "Wir benötigen an jedem See mindestens eine Anlegestelle", erklärt der Geschäftsführer des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen, Daniel Just. Die erste wurde kürzlich zu Pfingsten am Geierswalder See übergeben.

Der Koschener Kanal ist für Bootstouristen nur der Anfang. Bis 2017 sollen im Lausitzer Seenland zehn Gewässer mit insgesamt 7000 Hektar Fläche durch zwölf Kanäle verbunden sein. Das touristisch nutzbare Seenland umfasst dann 24 größere Gewässer mit 14 000 Hektar Fläche, das ist fast doppelt so viel wie das Leipziger Neuseenland. In beiden Regionen wachsen somit langsam Tourismus-Konkurrenten zur Mecklenburgischen Seenplatte heran. Diese bietet aber mit etwa 1000 Naturseen weitaus mehr Vielfalt.

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Biber 05.06.2013 - 14:16:23

Wenn die Oder über die Deiche schwappt..

...brauchen Sie für eine Oderbruchrundfahrt nichts bezahlen. Versprochen!!!

wenzel 05.06.2013 - 13:17:40

herr

was kostet das wenn man den kanal befahren möchte

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