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Umweltverbände laufen Sturm gegen bevorstehende Genehmigung der Tierhaltung in Haßleben

Entscheidung über Schweinemast

Luftbild der Schweinemastanlage Haßleben
Luftbild der Schweinemastanlage Haßleben © Foto: Wilfried Bergholz
Oliver Schwers / 20.06.2013, 08:06 Uhr - Aktualisiert 20.06.2013, 08:05
Hassleben (MOZ) Die Entscheidung über die Wiederinbetriebnahme der umstrittenen Schweinemastanlage Haßleben (Uckermark) steht kurz bevor. Das seit fast zehn Jahren auf eine Genehmigung wartende Vorhaben wird erneut massiv von Umwelt- und Tierschützern attackiert.

Noch liegt offiziell kein Bescheid vor. Doch das Papier soll in den nächsten Tagen das Landesumweltamt verlassen. Das bestätigt dessen Präsident Matthias Freude. So lange werde er sich zu den Ergebnissen des Verfahrens nicht äußern.

Doch die seit Jahren gegen das Wiederbelebungsprojekt der leer stehenden Stallanlagen kämpfende Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein hat nach eigenen Angaben jetzt Akteneinsicht genommen. Demnach sei eine schriftliche Genehmigung für die Anlage bereits durch die Dienststelle des Landesumweltamtes Frankfurt (Oder) formuliert worden. "Damit setzt sich das Land Brandenburg über sämtliche in neun Jahren vorgetragenen Ablehnungsgründe hinweg", erklärt Gert Müller von der Bürgerinitiative. Eine solche Genehmigung sei "gegen gesetzliche Grundlagen, gegen fachlichen Rat und gegen jede ökologische Vernunft".

Die Landesverbände des Naturschutzbunds (Nabu) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordern von der Genehmigungsbehörde eine generelle Ablehnung der Schweinemast. Eine agrarindustrielle Tierhaltung würde in die Sackgasse führen und nicht mehr "in unsere Zeit passen", heißt es dazu in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Immer wieder hatten Umweltverbände, grüne Politiker und Bürgerinitiative vor den Toren der nach der Wende stillgelegten Großanlage protestiert. Sie sehen die Umwelt in der unmittelbaren Umgebung bedroht und lehnen vor allem die industrielle Haltung ab. Zu DDR-Zeit waren auf dem Gelände rund 150 000 Tiere gehalten worden.

Der holländische Investor Harry van Gennip, der bereits eine weitere große Anlage in Ostdeutschland betreibt, wollte ursprünglich Plätze für 67 000 Schweine genehmigen lassen. Nach anhaltender Kritik und mehreren Gutachten über ein in der Nähe befindliches Moor sowie nach absehbaren Immissionsschutzauflagen reduzierte der Investor die Zahlen. Geplant sind jetzt 4400 Schweinemastplätze, 23 280 Ferkelaufzuchtplätze, 5680 Sauen, 2028 Jungsauen und 1440 Abferkelplätze. Damit sei nur noch eine kleine Schweinemast übrig geblieben, informierte der beauftragte Projektmanager Helmut Rehhahn im vergangenen Jahr auf einer Einwohnerversammlung.

Im Dorf sieht man die Wiederinbetriebnahme der Anlage mit gemischten Gefühlen. Während sich eine Bürgerinitiative aus Haßleben definitiv hinter die vom Investor versprochenen Arbeitsplätze stellt, wehrt sich Konta Industrieschwein mithilfe der Umweltverbände. Weil die Planungen im Laufe der Jahre vollkommen überarbeitet wurden, verlangt der BUND eine neue Auslegung der Unterlagen. Dabei geht es wieder um den Tierschutz. "So würden die Tiere im Brandfall elend verbrennen, weil kein Mensch es riskieren könnte, in eine brennende Großmastanlage zu gehen, um die Tiere ins Freie zu treiben", heißt es in einem gerade veröffentlichten Brief an SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück und Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger. Die Sauen würden tierschutzwidrig "in eisernen Gitterkästen und die Mastschweine auf weniger als einem Quadratmeter" gehalten.

In dem Dauerstreit um die Schweinehaltung spielen auch mehrere Gutachten über die mögliche Beeinträchtigung des naheliegenden Kuhzer Grenzmoores eine Rolle. Man fürchtet dessen Zerstörung durch Stickstoffimmissionen. "Nach mehrfacher Anpassung der Tierplätze sind die Werte inzwischen aber unter die Mindestkriterien gefallen", informiert Harald Wendt vom Umweltamt der uckermärkischen Kreisverwaltung. Dementsprechend würde einer Genehmigung nichts im Wege stehen, geht aus einer Stellungnahme der Behörde an das Landesumweltamt hervor.

Projektmanager Helmut Rehhahn will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. "Ich weiß ja nicht einmal, was in dem Bescheid drin steht." Bisher habe man alle Umweltauflagen erfüllt und die Tierzahlen immer wieder gesenkt. So würde immer wieder eine Größenordnung von 37 000 Schweinen kursieren. "Schwein ist aber nicht gleich Schwein." Den größten Anteil hätten die Ferkelaufzuchtplätze.

Sollte die Anlage genehmigt werden, kündigen die Umweltschutzverbände schon jetzt eine Klage vor dem Verwaltungsgericht an. Da der Investor beantragt habe, schon vor der Entscheidung über die Widersprüche von Naturschutzverbänden und Betroffenen mit dem Bau beginnen zu können, bleibt nach Ansicht des BUND nur noch dieser Weg.

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bio-leck 20.06.2013 - 14:11:19

ich wünsche keinem was schlechtes,

aber allen die für diese mastanlage eintraten, wünsche ich, im nächsten leben als "glückliches" mastschwein zur welt zu kommen!

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