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Landtagsneubau mit Lücken: Herkules kommt im Herbst

Ulrich Thiessen / 01.07.2013, 19:03 Uhr - Aktualisiert 01.07.2013, 20:21
Potsdam (MOZ) Die Hüllen am künftigen Landtag sind gefallen. Das Gebäude in Form des ehemaligen Stadtschlosses ragt rosafarben und nackt in die Stadtlandschaft. Die Frage, ob und wie der einstige Figurenschmuck wieder vollständig auf den Dachgesimsen verteilt wird, ist noch nicht geklärt.

An der historischen Kutschauffahrt wird noch am Belag gearbeitet. Der schwungvolle Weg erstrahlt in nagelneuem Sandstein, und schon stellt sich die Frage, was auf den Postamenten der Brüstung stehen soll - außer vielleicht Touristen, die dort für Fotos posieren.

Ursprünglich waren dort reich mit Figuren geschmückte, vier Meter hohe Kandelaber zu sehen. Insgesamt sind an der Fassade 150 Sockel wieder errichtet worden, auf denen insgesamt 76 Figuren und 90 Vasen Platz finden können. An den Ecken teilen sich mitunter zwei Figuren ein Postament.

Der Figurenschmuck - abgesehen von den drei Wappenkartuschen über der Lustgartenfront - wird nicht vom Land finanziert. Der Potsdamer Schlossverein erhielt die Möglichkeit, Geld zu sammeln und die Figuren rekonstruieren oder restaurieren und dann auf das Dach setzen zu lassen. Hans-Joachim Kuke, einer der Sprecher des Vereins, rechnet mit fünf bis sechs Millionen Euro für dieses Vorhaben. Die bisherigen Spenden belaufen sich im unteren Hunderttausender Bereich, sagt er.

Immerhin ist es gelungen, für die Seite zum Alten Rathaus, wo die meisten Originalteile verbaut wurden, den Herkules und die ihn begleitenden beiden weiblichen Figuren restaurieren zu lassen. Im Herbst könnten sie auf den Giebel eines der beiden Kopfbauten gehoben werden. Der Verein hatte gehofft, noch die Gerüste und die Technik des Bauträgers nutzen zu können, aber der verwies auf die fehlenden vertraglichen Vereinbarungen.

Laut Kuke muss der Verein nun erst einmal ein Statik-Gutachten in Auftrag geben und dann den Antrag auf Nutzung des Straßenraumes bei der Stadt stellen. Gegen Gebühren, versteht sich. Und der Kran für Herkules will auch finanziert werden.

Mit der Figur auf dem zweiten Giebel lief es noch schlechter für den Verein. Die damalige Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) hatte 2007 die Schirmherrschaft über die Restaurierung der arg lädierten Figur übernommen. Mit Auktionen wurden 35 000 Euro für die Restaurierung und Ergänzungen zusammengetragen. Als sie fertig waren, entschieden die Denkmalpfleger, dass dieses Hauptwerk des preußischen Barocks nicht wieder Regen und Wind ausgesetzt werden darf. Nun muss der Verein 60 000 Euro für eine Kopie sammeln.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten besitzt neben Herkules und Minerva insgesamt 38 Figuren vom ehemaligen Stadtschloss, sagt Saskia Hüneke, Kustodin der Skulpturensammlung. 18 davon sind noch vollständig und müssten nur leicht ergänzt und restauriert werden. Acht sind sogar in einem guten Zustand und öffentlich zu sehen. Sie stehen in Berlin über dem Portal der Humboldt-Universität. Dorthin kamen sie, als zu DDR-Zeiten das Gebäude in Berlin wieder aufgebaut und in Potsdam das Stadtschloss abgerissen wurde. Das Landesdenkmalamt Berlin empfiehlt, von einer Rückgabe nach Potsdam abzusehen. Die Figuren seien Teil des Wiederaufbaus rund um die Staatsoper und damit Denkmäler. Potsdam könne Kopien anfertigen und aufstellen, so die Empfehlung aus der Senatsverwaltung.

Für Kuke ist das Raubkunst. Kein Sponsor ließe sich für die Finanzierung einer Kopie finden, wenn das Original noch vorhanden und nutzbar sei. Er kritisiert auch den Landtag als künftigen Hausherren. Landtagspräsident Gunter Frisch (SPD) hatte einst von "Engelchen" gesprochen, die man nicht brauche. Der Schlossverein verweist auf Herrschertugenden wie Mut, Weisheit und Gerechtigkeit, die im Gewand antiker Götter thematisiert wurden. Für Kuke hat das einen direkten Bezug zum Parlament. Einen offiziellen Antrag auf Rückführung der acht Figuren hat in Potsdam noch niemand gestellt. Finanzminister Helmuth Markov (Linke) würde die Rückführung begrüßen, vorausgesetzt das Land muss sie nicht finanzieren.

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